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Am morgigen Mittwoch um 21:00 Uhr startet auf VOX die neue amerikanische Krimi-Serie „Life“ mit einer Doppelfolge. Serienjunkies-Redakteur Bernd Michael Krannich konnte schon mal vorab einen Blick riskieren.
„Life“ - lebenslänglich - das war die Strafe des Straßen-Cops Charlie Crews (Damian Lewis, „Band of Brothers“), als man ihm den blutigen Mord an einem Geschäftspartner (beide besaßen eine Bar zusammen) und dessen Frau zur Last gelegt hatte. Ein Urteil, das nahezu in einem Eilprozess gesprochen wurde. Sein erstes Jahr im Hochsicherheitsgefängnis verbrachte der Ex-Cop weitestgehend auf der Krankenstation, immer ein Ziel des Hasses der Mitgefangenen auf die Wärter und die Polizei, die sie hinter Gitter gebracht hatten und hielten. Alle Freunde kehrten sich von ihm ab, sein Vater verbot der Mutter, ihn zu besuchen, und die Ehefrau sandte die ihm die Scheidungspapiere mit der Post zu.
12 Jahre später wurde er von dem Verbrechen freigesprochen, nachdem neue Methoden alte Beweise entkräften konnten. Die letzten vier Jahre seiner Haftzeit dauerte die Berufung, die Anwältin Constance Griffiths (Brooke Langton) im Vertrauen auf Crews' Unschuld durchfocht. Das Fehlurteil, und vor allem die zusätzlichen Belastungen während seiner Haft, bringen Crews einen satten Vergleich ein: Eine nicht genannte Millionensumme an Entschädigung, dazu bedingt er sich seine Wiederaufnahme in den Polizeidienst auf - als Detective.
Mit seinem ersten Arbeitstag beginnt die Handlung von „Dienstbeginn“. Ein Junge ist in einem abgelegenen Gelände erschossen werden. Crews lernt seine neue Partnerin Dani Reese (Sarah Shahi) kennen, die mit seiner Art offensichtlich gleich Probleme hat - denn um die Zeit im Gefängnis überstehen zu können, hat er sich den östlichen Philosophien zugewandt, deren meist verwirrende Sinnsprüche er nun beständig vor sich hin murmelt.
Der Fall führt die beiden Cops an einen Ort, der Crews kalte Schauer über den Rücken laufen lässt: Der Vater des Jungen ist ein verurteilter Drogenhändler, der im Gefängnis einsitzt. Natürlich liegt der Verdacht nahe, dass das etwas mit dem brutalen Ende seines Sohnes zu tun hat, so dass er befragt werden muss.
Unterdessen versucht Crews Vorgesetzte - Lt. Karen Davis (Robin Weigert, „Deadwood“) - den unliebsamen Neuzugang gleich wieder loszuwerden. Und bedient sich dabei der Tatsache, dass seine neue Partnerin Reese momentan selbst unter 'interner Bewährung' steht - sie hatte ein Problem mit Drogen -, weswegen man Crews auf sie abgewälzt hatte. Ein Verrat wäre jetzt für sie die Möglichkeit, sich selbst zu rehabilitieren.
Crews lebt derweil in einem spartanisch eingerichteten Haus in den Hills von Hollywood zusammen mit einem Freund aus Gefängnistagen, dem wegen Insiderhandel verurteilten Ted Early (Adam Arkin, „Boston Legal“). Er verwaltet nun für Charlie das neue Vermögen. Unterdessen wendet sich die neue Verlobte seines Vaters (Christina Hendricks) an Crews (seine Mutter war zwischenzeitlich verstorben) - sie hofft auf eine Aussöhnung zwischen den beiden Männern.
Schließlich wird klar, dass Crews seine Motive hatte, wieder in den Polizeidienst zurückzukehren. Er vermutet, dass ihn damals eine Verschwörung hinter Gitter gebracht hatte, die er jetzt aufklären will. Hat sein alter Partner Robert Stark (Brent Sexton) etwas damit zu tun?
In der zweiten Episode, „Die tote Braut“, wird eine frisch getraute Braut ermordet. Der Verdacht fällt gleich auf den Ehemann, doch Crews hat seine Zweifel. Im Verlauf der Ermittlungen setzt er alles daran, dass der von ihm für unschuldig gehaltene Ehemann nicht fälschlich inhaftiert wird.
„Life“ startete als eines der cleversten Procedurals der letzten amerikanischen Fernseh-Season, mit ungewöhnlichem Hauptcharakter und vielschichtigen Nebenfiguren. Es gelang, Crews auf amüsante Art glaubwürdig darzustellen, den ehemaligen Häftling, der einerseits versucht, sich - gemäß östlicher Philosophie - nicht allzusehr an die weltlichen Genüsse zu gewöhnen, die ihm sein neuer Reichtum ermöglicht. Aber ganz gelingen will es ihm nicht. So lebt er im Hier und Jetzt, genießt die Sonne und jede Frucht, der er habhaft werden kann. Und kommt mit manchen technischen Spielereien, die sich in den letzten 12 Jahren ergeben haben, nicht zurecht.
Thematisiert werden häufig Fragen von Vertrauen, was sich dann an der Figur von Crews selbst manifestiert, der von allen seinen Freunden fälschlicherweise für einen Mörder gehalten und von ihnen verlassen wurde. Als erzählerisches Element werden immer wieder Szenen einer fiktiven Dokumentation eingespielt, die das Umfeld von Crews untersucht - sei es die Tatsache, dass Ted Early als Wirtschaftskrimineller jetzt das Geld von Crews verwaltet und so von Crews' Gnaden lebt, oder dass Crews' Ehefrau damals ihrem Mann seine Unschuldsbeteuerungen nicht glaubte.
„Life“ ist eine Zwittershow, die neben dem beeindruckenden Charakterspiel einerseits vom „Fall der Woche“ lebt, andererseits durch die Suche von Crews nach den Verschwörern eine stark fortlaufende Geschichte hat. In den USA ist das Konzept nur bedingt angekommen. Nach dem Autorenstreik von vor einem Jahr kam die Serie dann auch erstmal nicht zurück auf den Sender, so dass die erste Staffel nur 11 Episoden umfasst.
Als das Cop-Drama dann nach fast 10 Monaten wieder auf Sendung ging, blieben die Zuschauer weg - ein Schicksal vieler neuer Serien des letzten Jahres, die lange vom Bildschirm verschwunden waren.
„Life“ beginnt durchaus als faszinierende Serie, die aber im Verlauf der Folgen diesen positiven Eindruck nicht ganz halten kann. Schade sowohl, dass die Serie in der Pause zur zweiten Staffel nochmals überarbeitet wurde als auch, dass die Serie wegen schwacher Quoten ihre zweite Staffel - die momentan in den USA läuft - nicht überleben wird.
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