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Leverage: Das A-Team Reloaded

Seit Anfang Dezember läuft auf dem US-Kabelsender TNT die neue Krimiserie „Leverage“ mit Oscar-Preisträger Timothy Hutton in der Hauptrolle (Serienjunkies vom 06.12.2008)). Nach nunmehr acht ausgestrahlten Episoden steht fest: Das A-Team hat einen würdigen Nachfolger gefunden.

Mehr als zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit in den USA eine der Serien lief, die eine ganze Generation von Serienjunkies mit geprägt hat: „Das A-Team“ – vier Vietnam-Veteranen, unschuldig verfolgt von der Militärpolizei, die Woche für Woche als moderne Robin Hoods denen halfen, die von Recht und Gesetz im Stich gelassen wurden, und denen sonst niemand anders helfen konnte. Woche für Woche tüfftelte der Colonel die unmöglichsten Pläne aus, legte Faceman die Schurken herein (und die Frauen flach), hatte Pilot Murdoch einen neuen verrückten Spleen und fanden B.A.'s Fäuste ein neues, dankbares Ziel.

„Vor einigen Jahren...“
© Universal
Es wurde geprügelt, geballert und – ganz wichtig – mindestens einmal pro Folge irgendein neues gepanzertes Vehikel gebastelt. Dabei strahlten die Vier stets eine – nie mehr erreichte – Lässigkeit und Coolness aus. Vor allem aber zeichnete sie eine unübertroffene Kameradie aus, ein Zusammenhalt, eine Freundschaft, die es bei allen – ohnehin mehr spielerischen (Murdoch/B.A.) – Konflikten innerhalb des Teams, so richtig und irgendwie logisch erscheinen ließ, dass sie mit allen Gefahren, ob Mafia oder Militärpolizei, fertig wurden. Das A-Team, das war die in vier Figuren aufgespaltene Personifikation des großen Bruders, der den Schwachen zur Hilfe kommt.

Seit dem Ende des A-Teams (1987) hat die US-Serienlandschaft einige gravierende Veränderungen durchlaufen: Insbesondere hinsichtlich der Komplexität von Figuren und Erzählungen, die in Serien wie „Lost“ oder auch in Procedurals wie „Medium“ natürlich um einige Quantensprünge höher liegt als beim A-Team. Und das ist auch gut so. Zugleich hat jedoch kaum eine andere Dramaserie jemals wieder so prononciert die emotionalen Qualitäten von freundschaftlichem Zusammenhalt und altruistischem Rittertum aufgewiesen. Vielleicht mit Ausnahme der viel zu früh abgesetzten ABC-Krimiserie „In Justice“ (Serienjunkies vom 15.01.2006).

Das Warten auf eine Serie, die es in dieser Hinsicht mit dem A-Team aufnehmen kann, hat ein Ende: Denn jetzt gibt es „Leverage“. Nathan Ford (Timothy Hutton, „Ordinary People“, „Kidnapped“), ein ehemaliger Versicherungsdetektiv, der seiner Gesellschaft Millionenzahlungen erspart hat, dann aber schändlich von eben dieser Gesellschaft im Stich gelassen wurde, als sein Sohn eine aufwändige medizinische Behandlung brauchte, wird in der Pilotfolge „The Nigerian Job“ vom Manager (Saul Rubinek) eines Flugzeugunternehmens angeheuert, um von der Konkurrenz gestohlene Pläne zum Bau eines neuen Flugzeugs „zurückzustehlen“.


Dazu werden ihm drei Berufsverbrecher zur Seite gestellt: Computer-Hacker und Technik-Genie Hardison (Aldis Hodge, „Friday Night Lights“), die Fassadenkletterin Parker (Beth Riesgraf) und Nahkampfexperte Eliot (Christian Kane, „Angel“). Gemeinsam gelingt es ihnen, erfolgreich die Pläne an sich zu bringen. Wie sich jedoch zeigt, werden sie von ihrem eigenen Auftraggeber aufs Kreuz gelegt: Die Pläne gehörten gar nicht seiner Firma. Und um zu verhindern, dass das je herauskommt, versucht er die Vier durch einen Bombenanschlag zu beseitigen. Nathan und die anderen können jedoch entkommen.

Gemeinsam mit der Betrügerin Sophie (Gina Bellman, „Coupling (UK)“), mit der Nathan offenbar eine lange und nicht ganz unemotionale Beziehung verbindet, machen sie sich daran, es ihrem Auftraggeber heimzuzahlen – und die ihnen entgangene Bezahlung einzutreiben. Nach der erfolgreichen Erledigung dieses Jobs könnten die Fünf eigentlich wieder auseinander gehen. Doch das tun sie nicht. Bislang haben sie sich immer nur als Einzelgänger durchgeschlagen. Doch jetzt haben sie die Erfahrung gemacht, wie es ist, als ein Team zu arbeiten. Es ist Sophie, die schließlich den Vorschlag unterbreitet: „Go, find some bad guys. Bad guys have money...

Unter dem Deckmantel der Beratungsfirma „Leverage Consulting & Associates“ helfen die Fünf mit ihren unorthodoxen Methoden fortan denjenigen, denen das Gesetz nicht mehr helfen kann. Gegen die Reichen und Mächtigen.

Leverage“ ist mit Sicherheit keine exakte Kopie des A-Teams. Dazu unterscheiden sie sich z.B. schon beim Genre zu sehr: Wo „Das A-Team“ durchweg eine Actionserie gewesen ist, ist „Leverage“ (nicht zuletzt aufgrund des kleineren Budgets einer Basic-Cable-Serie) eher eine Krimiserie mit Actionelementen. Der große Krawall, der eines der Markenzeichen des A-Teams war, bleibt bei „Leverage“ also in der Regel aus. Und doch haben beide Serien einige sehr auffallende inhaltliche wie strukturelle Gemeinsamkeiten.

Parker (Beth Reisgraf)
© 2008 Turner
Da ist zum einen die (wenn auch von den Geschlechtern her nicht immer analoge) funktionale Aufteilung der Figuren: Der genialistische Planer (Nathan/Hannibal), die wandlungsfähige Betrügerin (Sophie/Face) und die... Exzentrikerin (Parker/Murdoch). Die Funktion von B.A. ist in „Leverage“ auf zwei Figuren aufgeteilt worden: Die Ein-Mann-Nahkampfarmee Eliot und den Bastler Harison. Ebenso teilt Sophie ein Charakteristikum, das im A-Team Hannibal zukam: Auch sie versucht sich im „wirklichen“ Leben als Schauspielerin – mit eher zweifelhaften Resultaten. Wo Hannibal versuchte, emotionale Tiefe in den Aquamaniac zu bringen, probiert Sophie das gleiche – bei einem Werbespot für Seife.

Zugleich werden in der Figurenkonzeption jedoch auch die Unterschiede zum A-Team sichtbar. Die Charaktere in „Leverage“ haben die für heutige Serien typische Tiefe und Gebrochenheit. Da ist z.B. Nathan, der nach dem Tod seines Sohnes und dem Zerbrechen seiner Ehe dem Alkohol mehr zugeneigt ist als es für ihn gut wäre. Oder Parker, hinter deren Merkwürdigkeiten sich das Trauma ihrer Kindheit bei nicht gerade liebevollen Pflegeeltern verbirgt.


Die Episoden von „Leverage“ ähneln sowohl im Aufbau (z.B. am Anfang: Vorstellung des Problems und Kontaktaufnahme durch den Klienten) als auch vom Inhalt her auffallend dem A-Team: Da gibt es die Folge mit der Mafia-Hochzeit („The Wedding Job“, beim A-Team: 1x12 Till Death Do Us Part), mit dem zur ungewöhnlichen Notlandung gezwungenen Flugzeug („The Mile High Job“, beim A-Team: 1x13 The Beast from the Belly of a Boeing) oder mit der von einem Despoten beherrschten Kleinstadt („The Bank Shot Job“, beim A-Team: Welche Folge nicht?).

Auch die Dialoge in „Leverage“ zeichnen sich – wohl nicht zuletzt dank der Sitcom-Vergangenheit der beiden Erfinder John Rogers („Cosby“) und Chris Downey („King Of Queens“) – durch eine längst verloren geglaubte Tradition von trockenen One-Linern aus. Nur als Kostprobe:

Parker (auf die Frage, was sie von dem gestohlenen Geld gekauft hat): „I don't like stuff, I like money!

Nathan: „Parker, have you ever robbed a bank that is being robbed?
Parker: „There is a first time for everything...

Parker: „Sometimes, bad guys are the only good guys you get...

Nathan (sieht blaue Flecken in Eliots Gesicht): „What happened to you?
Eliot: „How was I supposed to know it was a lesbian bar?

Doch mehr als alle übrigen Anleihen beim A-Team und anderen Serien der 70er und 80er Jahre ist für „Leverage“ das emotionale Fundament der Freundschaft von Bedeutung: Es ist das Gefühl eines Teamgeists, der die fünf Einzelkämpfer am Ende der Pilotfolge zusammenbleiben lässt. Und es ist das Knüpfen freundschaftlicher Banden und Beziehungen (allen voran natürlich Nathan/Sophie, aber auch Parker/Hardison sowie die B.A./Murdoch nicht ganz unähnliche Konstellation von Hardison und Eliot), welches den Zuschauer an die Serie bindet.

Vom Timing her, was den gesellschaftlich-politischen Kontext angeht, könnte die Serie außerdem zu keinem günstigeren Zeitpunkt auf die Bildschirme kommen: Gerade als die glitzernde Fassade des neoliberalen Kapitalismus zusammenfällt und einen Blick auf die Gier, den Betrug und die Korruption dahinter eröffnet, schlägt zumindest im Fernsehen die Stunde derjenigen, die für ein klein bisschen Gerechtigkeit sorgen: Ob „Leverage“, „Hustle“ oder natürlich „Robin Hood“ – nie gab es eine bessere Zeit für edle Ganoven auf dem Bildschirm!

Fazit

Leverage“ ist vorzüglich gemachte Unterhaltung – witzig, dramatisch, spannend – die zwar sicherlich keinen Preis für überragende Leistungen auf dem Gebiet innovativen Erzählens einheimsen wird. Dafür bietet die Serie jedoch einen gut aufgelegten Cast (den, wie Gina Bellman in ihrem Blog auf der Webseite von TV Guide verrät, auch hinter den Kulissen ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis verbindet) und eine satte Portion A-Team-Nostalgie, die bis zum direkten Zitat reicht. Wie sagt Hardison in „The Mile High Job“ doch so schön: „I love it when a plan comes together...

Wer richtig gut gemachtes Feel-Good-TV sucht, der sollte auf jeden Fall bei „Leverage“ reinschauen.


© 2008 Turner


 

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Autor: Christian Junklewitz
Datum: Sonntag, 25. Januar 2009 12:00 Uhr
Url: http://www.serienjunkies.de/news/leverage-das-20625.html

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