![]() |
Serienjunkies® - Alles zu deinen Lieblingsserien! | www.serienjunkies.de |
Der US-Sender NBC hat vor kurzem angekündigt, 52 Wochen pro Jahr neue Serien produzieren zu wollen und seinen Fall Schedule bereits diese Woche präsentiert. Um zu verstehen, warum das eine kleine Sensation ist, muss man den bisherigen, traditionellen Entstehungsweg einer Fernsehserie mit seinen ungeschriebenen Gesetzen kennen.
Serienjunkies erklärt, wie eine Serie entsteht, wie lange der Vorlauf, wie groß die Hürden und was die wichtigsten Stationen bis zur ersten Ausstrahlung - und auch darüber hinaus - sind.
Wer sich in Erdkunde auskennt, weiß, dass in Los Angeles das ganze Jahr über beständig die Sonne scheint und das Thermometer eher selten unter 15 Grad Celsius sinkt. Jahreszeiten wie wir sie kennen, gibt es in der Hauptstadt des Film- und Fernsehbusiness nicht. Aber L.A. hat sich einfach seine eigenen Jahreszeiten geschaffen.
Streng genommen ist es nur eine pro Jahr. Diese „Season“ (= engl.: Jahreszeit) geht von September bis Mai und nennt sich bei uns „Staffel“. Ihr gehen aber wiederum mehrere kleinere „Seasons“ voraus: pilot-development season, pilot-production season, staffing season und pick-up season.
Pilot-development season (Juli bis November)
In der pilot-development season werden Ideen für neue Serien gesammelt, durchdacht, umgeworfen, weiterentwickelt. Nicht, dass man den Kreativen sagen könnte, wann sie die Muse küssen solle, aber traditionellerweise beginnt diese erste Phase am amerikanischen Nationalfeiertag (4. Juli) und dauert bis Thanksgiving (letzter Donnerstag im November).
Während der pilot-development season werden den US-Studios und -Networks zahlreiche Ideen präsentiert, von denen sich die Macher meist viel versprechen. Es heißt, dass die meisten Executives während dieser Monate täglich an die fünf oder sechs Drehbücher vorgelegt bekommen und viele Präsentationen über sich ergehen lassen müssen (sog. Pitches). Erscheint die präsentierte Idee interessant, wird ein Drehbuch in Auftrag gegeben, was das Studio gut und gerne 250.000 Dollar kostet - nur für geschriebenes Wort und noch keine einzige Sekunde Bewegtbild, wohlgemerkt.
Um aus der schieren Masse herauszustechen, sollte ein eingereichtes Drehbuch bereits auf den ersten Seiten fesseln - oder einen bekannten Namen auf dem Deckblatt vorweisen - sonst geht es erbarmungslos unter. Es hilft auch, etwas Erfolgreiches und Bewährtes aufzugreifen, aber eben noch nen Ticken besser zu sein. Oder es zumindest zu versprechen. Nicht zuletzt deshalb ähneln sich einige Serien in aufeinanderfolgenden Jahren, da versucht wird, die scheinbare Erfolgsformel der letzten Season zu kopieren.
Sehen die Produzenten und Sender ein gewisses Potenzial, bekommen die Macher auf Basis des Drehbuchs grünes Licht für die Produktion eines Piloten (green-lighted ist der offizielle Fachbegriff). Was dann im Endeffekt wirklich daraus wird, kann nach einem ersten Drehbuch bzw. Pitch niemand mit Gewissheit sagen. Leider.
Pilot-production season: November bis März/April
Nachdem den Senderverantwortlichen also hunderte von Ideen und Drehbüchern vorgestellt wurden, werden die erfolgversprechendsten in der pilot production season filmisch umgesetzt. Diese Phase dauert von Thanksgiving bis März/April und stellt für die TV-Schauspieler die wichtigste Zeit des Jahres dar. Hoffen sie doch, eine Hauptrolle im Next Big Hit zu ergattern und der neue Dr. House oder die neue Meredith Grey zu werden.
Investierte das Studio/der Sender in ein Drehbuch nur ein paar Hunderttausend Dollar, kostet der tatsächliche Dreh durchaus mehrere Millionen. (Der zweistündige Pilot von „Lost“ verschlang damals sogar geschätzte 14 Mio. USD.) Im Schnitt erhalten pro Network 15 bis 20 Drehbücher das Ok zur Pilotproduktion.
Um die Kosten zu senken, gehen manche dazu über, nur sogenannte pilot presentations zu bestellen. Es wird also keine 45-minütige erste Episode, sondern nur ein Teil des Pilot-Drehbuchs produziert, um einen ersten Eindruck vom Look und den Darstellern zu bekommen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Werden nur 20 Minuten produziert, halbieren sich die Kosten in etwa. Erhält die Serie allerdings ein Pick up (wird sie also wirklich als Serie produziert), muss die erste Episode - bzw. die fehlenden Teile - nachgedreht werden. Wer genau hinsieht, erkennt diese später hinzugefügten Szenen. Denn zwischen dem Dreh des Piloten und der weiteren Episoden vergehen mitunter mehrere Monate.
Staffing season: April bis Mai
Es heißt, es gebe einen regelrechten Insider-Schwarzmarkt für Kopien fertiger oder auch noch unfertiger Piloten und pilot presentations. Warum? Zum einen dient es den Sendern und Studios der Konkurrenzbeobachtung, denn noch gibt es mehr Piloten als freie Sendeplätze im Herbst. Zum anderen beginnt nun, also Ende April, die so genannte staffing season für die Autoren. Und diese wollen schließlich wissen, für welche Serie sie sich die nächsten Monate - und eventuell Jahre - die Finger wund schreiben wollen. Das Drehbuch für den Piloten schreibt noch der Erfinder (creator) einer Serie nahezu im Alleingang, die weiteren Folgen sind die Arbeit eines mehr oder weniger eng zusammenarbeitenden Autorenteams.
Bekannte und erfolgreiche Autoren werden während der staffing season von verschiedensten Studios, Networks und Showrunnern - letztere werden bereits vor oder während der pilot-production eingestellt - umworben, und können sich ihren zukünftigen Arbeitsplatz sozusagen aussuchen. Neue oder weniger erfolgreiche Autoren müssen mitunter viele Bewerbungsgespräche absolvieren, bevor sie für eine Serie engagiert werden. Dabei helfen, wie so oft im Leben, Beziehungen - das klassische Vitamin B - und eine gewinnende Persönlichkeit. Wichtig ist vor allem, dem Showrunner zu gefallen, denn er hat - als Hauptverantwortlicher für die Serienproduktion - das letzte Wort.
Verträge werden für die Autoren aber erst unterzeichnet, wenn der Pilot ein Pick-up erhält und somit vom Network in das kommende Programmschema (v.a. Fall Schedule) aufgenommen wird. Aber dazu mehr im zweiten Teil...
Im Teil 2: Pick-up season, New York upfronts, L.A. screenings, Fall Schedule und Mid Season
Serienjunkies.de KG
Schillerstraße 49a
16341 Panketal
Tel: +49 30 868703636
Fax: +49 30 484982042
US-Hotline & FAX: 1-818-688-8020
Vertretungsberechtigter Gesellschafter (Komplementär): Mariano Glas
Registergericht: AG Frankfurt/Oder
Registernummer: HRA 2464 FF
Ust-ID: DE 247403076