Post Mortem: Ein Weg aus der Mutlosigkeit?

Neues vom Obduktionstisch: Anne Cathrin Buhtz und Hannes Jaenicke in der neuen Staffel „Post Mortem“
(c) RTL
Am Donnerstag startet auf RTL um 20.15 Uhr die zweite Staffel der Forensik-Krimiserie „Post Mortem“. Für Serienjunkies hat sich CSI-Experte Vladislav Tinchev die ersten drei Folgen angeschaut.
Nach all der Kritik, die RTL während der ersten Staffel von „Post Mortem“ einstecken musste, und nach dem Einbruch der Quoten von anfänglich ca. 20 auf ca. 12 Prozent gegen Ende waren viele verwundert (ich auch), dass RTL eine zweite Staffel in Auftrag gab. Der Sender bewies Mut - das steht fest und ist auch gut so. Jetzt, kurz vor der Premiere der zweiten Staffel, fragt man sich freilich, wieviele Zuschauer den Mut beweisen werden einzuschalten - jetzt, da das „CSI: Crime Scene Investigation“-Team und „House“ Urlaub machen? RTL selbst verwöhnt seine Zuschauer Woche für Woche mit Qualitätsfernsehen aus den USA, vor allem im Krimibereich. Man muss sich wie ein Hund fühlen, der sich in den Schwanz zu beißen versucht. Denn RTL schafft dem Zuschauer durch dieses Programm erst die Möglichkeit zu vergleichen - ist das nicht wie bei CSI usw.?
Nun, ich betone es erneut - die Geschichten, die im Kino und im Fernsehen erzählt werden, beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit denselben Themen: die Frage ist, wie man erzählt und ob man das Produkt zum passenden Zeitpunkt auf den Markt bringt. Vergleiche wird es immer geben, aber worum es hier geht, ist - wie Barbara Thielen in einem Interview betont hat - nicht darauf zu warten, dass die US-Produktionen schwächeln oder vom Markt verschwinden, sondern aktiv dagegen anzugehen und zu zeigen, dass man es selbst in der Hand hat (Serienjunkies vom 5. Dezember 2007). Ob man als größter deutscher Privatsender eine Gegenbewegung mit der zweiten Staffel von „Post Mortem“ und der alten neuen Serie „Die Anwälte“ schafft, ist schwer zu glauben. Lobenswert ist allemal, dass RTL offenbar auf Zuschauer und Kritiker reagiert (was deutsche Sender im Prinzip überhaupt nicht tun) und sogar Veränderungen an seinem Produkt vorgenommen hat, um sie zufrieden zu stellen und damit natürlich bei der Quotenauswertung besser abzuschneiden.
Oder werden sich die Quoten bei dieser Eigenproduktion wieder „lichten“? So, wie sich bei der Kamerafahrt am Anfang der ersten Folge der neuen Staffel die Bäume lichten, um den Blick auf ein Liebespärchen freizugeben. Ganz in der Tradition der „modernen“ Krimidramaturgie wird die Liebe von einem schrecklichen Ereignis gestört - diesmal ist es ein Flugzeugabsturz. Und keine „Zoom- und Kameraabstürze“ mehr in dieser neuen Staffel (jedenfalls nicht in den drei Folgen, die mir zur Verfügung standen). Dafür häufiger schnelle, aggressive Kameraschwenks, die nach mehr Information, nach mehr Details trachten und damit die Intensität der Ermittlungen steigern. „Post Mortem“ operiert oft mit Kameraschwenks und hoher Schnittanzahl, um das Tempo der Erzählung zu variieren. Verglichen mit den bei „CSI“ üblichen long takes, bei denen die Kamera in einer langen ungeschnittenen Szene eine Beobachterfunktion einnimmt und in den meisten Fällen ein Pärchen, das sich unterhält, durch die Laborräumlichkeiten begleitet, sind es hier meist horizontale und vertikale Kameraschwenks, durchbrochen durch schnelle Schnittreihenfolgen, die das Geschehen begleiten. Und ein Klasse-Vorspann!
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Vladislav Tinchev am Montag, 14.Januar 2008 14.00 Uhr
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