Nominierungen offen für SAG-Präsidentenamt

Nominierungen offen für SAG-Präsidentenamt
Stellt sich nach momentanen Stand zur Wiederwahl: SAG-Präsident Alan Rosenberg
Foto: Albert L. Ortega

Am vergangenen Sonntag fand das jährliche Treffen der Hollywood-Abteilung der Schauspielergewerkschaft SAG in Los Angeles statt. Obwohl Nominierungen für das Amt des Gewerkschaftspräsidenten möglich waren, hat bisher nur ein Kandidat seine Absicht erklärt. Und selbst dieser könnte zugunsten eines populäreren Bewerbers zurückziehen.

Nach der langen Tarif-Auseinandersetzung zwischen der Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG) und dem Verband der Film- und Fernsehproduzenten Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) ist die Schauspielergewerkschaft innerlich gespalten.

„Nominierungen offen für SAG-Präsidentenamt“ nachzulesen bei Serienjunkies

Die zwei Parteien heißen MembershipFirst (MF) und UniteForStrength (UFS). Bei den letzten Präsidentschaftswahlen konnte sich MF durchsetzen, eine Gruppe mit sehr ehrgeizigen Zielen für ihre Klientel. Sie hatte lange Zeit die Mehrheit auch in der gewerkschaftsinternen Verhandlungsgruppe mit der AMPTP. Sie sorgte für eine harte, nahezu kompromisslose Gangart in den Verhandlungen. MF stand hinter der Strategie, die ein Jahr lang eine Einigung zwischen den beiden Tarifparteien verhinderte.

UFS fährt einen gemäßigteren Kurs. Durch Nachwahlen im letzten September erhielt die Vereinigung eine knappe Mehrheit im nationalen Vorstand. Mit dieser erreichte sie schließlich den Kompromiss im Tarifstreit, der schließlich von einer überragenden Mehrheit der abstimmenden Darsteller angenommen wurde (78 Prozent Zustimmung bei einer Wahlbeteiligung von 35 Prozent).

Kurz vor der Bekanntgabe dieses Ergebnisses erklärte der aktuelle SAG-Präsident Alan Rosenberg, „nach derzeitigem Stand kandidiere ich für eine dritte Amtszeit“ von zwei Jahren. Nachdem die Zustimmung der Gewerkschaftsbasis zu dem von ihm abgelehnten Vertragsangebot aber so deutlich ausfiel, könnte er doch noch für einen eventuell populärere Kandidaten aus seiner Gruppe Platz machen. Vielleicht die aktuelle Vize-Präsidentin und eine seiner engsten Vertrauten Anne-Marie Johnson. Vielleicht aber auch Connie Stevens oder Martin Sheen.

Auf der anderen Seite werden von Branchenbeobachtern die aktuellen Mitglieder des nationalen Vorstandes Adam Arkin und Jason Alexander für UFS ins Spiel gebracht, ebenso wie der ehemalige Gewerkschafts-Schatzmeister James Cromwell.

Am Sonntag jedenfalls war noch keiner bereit, die Karten auf den Tisch zu legen. Die Wahl dürfte insgesamt richtungsweisend werden. Neben dem neuen Präsidenten werden nämlich auch noch weitere 23 Sitze (von 71) im nationalen Vorstand neu besetzt. Bei der letzten Wahl ein Jahr zuvor gelang es UFS, eine Vielzahl von Sitzen zu übernehmen. Auf jeden Fall wird es an dem neuen Vorstand sein, die nächsten Tarifgespräche mit der AMPTP zu führen.
Der Stichtag für Nominierungen ist der 23. Juli. Das Wahlergebnis wird am 24. September bekannt gegeben werden.

UniteForStrength und MembershipFirst bestehen übrigens schon länger, als der jüngste Tarifstreit mit dem AMPTP. Die Vereinigungen bildeten sich durch die Frage heraus, wie man mit der kleineren Schwestergewerkschaft American Federation of Television and Radio Artists (AFTRA) umgehen soll. Beide Gewerkschaften verhandeln schon länger gewisse Tarifverträge gemeinsam, sind aber bei der Vertretung von Fernsehserien (und damit den Einkünften für die Gewerkschaften daraus) Konkurrenten. Wie ihr Name schon sagt, ist die Vereinigung UniteForStrength für eine Vereinigung der beiden Gewerkschaften, um die Verhandlungsposition der Schauspieler überhaupt zu stärken. Denn durch zwei Gewerkschaften entsteht natürlich eine Konkurrenzsituation am Markt, anstatt eines Monopols. MembershipFirst strebt auch eine Vereinigung an, aber eher in Form einer feindlichen Übernahme der kleineren Gewerkschaft. In der neuen Gewerkschaft sollen dann eben auch die Film- und Fernsehdarsteller, die in der SAG vertreten sind, den Ton angeben. Zum Nachteil der anderen Berufsgruppen, die in der AFTRA vertreten sind, nämlich Sprecher, Ansager, Bühnenarbeiter und -darsteller.

Bernd Michael Krannich am Dienstag, 30.Juni 2009 08.00 Uhr

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