Networks wollen Reality-Kosten drücken


Networks wollen Reality-Kosten drücken
Jeff Probst, Moderator von „Survivor“
© CBS

In den USA einst als Möglichkeit eingeführt, von Zuschauern wenig beachtete Sendeplätze - wie die Sommermonate - kostengünstig zu füllen, herrscht im heutigen Geschäftsklima auch auf Reality-Formaten der Druck, die Kosten zu senken.

Im US-Fernsehmarkt herrscht - angesichts sinkender Zuschauerzahlen - überall der Druck, billiger zu produzieren. Drama-Serien wie „Boston Legal“ und „Law & Order“ begegnen diesem Druck damit, dass sie Cast-Mitglieder gegen günstigere Darsteller austauschen, bei der Daily Soap „Guiding Light“ hat man die Produktionsmethode umgestellt.

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Auch auf den einstmals als „superbillig“ verschrienen Reality-Formaten liegt nun der Druck, billiger zu werden. Zum Einen heißt das, die jeweilige Produktionszeit zu verkürzen - also schneller zu drehen und schneller aus dem Schneideraum zu kommen - zum Anderen wird bei neuen Shows auch darauf geachtet, dass man einen möglichst großen Teil der Dreharbeiten im Studio durchführen kann, da Außendrehs teurer sind.

Im heutigen Klima hätte eine Serie wie CBS Show „Survivor“ - die immerhin an Orten rund um die Welt dreht - vermutlich keine Chance mehr. Seinerzeit wurde die Serie noch als billige Alternative gesehen.

So entscheidet man sich heute in den Chefetagen für Formate wie „My Dad Is Better Than Your Dad“ (NBC) und „The Moment of Truth“ (FOX) - im Studio gedreht und mit einem relativ unbekannten Moderator. Letztere Show ist der erfolgreichste Neustart eine Reality-Serie während dieser Season gewesen - und besteht grundsätzlich aus zwei Leuten, die in einem Studio in Stühlen sitzen.

Somit sinkt man auch im Production Value unter ein Niveau ab, unter das zu gehen man sich vor wenigen Jahren einfach noch nicht getraut hätte. Einen Teil dazu beigetragen haben die vielen erfolgreichen Internetvideos, die teilweise ein Millionenpublikum anziehen. Denn diese Amateurvideos warfen auch die Frage auf, wie hoch die Ansprüche der Zuschauer eigentlich sein. Und - so die Überlegungen - wenn sich die Zuschauer die pixeligen Videos im Kleinformat anschauen, ist es dann wirklich notwendig, ein Starteam vor und hinter der Kamera zu versammeln.

Heutzutage gibt es für eine etwas kostspieligere Reality-Serie nur eine Möglichkeit, einen Fuß in den amerikanischen Fernsehmarkt zu bekommen: Anderswo bereits ein riesen Hit zu sein. „Moment of Truth“ wurde von FOX erst gekauft, nachdem es in Kolumbien ein großer Hit wurde (und gehört - wie gesagt - vermutlich nicht gerade in die obere Preis-Etage).

Heutzutage suchen die amerikanischen Broadcaster nach einem Vorteil eines Formats gegenüber vergleichbaren Formaten oder einer Erfolgsgarantie. Und da kommt eine erfolgreiche Ausstrahlung in einem anderen Land einer Erfolgsgarantie schon am nächsten. Und im Bereich, ein Vorteil mitzubringen, sticht vor allem die Zentrierung einer Serie auf einen bekannten Namen hervor: Serien um Paris Hilton, die Lohans oder Denise Richards legen davon ein beredetes Zeugnis ab.
Trotzdem wird es immer schwieriger, neue Formate ans Network zu bringen.

Bernd Michael Krannich am Sonntag, 29.Juni 2008 13.00 Uhr

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