My Name is Earl: RTL zieht den Stecker

Earl J. Hickey (Jason Lee) ist den Deutschen wohl nicht lustig genug.
© NBC
Wieder einmal ist in Deutschland der Versuch gescheitert, eine in ihrem Heimatland populäre Comedy auf einem etwas ungewöhnlichen Sendeplatz auszustrahlen: Der Sender RTL zieht nach nur vier Episoden die Konsequenz und verkündet die Absetzung von „My Name is Earl“ nach dem Monatswechsel.
Konstant weit unter dem Senderschnitt lagen die Einschaltquoten von „My Name is Earl“ auf dem Sendeplatz am späteren Freitag Abend. Da half es dann auch nichts mehr, dass Senderchefin Anke Schäferkordt sich im Vorfeld der Ausstrahlung in mehreren Interviews als Fan der Serie outete. Das sind sicher die Stunden, in denen man seine Job als Programmverantwortlicher nicht mehr ganz so mag, wenn man ein Format persönlich schätzt und es beim Zuschauer trotzdem durchfällt - dazu noch mit Pauken und Trompeten. Von ähnlichen Erfahrungen berichteten kürzlich Schäferkordts amerikanische Kollegen der Presse (Serienjunkies vom 23. Juli 2008).
Somit ist - wieder einmal - ein Versuch gescheitert, der deutschen Zuschauerschaft eine amerikanische Comedy schmackhaft zu machen. Auch wenn der Versuch von RTL deutlich jenseits eines „Platzes an der Sonne“ - der Primetime - angesiedelt war, gelang es nicht, genügend Zuschauer anzuziehen.
Comedies ziehen in Deutschland eben nur jenseits der Hauptsendezeit genügen Zuschauer an, um mit dem Senderschnitt (der größeren Sender) Schritt halten zu können. Sei es als Dauerwiederholung am Vorabend oder aber am Wochenende. Die ehemaligen Sendeplätze nach den Spätnachrichten, auf dem Comedys wie „Caroline in the City“, „Mad About You“, „Frasier“ oder „Becker“ ihre Deutschlandpremieren erlebten, wurden mittlerweile von günstigeren Call-in Gewinnspielen erobert.
Man kann eigentlich nur hoffen, dass es dem Münchener Sender ProSieben mit seinem neuen Anlauf eines Comedyblocks und den Serien „Samantha Who?“ bzw. der siebten Staffel von „Scrubs“ ab dem 3. September gelingt, sich in Sichtweite der Primetime - Sendeplatz der Serien ist ab etwa 22:15 Uhr - erfolgreich zu etablieren.
Denn schon seit Jahren hat der Sender mit dem Versuch, solche Serien auch in der Primetime zu zeigen, keinen Erfolg verbuchen können. Weder mit „Scrubs“, noch mit den „Friends“ oder „The Simpsons“ - und dass, wo letztere doch auf eine treue Fangemeinde zählen können, die bei jedem Versuch, der Serie am Vorabend mal eine Pause zu gönnen, gleich auf die Barrikaden gehen.
Es wäre doch zu schade, wenn (neue) amerikanische Comedy auf Dauer nur einen Platz im Programm am Samstag Mittag haben würde.
Als Ersatz für Earl programmiert man bei RTL übrigens ein deutsches Format.
Bernd Michael Krannich am Donnerstag, 14.August 2008 10.00 Uhr
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