Lost und das feste Enddatum

(c) ABC
Denn Mitte der dritten Staffel hingen die Showrunner von „Lost“, Damon Lindelof und Carlton Cuse in der Luft: sie hatten eine feste Vorstellung davon, was in „Lost“ noch alles passieren sollte. Sie hatten nur keine Ahnung, ob sie zum Erzählen dieser Geschichte nun noch eine oder sieben Staffeln Zeit haben würden.
Also begannen sie, eher vorsichtig zu erzählen, langsam voran zu gehen. Eine Vorgehensweise, die bei vielen Fans zu Unzufriedenheit führte und die nach den ersten sechs Episoden der dritten Staffel - nach denen in den USA eine längere Ausstrahlungspause folgte - eine längere Zeit der schlechten Presse für die Serie einläutet.
In dieser Situation gelang den Produzenten, die Flucht nach vorne anzutreten. Inspiriert und motiviert durch einen Artikel des Horror-Autoren Stephen King - bekennender Fan der Serie, der schrieb das es an den Produzenten sei, das Ende der Serie festzulegen - wandten sich Cuse und Lindelof an ihren Sender. Und der ermöglichte ihnen etwas bisher im Fernsehnen nie da gewesenes: einerseits die Zusage, „Lost“ auf einen Schlag über drei Staffeln mit 48 Episoden zu verlängern. Und darüber hinaus auch die Zusage, die Serie nicht darüber hinaus zu verlängern.
Ein Beispiel und eine weitere Inspiration sei für Cuse und Lindelof auch die frühe Aussage der „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling gewesen, dass ihre erfolgreiche Buchreihe genau über sieben Bände gehen würde. Diese Aussage eines festen Endes schafte bei Potter wie jetzt bei „Lost“ einen Sinn bei den Konsumenten, dass die Kreativen eine feste Vorstellung von dem haben, was sie mit der Serie vor haben, welche Geschichte sie erzählen wollen.
Auch für Cuse und Lindelof änderte die Gewissheit des feststehenden Rahmens viel. Durch das Wissen konnten sie nun wieder viel motivierter an die Arbeit gehen, die Kontrolle über ihre Serie übernehmen, ohne von Jahr zu Jahr auf die Entscheidung der Networkverantwortlichen angewiesen - davon abhängig - zu sein.
Das Experiment funktioniert: Kritiker und Fans sind einhellig der Meinung, das die Serie in ihrer zweiten Staffel einen zweiten Frühling erlebt. Maßgebend dabei war auch der erzählerische Kunstgriff, die dritte Staffel mit einem Blick in die Zukunft abzuschließen.
Der Sender ABC tut derweil sein möglichstes, um zwischen den Staffeln 1 und vier ausgestiegenen Zuschauern den Wiedereinstieg zu ermöglichen.
Ein bisschen Angst haben die Produzenten jedoch jetzt schon vor den Erwartungen der Zuschauer und der Presse an die finale Episode. „Es ist unsere Aufgabe, diese Erwartungen zu drücken: Wir sind schon lange genug auf der Achterbahn 'Fernsehen' unterwegs um zu wissen, das es Höhen und Tiefen gibt. Die Wahrheit ist, Season 4 ist eine ziemliche 'Höhe'. Aber es liegt nicht in unserer Natur zu erwarten, dass wir bis zum Ende nicht auch noch mal ein Tal zu durchschreiten haben werden.“

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