Lost: Der Spaß an der Verwirrung

Lost: Der Spaß an der Verwirrung
So viele Figuren, so viele Handlungsstränge, so viele Zeitebenen: Gar nicht so leicht bei „Lost“ den Überblick zu behalten
(c) 2009 ABC

Halbzeit in der fünften Staffel von „Lost“. Die letzten acht Folgen haben den Zuschauern - insbesondere durch die Zeitreisen - Einiges an mentaler Anstrengung abverlangt. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum tun wir uns das überhaupt an?

Die erratischen Zeitsprünge haben in „La Fleur“ zwar offenbar aufgehört, nachdem John Locke an dem großen, mysteriösen Holzrad gedreht hat, um sich selbst von der Insel zu transportieren. Die Folge ist dadurch jedoch nicht unbedingt weniger kompliziert geworden: So kehren wir gleich zu Beginn (wie schon in der vorangegangenen Episode „The Life and Death of Jeremy Bentham“) zu eben jenem Holzrad-Moment in der unterirdischen Höhle zurück.

„Lost: Der Spaß an der Verwirrung“ nachzulesen bei Serienjunkies

Doch anstatt wie in der letzten Folge dem Schicksal von Locke zu folgen, begleiten wir diesmal die am Brunnen zurückgebliebenen Sawyer, Juliet, Miles und Jin - sowie den später dazustoßenden Daniel. Durch einen ersten Zeitsprung werden sie in eine ferne Vergangenheit versetzt, in der sie aus der Ferne die Rückseite einer gigantischen Statue erkennen. Die Autoren haben die vier steinernen Zehen aus „Live Together Die Alone (2)“ also doch noch nicht vergessen.

Nächster Zeitsprung. Diesmal verbunden mit einem viel intensiveren Lichtblitz - und sie sind wieder in einer anderen Zeit. Weil Nasenbluten und Kopfschmerzen danach aufhören, folgern sie, dass, was immer Locke getan hat, die Zeitsprünge beendet haben muss. Auch wenn sie nicht genau wissen, in welcher Zeit sie jetzt überhaupt gelandet sind. Abblende auf Schwarz. Und der Schriftzug „Drei Jahre später“ erscheint.

Schön, wir wissen nicht, in welcher Zeit wir gerade eben gewesen sind. Jetzt, so lassen uns die Autoren wissen, ist es aber auf jeden Fall drei Jahre später. Eine mögliche Schlußfolgerung, die sich dem Zuschauer aufdrängt ist: Dass wir gerade eben in der Absturz-Gegenwart gelandet sind - und uns jetzt in der drei Jahre entfernten Absturz-Zukunft (also in der gleichen Zeitebene wie Jack, Kate und die andere Oceanic 6) befinden.

Diese Vermutung wird jedoch gleich wieder über den Haufen geworfen, als wir auf einmal Mitglieder der Dharma-Initiative zu Gesicht bekommen - und Sawyer einer der ihren ist. Wir schreiben das Jahr 1974. Es ist die Zeit, als der Waffenstillstand zwischen den Dharma-Leuten und den „Anderen“ bestand. Im Folgenden alteriert die Folge immer wieder zwischen den beiden Zeitebenen 1974 und 1977: Wir sehen, wie Sawyer und die anderen zu den Dharma-Leuten gestoßen sind, und wir sehen, wie sie jetzt unter ihnen leben. Tatsächlich hilft Juliet sogar dabei, ein Kind - gesund und munter - auf die Welt zu bringen. Woraus folgt, dass das, was die Schwangerschafts-Mortalität auf der Insel verursacht hat, erst noch geschehen wird.

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Christian Junklewitz am Sonntag, 8.März 2009 10.00 Uhr

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