Kolumne: Wie Amerika zu seinen Qualitätsserien kam


Kolumne: Wie Amerika zu seinen Qualitätsserien kam
Der Bannerträger der First-Run-Syndication: Patrick Stewart als Jean-Luc Picard in „Star Trek – The Next Generation“
(c) Paramount

Stellt man sich die Frage, was der Grund dafür ist, warum in den USA seit einigen Jahren so qualitativ herausragende TV-Serien hergestellt werden, kommen einem verschiedene Antworten in den Sinn. „HBO“, lautet wahrscheinlich die kürzeste. Mehr Mut und Kreativität auf Seiten der Macher, eine höhere Akzeptanz für Neuerungen beim Publikum und die größere Wirtschaftskraft der Sender und Studios wären weitere gute Kandidaten. Doch welche ökonomischen und institutionellen Gegebenheiten mussten dafür erst als Umwelt zur Verfügung stehen?

Vergangenen Mittwoch wurde mir die Ehre zuteil, als Repräsentant von Serienjunkies am Kölner Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft im Seminar „Aktuelle amerikanische Serien“ einen Gastvortrag über die Fernseh- und Seriengeschichte der Vereinigten Staaten halten zu dürfen. Im Zentrum sollte dabei genau jene Frage stehen, die mich - treue Leser meiner Kolumne werden es schon ahnen - in letzter Zeit wie eine Obsession umtreibt: Die Erklärung dafür, warum es dem US-Fernsehen möglich war, inhaltlich-thematisch anspruchsvolle, erzählerisch innovative TV-Serien zu entwickeln - und (das irgendwo immer der Hintergedanke) dem deutschen Fernsehen nicht. Was waren im amerikanischen Fernsehsystem die Voraussetzungen dafür, dass, mit ersten Ansätzen in den 80er Jahren, spätestens ab 1993 („Twin Peaks“) die Ära des so genannten „Quality Television“ in den USA begonnen hat?

„Kolumne: Wie Amerika zu seinen Qualitätsserien kam“ nachzulesen bei Serienjunkies

Unglücklicherweise kann man eine Seminarsitzung, anders als eine Kolumne, nicht einfach beliebig nach hinten erweitern, so dass ich meine Kernüberlegung gar nicht erst entfalten konnte, was ich mir erlaube, an dieser Stelle nachzuholen.

Meine zentrale Hypothese lautet dabei, dass der Stand des heutigen US-Fernsehens nicht einfach nur das Ergebnis des freien Spiels der (Markt-)Kräfte ist, sondern sich einem komplexen Gefüge aus ökonomischen Interessen und staatlichen Regulierungseingriffen verdankt. Letztgenannter Punkt dürfte wohl am meisten überraschen, weil man wohl in kaum einem anderen Land der Welt weniger staatliche Interventionen auf dem Gebiet der Wirtschaft erwartet als in den USA. Doch genau das ist auf dem Gebiet des Rundfunks und Fernsehens der Fall.

In den 50er und 60er Jahren hatte sich in den Vereinigten Staaten ein sehr stabiles Oligopol aus den so genannten „zweieinhalb Networks“ gebildet: Die beiden großen, erfolgreichen Networks NBC und CBS, die bereits auf eine lange Tradition im Radio zurückblicken konnten, mit vielen Stars und populären Formaten aufzuwarten hatten, und das kleine ABC, welches erst 1944 als (kartellbehördlich verordnete) Abspaltung von NBC entstanden war und sich Mitte der 50er Jahre im Verteilungskampf um die wenigen Stationen, Programme und Frequenzen, die die „Großen“ übrigliessen, gegen das vierte Network DuMont durchsetzen konnte, welches 1956 endgültig den Sendebetrieb einstellen musste.

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Christian Junklewitz am Sonntag, 19.November 2006 10.15 Uhr

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