Kolumne: The World According to Steve

Steven Moffat bei einem seiner Auftritte in «Doctor Who Confidential»
(c) BBC
Noch vor zwanzig Jahren war Steven Moffat ein einfacher Englischlehrer aus dem schottischen Paisley. Dann schuf er mit „Press Gang“ und „Coupling“ zwei Kult-Klassiker, ist heute der bei den Fans unumstritten beliebteste Autor von „Doctor Who“ - und findet nebenher noch Zeit, für einen anderen Steven, nämlich Spielberg aus Hollywood, „Tim & Struppi“ als Drehbuch für die große Leinwand zu adaptieren. Serienjunkies-Kolumnist Christian Junklewitz über ein Beispiel dafür, wie ein Serienautor zum Star werden kann.
Autoren können für das Medium Fernsehen eine ganz unterschiedliche Bedeutung haben. Bei Daily-Formaten wie der Soap oder der Telenovela sind sie fast so etwas wie Fließbandarbeiter, die Drehbücher in einem hochgradig arbeitsteilig organisierten Prozeß Stück um Stück - von der Story Line bis zu den Dialogen - zusammensetzen. In der Tradition des europäischen Fernsehens waren Autoren dagegen (jedenfalls bis in die 1980er Jahre hinein) eher so etwas wie klassische Schriftsteller, die mehr oder minder allein, allenfalls flankiert von einem Produzenten und der Redaktion, ganze Serien geschaffen haben - allerdings meist um den Preis einer geringen Stückzahl und niedrigen Frequenz.
In den USA gibt es bei der Produktion von Prime-Time-Serien so eine Art Mischform aus beidem: Freie wie festangestellte Autoren arbeiten in einem Kollektiv, dem Writers' Room, zusammen, um eine hohe Folgenzahl garantieren zu können, befinden sich dabei aber unter der - mehr oder minder - rigiden Führung des Showrunners, der meist das Serienkonzept selbst erfunden hat - und die kreativen Leitlinien für das Projekt absteckt. Damit kommt ihm in der Regel die Stellung zu, die beim Kinofilm dem Regisseur zufällt, und die in Filmtheorie wie -kritik seit den 1950er Jahren gerne mit dem Begriff des auteurs umschrieben wird.
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| Moffat bei den Brit Comedy Awards 2003 © BBC |
Daneben gibt es dann die echten Serienjunkies, eingefleischte Serienfans, die sehrwohl darüber informiert sind, von wem ihre Lieblingsserie stammt, und die durch diese Kenntnis Präferenzen bilden, die letztlich eine ganz ähnliche Funktion haben wie das Startum von Schauspielern: Sie helfen dem Publikum bei der Auswahl der Unterhaltungsangebote und helfen der Industrie, diese Angebote überhaupt erst in entsprechender Form zu gestalten und zu vermarkten. Schauspieler XY ist dann ein Star, wenn ein - wie auch immer eng oder weit gefasstes - Publikum ihn nicht nur kennt, sondern auf der Grundlage seiner Teilnahme an einem Film oder einer Serie (positve) Erwartungen über diese (auf dem Hintergrund der vergangenen Erfahrungen) bildet und - neben vielleicht noch anderen Gründen - deshalb beschliesst, sich diesen Film oder diese Serie anzuschauen.
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Christian Junklewitz am Sonntag, 11.Mai 2008 10.00 Uhr
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