Kolumne - spezial: Daleks in Deutschland

ProSieben macht mit „Doctor Who“, woran die Daleks schon seit Jahrzehnten scheitern: „Exterminate!"
(c) BBC
Woran liegt es nur, dass „Doctor Who“ in Deutschland keinen Fuß auf den Boden bekommt? Es scheint fast so, als säßen hier bei uns die Daleks an der Fernbedienung, die ärgsten Widersacher des Doktors, welche - Zufall oder nicht - in den 60er Jahren in Anlehnung an Nazi-Deutschland konzipiert wurden.
So gerne ich es auch täte: Einen Vorwurf kann ich ProSieben eigentlich nicht machen. Fünf Prozent Marktanteil in der Zielgruppe - das kommt einer Bankrotterklärung gleich. Natürlich hätte man sich wünschen können, dass der Sender der Serie mehr Zeit eingeräumt hätte, um ihr Publikum zu finden. Doch die Zeit, ein Format aufzubauen und zu entwickeln, wird in der Ära des Controller-Fernsehens, wie es der frühere Sat.1-Chef Roger Schawinski genannt hat, ohnehin immer knapper. Entsprechend nervös sind die Programmstrategen der TV-Sender, wenn eine Serie nicht sofort beim Publikum ankommt. Allein in den letzten drei Wochen hat der Friedhof der Quotenleichen ungeahnten Zuwachs erhalten (u.a. „Die Anwälte“, „Herzog“ und „Das iTeam“).
Schnell wird der Ruf laut, dass der Sendeplatz von „Doctor Who“ bei ProSieben falsch gewählt war. Und das ist ohne jede Frage richtig. Als ich vorvergangene Woche den Serienstart live im Fernsehen verfolgt habe (ich hatte die synchronisierte Pilotepisode zwar schon auf der Presse-DVD gesehen - davon, dass die Serie jetzt tatsächlich im deutschen Fernsehen läuft, wollte ich mich jedoch mit eigenen Augen überzeugen!), da schaltete ich während der letzten fünf Minuten von „Freddie“ rein. Und als dann plötzlich „Doctor Who“ anfing, hat sich irgendetwas in meinem Inneren zusammengezogen und mir war nur eins auf der Stelle klar: Das passt nicht. Der Sitcom-Block und „Doctor Who“ - das ist vollkommen inkompatibel.
In der Theorie mag diese Programmierung eine gute Überlegung gewesen zu sein. Tatsächlich erinnere ich mich daran, wie ich mir noch bei der Ankündigung des Sendeplatzes von „Doctor Who“ gedacht habe, dass die Wahl des Samstagvorabends eine der intelligenteren Programmentscheidungen von ProSieben gewesen ist. Immerhin hatte man zuvor mit „Kyle XY“ auf diesem Sendeplatz bereits eine andere humorvoll-familienaffine Science-Fiction-Serie im Programm, die - so sollte man meinen - hervorragend dazu geeignet wäre, das Publikum des Sitcom-Blocks in das Abendprogramm überzuleiten. Und wenn „Kyle XY“ das gelungen wäre, dann hätte die vom Zielpublikum her ähnlich gelagerte britische Serie doch daran anknüpfen können. So weit die Theorie.
| Seite: 1 2 | ![]() |

| Link: | |
HTML ![]() | |
Forum ![]() |








Serienjunkies abonnieren 
Newsletter






