Kolumne - spezial: Daleks in Deutschland

ProSieben macht mit „Doctor Who“, woran die Daleks schon seit Jahrzehnten scheitern: „Exterminate!"
(c) BBC
In der Wirklichkeit sah es jedoch so aus, dass zwischen dem Sitcom-Block und „Kyle XY“ ein schlicht miserabler audience flow herrschte, wovon die stetig sinkenden Einschaltquoten der US-Serie zeugten. Offensichtlich ist das Publikum der ProSieben-Sitcoms am Samstag selbst dann nicht an Science Fiction interessiert, wenn sie mit einem ausgesprochen leichten und massenattraktiven Anstrich daherkommt. Möglicherweise sind auch, das war jedenfalls mein Eindruck, die Stimmungslage und die Atmosphäre der Formate zu verschieden, um in Kombination miteinander funktionieren zu können. Als „Doctor Who“ auf dem alten Sendeplatz von „Kyle XY“ startete, hatte die Serie nichts, worauf sie aufbauen konnte. Kein passendes Lead-In. Kein gar nichts. (Zu allem Überfluß wurde die Serie wegen des frühen Programmplatzes und der dort geltenden Jugendschutzauflagen in einer übel zugerichteten, d.h. geschnittenen Fassung ausgestrahlt.)
„Doctor Who“ war auf sich allein gestellt. Und das konnte nicht gut gehen. In Deutschland ist der Doktor einfach zu unbekannt, um von sich aus ein großes Publikum anziehen zu können. Da helfen dann auch das beste Review auf Serienjunkies (Serienjunkies vom 25. Januar 2008) sowie eine private E-Mail-Aktion im Freundeskreis nicht weiter. Fakt ist: In den Ländern, in denen „Doctor Who“ erfolgreich läuft, kann die Serie meist - sogar im Falle der USA - auf eine jahrzehntelange Tradition verweisen. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Schande über das öffentlich-rechtliche Fernsehen, welches uns die Serie über Jahrzehnte vorenthalten hat!
Immerhin hat das etwas Tröstliches: „Doctor Who“ ist nicht deshalb gescheitert, weil das deutsche Publikum sich gegen die Serie entschieden hätte. Die Wahl des Sendeplatzes hat effektiv verhindert, dass die Serie überhaupt ein Publikum finden konnte. Wenn ich nun trotzdem sage, dass ich ProSieben keinen Vorwurf mache, dann deshalb, weil es - anders als in den meisten Fällen - bei der Wahl des Programmplatzes von „Doctor Who“ für mich zumindest den Anschein hatte, dass dahinter ein guter Gedanke steckte, der sich dann jedoch leider als falsch erwiesen hat.
Tragisch ist der frühe Quotentod von „Doctor Who“ auch in der Hinsicht, dass dadurch die Chancen sinken, dass manch andere Qualitätsserie von der Insel zu uns finden wird (an erster Stelle natürlich die beiden Spin-Offs „Torchwood“ und „The Sarah Jane Adventures“). Denn außer den sehr erfolgreichen englischen Krimiserien auf dem ZDF (wie z.B. „Prime Suspect“) läuft derzeit ja nicht sehr viel aus UK auf deutschen Sendern. Dabei ließe sich argumentieren, dass das britische Fernsehen qualitativ derzeit sogar den Kollegen aus den USA - mindestens - Paroli bietet.
Fazit
Ist „Doctor Who“ in Deutschland endgültig am Ende? Ich will es nicht hoffen. Zu traurig wäre es, wenn ausgerechnet diese vielleicht größte TV-Errungenschaft aus England den hiesigen Zuschauern vorenthalten bliebe. Nötig wäre jedoch, dass ProSieben (oder ein anderer Sender) die Serie noch einmal in einem science-fiction-affinen Block platziert - und ihr dann die Zeit gibt, in Deutschland überhaupt erst einmal ein Publikum zu finden. Sollte das nicht geschehen, bleibt den Fans hierzulande wohl nur die DVD-Veröffentlichung.
Immerhin: Von den in meinem Review so gescholtenen Studenten der Fernsehwissenschaft, die sich in einem Seminar so despektierlich über „Doctor Who“ geäußert hatten, haben zwei inzwischen klargestellt, dass ihnen die gezeigte Episode gefallen habe. Für mich ist das ein Hoffnungsschimmer, der signalisiert: Die Daleks haben in Deutschland noch lange nicht über den Doktor obsiegt!
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Christian Junklewitz am Mittwoch, 6.Februar 2008 15.30 Uhr
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