Kolumne: Der Showrunner, das (uns) unbekannte Wesen

Unverwechselbare Identität als Erfolgsrezept: Hugh Laurie als „Dr. House“
(c) Fox
In der vergangenen Woche haben die deutsche Produktionsfirma Action Concept und die englisch-amerikanische Medienberatung MediaXchange den dritten deutschen Writers' Room veranstaltet, einen Workshop, bei dem eine Gruppe von deutschen Serienschreibern unter Leitung der beiden US-Autoren Lee Goldberg und Matt Witten in die Kunst des „showrunning“ eingeführt wurde.
Goldberg war in der Vergangenheit u.a. Supervising Producer von „SeaQuest DSV“ und „Diagnosis Murder“ sowie Executive Producer der Sammo Hung-Serie „Martial Law“. Als Autor hat er für „Spenser: For Hire“, „Baywatch“, „Sliders“, „Nero Wolfe“ und „Missing“ geschrieben. Zuletzt ist er vor allem als freier Autor für „Monk“ und „Psych“ tätig gewesen. Sein Kollege Matt Witten war Autor bei „Law & Order“, „Judging Amy“ und „JAG“ sowie „CSI: Miami“. Bei den beiden letzten war er auch Producer bzw. Co-Producer. Als Autor und Supervising Producer arbeitet er derzeit an der z.Zt. in den USA extrem erfolgreichen Medizinerserie „House, MD“ – und schreibt auch für „Supernatural“ auf The CW.
Der deutsche TV-Produzent und Action-Concept-Gründer Hermann Joha hatte zu der Veranstaltung geladen, nachdem das deutsche Fernsehen mit seinen Eigenproduktionen in den letzten Monaten mehr und mehr ins Hintertreffen geraten ist: „Blackout – Die Erinnerung ist die tödlich“ (Sat.1), „Zwei Engel für Amor“ (ARD) und „Verrückt nach Clara“ (ProSieben) – die Liste mit den deutschen Serien-Flops der letzten Zeit lässt sich beinahe beliebig fortsetzen, wohingegen sich ein Erfolg für einheimische Produktionen eigentlich nur noch dann einzustellen scheint, wenn sie passgenau auf ihre populären amerikanischen Vorbilder hin zugeschnitten sind, wie z.B. im Fall von „Post Mortem“ auf RTL. Lagen Ende der 90er, Anfang der Nuller Jahre noch ganz klar deutsche Fernsehserien in der Gunst der hiesigen Zuschauer vor den Produktionen aus den USA (was SPIEGEL-Autor Thomas Schulz noch 2002 – mit einem Ausdruck des Bedauerns – Veranlassung zu der Feststellung gab: „Die deutsche TV-Landschaft hat sich von den einst übermächtigen Amerikanern emanzipiert“), hat sich das Blatt in kaum mehr als zwei Jahren wieder dramatisch zugunsten der US-Ware, hier allerdings vorwiegend nur deren Krimiserien, gewendet.
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