Kolumne: Der Showrunner, das (uns) unbekannte Wesen

Unverwechselbare Identität als Erfolgsrezept: Hugh Laurie als „Dr. House“
(c) Fox
Natürlich kann es sein, dass es sich auch dabei nur um einen vorübergehenden Trend handelt. Trends kommen und gehen. Und vielleicht ist „CSI: Crime Scene Investigation“ tatsächlich schon in ein oder zwei Jahren vergessen. Das Beispiel des Kinofilms lehrt allerdings, dass man sich darauf besser nicht verlassen sollte - schließlich wartet der europäische Film bereits seit gut drei Jahrzehnten darauf, dass der Trend der amerikanischen Blockbuster-Hits einmal vorübergeht. Die deutschen Fernsehproduzenten haben also allen Grund dazu, besorgt zu sein. Und so hat ausgerechnet Stuntman und Action-Concept-Gründer Hermann Joha, der bislang mit Krawumm-Serien wie „Alarm für Cobra 11“ und „Der Clown“ seine größten Erfolge gefeiert und der vor genau zehn Jahren - wiederum im SPIEGEL - ein sehr anschauliches Bild seiner Zuschauer entworfen hat („Das sind Leute, die abends müde nach Hause kommen, die Bierdose aufmachen und bei unseren Aktionen: 'Boah, geil ey' sagen“), als einer der ersten auf dem deutschen TV-Markt erkannt, dass die Wende für die deutsche Fernsehserie nicht mit größeren Explosionen, schönerer Optik oder schnelleren Schnitten, sondern nur mit besseren Geschichten und glaubwürdigeren Figuren zu erreichen ist.
Und so hat sich Joha an die Agentur MediaXchange gewandt, deren Hauptaufgabe darin liegt, durch diverse Veranstaltungsformen einen Erfahrungsaustausch zwischen amerikanischen und europäischen TV-Schaffenden zu ermöglichen. US-Autor Lee Goldberg ist nicht nur zum dritten Mal seit Juli 2006 als Lehrer beim Writers-Room-Workshop mit dabei - gemeinsam mit Action Concept, wo er mittlerweile als Berater und Producer unter Vertrag steht, entwickelt er z.Zt. auch zwei neue Serienprojekte (u.a. für ProSieben).
Im Gespräch mit Serienjunkies erklärte Goldberg, was seiner Meinung nach eines der zentralen Defizite der deutschen TV-Serie ist: „Den Regisseuren wird ein geradezu ungeheuerliches Maß an Kontrolle eingeräumt. Sie kommen her, machen mit der Serie, was immer ihnen verdammt noch mal gefällt mit dem Ergebnis, dass sich die Serie von Woche zu Woche stilistisch und narrativ verändert. Der Schlüssel zum amerikanischen Fernsehen ist (...) die Konsistenz! Dr. House ist jede Woche Dr. House. Schaut man sich jedoch einige von diesen deutschen Serien an, hat man keine Ahnung, was zur Hölle man zu sehen bekommen wird.“
Genau deshalb ist nach Meinung der beiden US-Autoren auch der Showrunner so wichtig: Er ist es, der die Serie von ihren Inhalten, ihrer Perspektive, ihrer Erzählweise, ihrem Stil her zusammenhält. Der dafür Sorge trägt, dass die Serie ein einheitliches Gepräge erhält, eine Richtung, eine Gestalt, was auch und gerade deshalb wichtig ist, damit sich die Serie signifikant von anderen unterscheiden kann. Goldberg weiter: „Es gibt nicht genug Besonderheit im deutschen Fernsehen. Ein Showrunner hilft dabei, diesen Eindruck des Besonderen zu erschaffen.“ Beide halten das Showrunner-System mit einem Autoren-Team unter Leitung eines verantwortlichen Headwriters für den entscheidenden Schlüssel zum Erfolg des amerikanischen Fernsehens. „In den Vereinigten Staaten ist es im Prinzip so, dass im Kino der Regisseur, im Fernsehen der Autor die Verantwortung hat. Und ja, ich glaube, dass es dem deutschen Fernsehen gut täte, wenn es diesem Modell folgen würde“, plädiert „House“-Produzent Matt Witten.
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Christian Junklewitz am Sonntag, 4.Februar 2007 09.40 Uhr
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