KDD: Interview mit Axel Laustroer (Teil 1)

„Emergency Room“ im Polizeirevier: „KDD - Kriminaldauerdienst“
(c) ZDF
Können Sie uns etwas über die Ursprünge von KDD erzählen? Wie kam es, dass die Serie vom ZDF aufgegriffen wurde?
Das ist auf dem ganz klassischen Weg geschehen: Die Produzentin Kathrin Breininger hat uns zusammen mit Mischa Hofmann (beide Hofmann & Voges) ein Serienkonzept mit dem Arbeitstitel Dauerdienst angeboten. Ungewöhnlich daran war, dass es dazu schon ein fertiges Drehbuch gab, das ein Beispielbuch mitten aus einer möglichen ersten Staffel war. Dazu haben sie uns gesagt: Lest das doch mal. Es ist ungewöhnlich, aber vielleicht trotzdem etwas fürs ZDF. Das Konzept landete dann mit 'Bitte um Prüfung' auf meinem Schreibtisch - jedoch ohne dieses Drehbuch, von dem ich zunächst nichts wusste. In dem Konzept war zum einen aufgeführt, was ein Dauerdienst, den es ja wirklich gibt, bei der Polizei macht. Zum anderen waren darin die Charakterisierungen der - damals - sechs Hauptfiguren.
So ein Konzept, das lediglich aus Charakterisierungen besteht, bekommen wir unglaublich oft. Und in fast allen mir bekannten Fällen sagt man nach der Lektüre : Das ist ja alles gut und schön - aber zunächst mal eine reine Absichtserklärung. Wir müssten schon noch wissen, was in den einzelnen Folgen passiert ... In diesem Fall waren die Charakterisierungen der Figuren allerdings schon dermaßen großartig, dass meine Meinung war: Es ist schon fast egal, was die in den Folgen erzählen. Man wird Lust haben, diesen Leuten zuzuschauen. Natürlich war aus dem Konzept schon ablesbar, dass es eine totale Ensembleserie werden wird. Und es stand auch schon drin, dass die privaten Entwicklungen der einzelnen Figuren sich über mehrere Folgen ziehen werden sowie dass es mehrere Fälle pro Folge geben muss. Aber das steht in vielen anderen Entwürfen auch drin. Wie gesagt: Das Konzept war bestechend allein dadurch, wie detailliert und trotzdem bereits in diesem Stadium emotional die Figuren beschrieben wurden. Es waren nur etwa ein bis zwei DIN A4-Seiten pro Figur, aber die Charaktere lebten trotzdem schon. Kurze Zeit später tauchte dann auch noch dieses Drehbuch auf...
Sie haben gezielt danach gefragt?
Nein, ich habe zunächst meine Einschätzung des Konzepts aufgeschrieben und meinem Chef vorgelegt, wie das der übliche Weg ist. Und mein Chef, Klaus Bassiner, ist als Hauptredaktionsleiter in häufigerem Kontakt mit dem Programmdirektor, Thomas Bellut. Beide sagten: Das ist ja gut und schön - aber es ist halt noch ein Krimi, und das ZDF hat eigentlich genug Krimis. Dann fand sich aber irgendwie dieses Buch. Ich habe es gelesen - und es war das mit Abstand Beste, was ich jemals als Drehbuch angeboten bekommen habe. Diese eine Folge spielte ausschließlich auf der Wache und es waren nochmal acht Plots mehr drin, als wir heute bei „KDD“ erzählen. Es war „Emergency Room“ im Polizeirevier - Tür auf, Tür zu, rechts wird gekotzt, links wird geschrieen, hinten macht einer eine Liebeserklärung usw. Und es war brillant, so dass ich geschrieben habe: Leute, so was muss man eigentlich machen. Das ist Fernsehen auf der Höhe der Zeit. Ich habe aber auch zu bedenken gegeben, dass man davon ausgehen muss, dass es im ZDF nicht der große Quotenerfolg wird, weil es eigentlich nichts mit den Serien zu tun hat, für die das ZDF sonst steht.
Irgendwann haben dann aber auch Klaus Bassiner und Thomas Bellut das Buch gelesen - und verschlungen. Danach war klar: Wir machen das.
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