KDD: Interview mit Axel Laustroer (Teil 1)


KDD: Interview mit Axel Laustroer (Teil 1)
„Emergency Room“ im Polizeirevier: „KDD - Kriminaldauerdienst“
(c) ZDF
„KDD: Interview mit Axel Laustroer (Teil 1)“ nachzulesen bei Serienjunkies

Aber ist es nicht doch so, dass Sie mit KDD jetzt diese eine Prestigeserie im Programm haben, hinter der sich andere, von Kritikern vielfach verschmähte Formate wie die Telenovela ganz gut verstecken lassen?

(lacht) Wir schauen natürlich überall sehr genau hin, egal ob es die 15. Folge von „KDD“ ist oder die 400. Folge von „SOKO 5113“, mit deren Produktion ich nächste Woche beginne. Ich lese ein SOKO-Buch genauso oft, wenn nicht häufiger als ein KDD-Buch. Es wäre absurd, etwas daraufhin zu produzieren, um die Gemüter der Kritiker und der Gebührenzahler beruhigen zu wollen. Wie man es auch macht, man macht es da nämlich falsch. Für mich kann ich sagen, dass ich „KDD“ nicht darauf angelegt habe. Klar, freut man sich, wenn „KDD“ den Grimme-Preis bekommt - oder beim New York Festival die Bronze World Medal in der Kategorie Drama erhält, aber das hat nichts mit der Herangehensweise an die Arbeit zu tun.

Meine ganz persönlich Meinung dazu ist: Die Gebühren werden von allen Zuschauern bezahlt. Und somit sollten auch all die verschiedenen Sehbedürfnisse von Zuschauern, solange sie in unserem Programmauftrag erfüllbar sind, auch befriedigt werden. Aber das Sehbedürfnis, auf das „KDD“ mit seiner Erzählweise antwortet, ist im ZDF schon lange nicht mehr befriedigt worden. Ich freue mich, dass es jetzt wieder befriedigt wird. Und wenn es dafür dann auch noch Preise gibt, umso schöner.

Seit einigen Jahren steht die Forderung im Raum, auch in Deutschland Serien nach amerikanischer Art mit einem Showrunner zu produzieren. Wie steht das ZDF dazu? Orkun Ertener, der Autor von KDD, ist gleichzeitig der Head Writer. Ist er auch der Showrunner?

Die Rufe nach dem Showrunner sind häufig und laut und verklingen nach erfolglosen Versuchen genauso unerhört wie die Rufe nach dem Writers' Room, nach dem Writer-Producer, Producer-Writer und was auch immer. Ich glaube, man kann das amerikanische System nicht so ohne weiteres nach Deutschland übertragen. Wir haben hier andere Produktionsbedingungen und wir haben nicht annähernd das Studiosystem, das die Amerikaner haben. Der Showrunner bekommt vereinfacht gesagt das GO vom Sender, ein bestimmtes Programm zu produzieren. Das macht er dann und der Sendervertreter bekommt dann irgendwann zur Abnahme das Sendeband in die Hand gedrückt und hat in der Zwischenzeit nicht mehr wirklich etwas mit dem Programm oder dessen Entwicklung oder der Produktion zu tun. Das gibt es so in Deutschland - abgesehen von den Daily-Formaten - nicht. Und wird es m.E. auch nicht geben.

Ich denke schon, dass wir bei „KDD“ eine Art von Showrunner haben. Allerdings in zwei Personen: Orkun Ertener, der Autor, auf der einen Seite, Kathrin Breininger, die Produzentin, auf der anderen. Beide haben sehr lange - zwischen vier und fünf Jahre - an dem Konzept und an dem Beispielbuch gearbeitet, bevor uns das Ganze überhaupt angeboten wurde. Die Serie wird, das ist keine Frage, schon sehr stark von den beiden geprägt. Dann kommt aber auch noch der Sender dazu. In diesem Fall in Person von Klaus Bassiner und mir, die dann sagen: Das liest sich ganz fantastisch, was Ihr da geschrieben habt. Aber .... Und dann diskutieren wir gemeinsam über den Charakter der Figur, über die Glaubwürdigkeit von Handlungsweisen, über einzelne crime-plots, die vielleicht eine Doublette zu einer anderen aktuellen Produktion darstellen. Dann sucht man einen neuen Fall. Und bei einer Serie wie „KDD“ hat man dann schon ein echtes Problem, wenn die Ereignisse aus diesem einen Fall Konsequenzen für die nächsten sechs Folgen haben.

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Christian Junklewitz am Mittwoch, 30.April 2008 12.00 Uhr

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