Jugendschutz und Serien - Teil 3: Diskriminierung

„Prison Break - Mexico“
© LiveU4, CC2.0
"Die folgende Sendung ist für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet". In unserer Reihe "Jugendschutz und Serien" wollen wir erklären, welche Aspekte bei der jugendschutzrechtlichen Bewertung einer Serie greifen, warum sie wann ausgestrahlt werden darf - oder eben auch nicht. Im dritten Teil geht es nun um Diskriminierung, ethische Aspekte und die Vermittlung eines gesunden Selbstbildes.
Die inhaltlichen und formalen Aspekte bei der Beurteilung problematischer Gewalt- bzw. Sexszenen, wurden bereits in Teil 1 und Teil 2 behandelt, ebenso wie die juristischen und kulturhoheitlichen Zuständigkeiten der Bundesländer sowie die Rolle der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) als bundesweit tätige Einrichtung.
Der Gedanke, der hinter den Beurteilungskriterien zur Jugendgefährdung einer Serie steckt, ist der, dass Kinder und Jugendliche Anspruch haben auf eine unbeeinträchtigte Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten kann durch Darstellungen von Charakteren und Handlungen beeinträchtigt werden, insbesondere in folgenden Bereichen:
Strukturelle Gewalt
Dieser Bereich der strukturellen Gewalt unterscheidet sich von den Gewaltkriterien aus Teil 1 darin, dass die gesamte Handlung auf Gewalt angelegt ist und nicht nur einzelne Szenen. Strukturelle Gewalt wird in sog. spekulativer Form dargestellt, d.h. es werden Endzeitszenarien („Jericho“, „24“) oder Gefängnis- und Lagersituationen beschrieben („Prison Break“, vor allem Season 3). Hierbei gilt ein besonderes Augenmerk der Frage, ob diktatorische, autokratische oder egomane Strategien und Verhaltensweisen als erfolgversprechend und erstrebenswert präsentiert werden. Also ob ein Einzelner sich über die Gemeinschaft mit ihren anerkannten Werten stellen darf, sich eigene Gesetze schafft und dadurch andere schädigt. Nicht alle Jugendlichen und schon gar nicht Kinder unter 14 Jahren erkennen in den Szenarien die Warnungen oder die Gesellschaftskritik, die die Macher darin äußern. Aber nicht jedes Endzeitszenario und nicht jede Gefängnisserie ist per se ungeeignet für Jugendliche. Die Wirkungsweise wird wesentlich bestimmt durch Dramaturgie und Identifikationsangebote in Form von Charakteren - sei es nun der Held oder sein Gegenspieler.
Hier sind auch ethische Aspekte zu berücksichtigen, denn durch die positive Darstellung von Straftaten oder Straftätern als Identifikationsfiguren kann die Entwicklung des Rechtsempfindens nachhaltig gestört werden. Die Propagierung eines rigorosen Individualismus unter Ausklammerung jeglicher sozialer Verantwortung sowie individueller Befriedigung als oberstem handlungsleitendem Prinzip kann die Selbstwahrnehmung des sich entwickelnden Individuums in seiner Gemeinschaftsbezogenheit beeinträchtigen.
| Seite: 1 2 3 4 | ![]() |
Bettina Ebenbeck am Sonntag, 6.Juli 2008 10.00 Uhr
| Hinweis | |
|---|---|
Nur registrierte Mitglieder können Kommentare verfassen! Es können nur angemeldete Mitglieder der Community von Serienjunkies Fragen stellen und Antworten veröffentlichen. Die Registrierung und die Nutzung der Community ist kostenlos. Melde Dich noch heute an! Hier kannst Du Dich kostenlos registrieren. Wir geben Deine persönlichen Daten nicht weiter. Versprochen! Du bist noch nicht bei Serienjunkies angemeldet... | |
Weitere Beiträge von Bettina Ebenbeck
Das Archiv der TV-Meldungen von Sonntag, 6.Juli 2008
| Link: | |
| HTML | |
| Forum |














