John Wells und Michael Winship neue Präsidenten der WGA


John Wells und Michael Winship neue Präsidenten der WGA

In Vorfeld der kommenden Tarifauseinandersetzungen im Jahr 2011 waren die Wahlen zu den neuen Präsidenten der beiden assoziierten Gewerkschaften WGAE und WGAw eine Richtungsbestimmung - die Verhandlungen fallen in die neuen Amtsperioden. Dabei wurde im Westen eine neue Richtung eingeschlagen, im Osten der Amtsinhaber wiedergewählt.

Im späten Jahr 2007 gingen die amerikanischen Autoren dem Vorschlag ihrer beiden Gewerkschafte WGAE (Writers Guild of America, East), WGAw (Writers Guild of America, west) folgend in einen Streik, um bessere Kompensation vor allem im Bereich der neuen Medien heraus zu schlagen. Ein weiteres Langzeit-Ziel war es, die Autoren bei Reality-Programmen vertreten zu dürfen. Wichtig, weil diese einerseits unterrepräsentiert sind und andererseits Reality-Formate dazu genutzt wurden, um Seitens der Sender die durch den Streik ausgebliebenen drehbuchbasierten Projekte zu ersetzen.

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Beide Gewerkschaftsarme haben sich historisch eigenständig an der jeweiligen Küste entwickelt. Im Osten gibt es knapp 4000 Mitglieder, im Westen sind dank der Produktionskonzentration in Hollywood knapp 19.000. Trotzdem versuchen die beiden Gewerkschaften weitestgehend an einem Strang zu ziehen und vergeben gemeinschaftlich die WGA Awards.

Im Osten nichts neues

Im Osten wurde bei einer Veranstaltung der bisherige Amtsinhaber Michael Winship für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Winship hatte allerdings auch keinen Gegenkandidaten. Ebenfalls wiedergewählt wurde Vizepräsident Bob Schneider, der für seine zweite Amtszeit gegen zwei Konkurrenten antreten musste, sich jedoch mit einer absoluten Mehrheit klar durchsetzen konnte. Auch die Schatzmeisterin Gail Lee hatte keinen Gegenkandidaten und wurde für ihre siebte Amtszeit gewählt.

Richtungsentscheidung im Westen

Der Amtsinhaber Patric Verrone war nicht zur Wiederwahl angetreten. Der seiner Parteiung nahe stehende Elias Davis verlor die Wahl knapp gegen John Wells. Jedoch stammen der neue Vizepräsident und der Schatzmeister aus Verones Umfeld. Alle Wahlgänge gingen eher knapp aus, kein Gewinner erhielt mehr als 56 Prozent der Stimmen. Abgegeben wurden in einer langfristig angelegten postalischen Abstimmung 2.348 gültige Stimmen. Das war eine der höchsten Wahlbeteiligunen überhaupt. Hinzu muss noch gesagt werden, dass beide Gewerkschaftsarme zuletzt ein Gehaltsminimum (aus der Autorentätigkeit) eingeführt hatten, das für das aktive Wahlrecht, nicht aber die Gewerkschaftsmitgliedschaft gilt.

Im Vorfeld der Wahl war es im Westen zu einem harten, öffentlichen Schlagabtausch gekommen. Beide Seiten vermieden es jedoch, die Sache eskalieren zu lassen wie jüngst bei der Screen Actors Guild.

Die Wahl galt als richtungweisend, doch wie das Ergebnis mit der gemischt zusammengesetzten Spitze zu werten ist und welche Ergebnisse dadurch in der Zukunft errungen werden können, scheint jedoch vollkommen offen.

Neuer Präsident Wells im Zwielicht
An Kandidat Wells wurde vor allem seine Rolle im letzten Streik kritisiert. Denn neben seiner Funktion als Autor ist ein sogenannter Multihyphenate („Mehrbindestrich“): Autor„-“Regisseur„-“Produzent. Dadurch sind seine Interessen natürlich geteilt. Als Produzent war ihm ein schnelles Ende des Streiks gelegen, und seine Einnahmen aus dem Autorenbereich müssen nicht alleine seinen Lebensunterhalt sichern sondern dürften sich durch seine Bezüge als Produzent eher gering ausnehmen.

Wells war eine der ausgleichenden Kräfte, der über die Regisseur-Gewerkschaft DGA einen Kompromiss in deren Tarifverhandlungen herbeiführte. Dieser diente schließlich als Vorlage für den Abschluss der Autoren. Jene waren aber nur bedingt mit den Ergebnissen zufrieden, sahen sich aber nach dem Kompromiss zwischen Regisseuren und Produzenten ihrerseits öffentlichen Druck zur verstärkten Kompromissbereitschaft ausgesetzt. Kurzum: Als Autor wurde Wells vorgeworfen, seinen Kollegen in den Rücken gefallen zu sein.

Jedoch schreibt man Wells große Berufserfahrung und eine auch im positiven pragmatische Haltung zu, dazu gute Kontakte zur Produzentenschaft. Hinter seiner Wahl dürfte die Erwartung stecken, dass er diese nun im Sinne seines Amtes nutzen wird. Zudem ist er einfach ein bekannter Name, der hinter Serien wie „The West Wing“ und „Emergency Room“ stand.

Zu Wells Wahlprogramm gehörte aber bereits ganz klar ein geringes Interesse an der Aufnahme der Reality-Autoren in die WGA.

Zukunft

Im Jahr 2011 stehen erneut Tarifverhandlungen an, die somit in die zweijährige Amtszeit von Wells fallen werden. Dabei hofft man bei der WGA auf Nachbesserungen des letzten Tarifvertrags, insbesondere da die Verträge vor allem der beiden Schauspielergewerkschaften zur selben Zeit neu verhandelt werden und die „Kreativen“ so mit vereintem Gewicht in die Verhandlungen gehen können.

Links dieses Beitrags: The West Wing

Bernd Michael Krannich am Sonntag, 20.September 2009 13.00 Uhr

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