Gülcan und Collien: Warum hat das Huhn so ein VIP-Bändchen?

Gülcan Kamps und Collien Fernandes im Terrorstall von Grainbach (c)ProSieben/Foto: Oliver S
Gestern startete das deutsche „Doku-Soap-Format“ „Gülcan und Collien ziehen aufs Land“ mit den Moderatorinnen Gülcan Kamps und Collien Fernandes auf dem Sender ProSieben.
Gleich zu Beginn werden uns die beiden Mädchen in ihrem täglichen Umfeld gezeigt. Die „Jetset-Lady“ Gülcan Kamps beim modischen Einkaufen und auf dem häuslichen Zebracouchungetüm. Eine ruhiger wirkende Collien Fernandes gibt an, „handtaschensüchtig“ zu sein und ohne Handy oder Geld geht es alsbald in die bayerische Provinz von Grainbach im Chimgau. Während des Wartens auf den Bus, überzeugt die Abiturientin Gülcan mit den Sätzen: „Oh, das Gras ist aber hoch“ und „Ich könnte mich jetzt auch Sonnen, wenn ich nicht Tonnen Make-up drauf hätte“.
Die Gastfamile begrüßt die Neuankömmlinge freundlich und die in Trachten „verkleideten“ Mitglieder erinnern Gülcan an einen „Landwirte-Comic“. Kurz darauf beginnt sodann der Dienst im Stall, wobei der Zuschauer bereits gegessen haben sollte, da des Öfteren die Ausscheidungen der Kühe präsentiert werden. ProSieben fügt gegen Ende sogar einen schwarzen Balken über Öffnungen der Kühe ein: „Hierbei handelt es sich um ein dramaturgisches Stilmittel“, heisst es aus der Münchner Programmkommunikation.
In einem kleinen Zimmer sollen Collien und Gülcan dann die eingeplanten drei Wochen verbringen, was Collien anscheinend - gut verständlich - nicht ertragen könnte. Gülcan bemerkt: :„Collien war sehr geschockt. Ihr ist nicht nur die Tonne Make-up aus dem Gesicht gefallen, sondern auch die Gesichtsfarbe.“
Der nächste Morgen beginnt um 5:30 Uhr im Stall und die beiden sind sogar pünktlich. Eine Eigenart, die wir von „The Simple Life“ nicht kennen. Die strenge Mutter des Hauses, Roswita, scheucht die Mädels zum Putzen und Kochen in das Haupthaus. Wir lernen, dass die Hamburgerin Collien noch nie in ihrem Leben ein Ei aufgeschlagen hat.
Zur Belohnung nach getaner Arbeit geht es daraufhin zum Dorffest, bei dem Gülcan beim Liedtext der Anwesenden „Wir wollen Eure Schwänze sehen“ versteht. Die anderen amüsanten Dialekt-Missverständnisse werden hier nicht wiederholt.
Schade, dass die Verantwortlichen die „Dokusoap“ nicht auf 23 Minuten angelegt haben, wie es in den USA bei „The Simple Life“ der Fall war. Die norddeutschen Mädels sind bei weitem nicht so redegewandt wie eine Nicole Ritchie oder so eingebildet wie eine Paris Hilton. Vor allem fehlt Ihnen eine wahre Freundschaft und der Wille zum Unsinn treiben, den Paris und Nicole zur Perfektion exerziert haben.
Die Untermalung der Szenen mit lustigen Soundeffekten, teilweise sogar den gleichen wie bei „The Simple Life“, ist vollkommen ausreichend und bedarf keiner weiterer Kommentierung, weder durch einen lahmen Sprecher oder den zwei Protagonistinnen selbst.
Auf Anfrage von Serienjunkies wurde uns vom Münchner Sender bestätigt, dass es sich nicht um ein Lizenzformat von „The Simple Life“ mit Paris Hilton und Nicole Ritchie handele, sondern um eine Eigenentwicklung.
Aber 44 1/2 Minuten sind auch für einen Realityliebhaber einfach 20 Minuten zu viel.
12,8% in der werberelevanten Zielgruppe holte „Gülcan und Collien ziehen aufs Land“. Nächste Woche geht es am Dienstag um 20:15 mit der zweiten Episode weiter.
Hanna Huge am Mittwoch, 25.Juni 2008 15.00 Uhr
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