FOX macht Mutlosigkeit zum Programm

Könnte bei dem Programmplatz vielleicht lieber direkt auf DVD erscheinen: „Dollhouse“
Gestern hat US-Network FOX sein Programm für die kommende Midseason bekannt gegeben (Serienjunkies vom 7. November 2008). Überraschungen gegenüber dem im Mai auf den Upfronts vorgestellten Programm gibt es schon - jedoch nicht gerade angenehme.
Auch wenn man in Rechnung stellen muss, dass die gegenwärtige Finanzkrise die Medienindustrie schwer getroffen hat - die eigenen Aktienkurse gefallen, das Verbrauchsklima und damit die zu erwartenden Werbeeinnahmen schlecht - und die Risikobereitschaft auf Seiten der Senderchefs damit denkbar gering ausfällt, so zeugt das, was FOX gestern als Programm für die Zeit ab Januar vorgelegt hat, doch von einer besonderen Mutlosigkeit.
Dies drückt sich natürlich insbesondere in dem Schritt aus, „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ und „Dollhouse“ gemeinsam am Freitagabend auszustrahlen - dem notorischen Sendeplatz des Todes (zumal für Formate, die sich an ein junges Publikum richten), wie „Dollhouse“-Erfinder Joss Whedon noch aus eigener Anschauung wissen dürfte: Auch „Firefly“ fand einst am Freitagabend auf FOX sein viel zu frühes Ende. Von der Begeisterung, die Programmchef Kevin Reilly noch vor kurzem gegenüber der Los Angeles Times für „Dollhouse“ zum Ausdruck brachte, scheint jedenfalls nicht mehr viel übrig geblieben zu sein.
Mag der Trailer zu „Dollhouse“ vielleicht noch nicht so vielversprechend aussehen wie erhofft (Serienjunkies vom 7. November 2008), die Prämisse, eine Serie um Gedächtnis und Identität zu stricken, klingt allemal spannend und originell genug, um der Produktion eine Chance zu geben. Doch anstatt „Dollhouse“ wie ursprünglich vorgesehen, im Doppelpack mit „24“ am Montag laufen zu lassen (was einer größeren Zahl von Zuschauern zumindest die Chance gegeben hätte, die Serie einmal zu sehen), landet sie auf dem Abschiebegleis des US-amerikanischen Fernsehens.
Immerhin ergibt auf diesem Hintergrund auf einmal die (angesichts des bedauerlichen Quoten-Sinkflugs) überraschende Entscheidung, „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ zu verlängern auf einmal Sinn: Ohne Terminator hätte FOX überhaupt nichts gehabt, womit man „Dollhouse“ noch sinnvoll hätte paaren können.
Die Entscheidung, „House“ als Lead-In für „24“ zu wählen, ist ein weiterer Ausdruck des neuen Sicherheitsdenkens bei den Programmmachern von FOX: Zum einen hat „House“ in der Vergangenheit bewiesen, dass er seine Zuschauer mitnimmt, egal auf welchem Programmplatz er läuft (wenngleich die Quoten in der laufenden Season leicht gefallen sind). Zum anderen scheint man bei FOX ein starkes Lead-In für den Action-Klassiker „24“ vonnöten zu halten - nicht, dass mit der Ära George W. Bush auf einmal auch die Ära von Jack Bauer abgelaufen ist.
Und der Versuch, sich mit „Lie to Me“ (strategisch günstig hinter der Ergebnissendung von „American Idol“ platziert) an eine mögliche neue Erfolgswelle von Krimi-Procedurals mit „Special Talent“-Ermittlern à la „The Mentalist“ zu hängen, ist so durchsichtig, dass es kaum einer Erwähnung lohnt.
Fazit
Mr. Reilly, von Ihnen hätte ich mir (auch oder vielmehr gerade in diesen Zeiten) ein anderes Programm erwartet.
Christian Junklewitz am Samstag, 8.November 2008 12.00 Uhr
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