Entstehung einer US-Serie (Teil 1)

Foto: _MaO_ / Creative Commons 2.0
Pilot-production season: November bis März/April
Nachdem den Senderverantwortlichen also hunderte von Ideen und Drehbüchern vorgestellt wurden, werden die erfolgversprechendsten in der pilot production season filmisch umgesetzt. Diese Phase dauert von Thanksgiving bis März/April und stellt für die TV-Schauspieler die wichtigste Zeit des Jahres dar. Hoffen sie doch, eine Hauptrolle im Next Big Hit zu ergattern und der neue Dr. House oder die neue Meredith Grey zu werden.
Investierte das Studio/der Sender in ein Drehbuch nur ein paar Hunderttausend Dollar, kostet der tatsächliche Dreh durchaus mehrere Millionen. (Der zweistündige Pilot von „Lost“ verschlang damals sogar geschätzte 14 Mio. USD.) Im Schnitt erhalten pro Network 15 bis 20 Drehbücher das Ok zur Pilotproduktion.
Um die Kosten zu senken, gehen manche dazu über, nur sogenannte pilot presentations zu bestellen. Es wird also keine 45-minütige erste Episode, sondern nur ein Teil des Pilot-Drehbuchs produziert, um einen ersten Eindruck vom Look und den Darstellern zu bekommen. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Werden nur 20 Minuten produziert, halbieren sich die Kosten in etwa. Erhält die Serie allerdings ein Pick up (wird sie also wirklich als Serie produziert), muss die erste Episode - bzw. die fehlenden Teile - nachgedreht werden. Wer genau hinsieht, erkennt diese später hinzugefügten Szenen. Denn zwischen dem Dreh des Piloten und der weiteren Episoden vergehen mitunter mehrere Monate.
Staffing season: April bis Mai
Es heißt, es gebe einen regelrechten Insider-Schwarzmarkt für Kopien fertiger oder auch noch unfertiger Piloten und pilot presentations. Warum? Zum einen dient es den Sendern und Studios der Konkurrenzbeobachtung, denn noch gibt es mehr Piloten als freie Sendeplätze im Herbst. Zum anderen beginnt nun, also Ende April, die so genannte staffing season für die Autoren. Und diese wollen schließlich wissen, für welche Serie sie sich die nächsten Monate - und eventuell Jahre - die Finger wund schreiben wollen. Das Drehbuch für den Piloten schreibt noch der Erfinder (creator) einer Serie nahezu im Alleingang, die weiteren Folgen sind die Arbeit eines mehr oder weniger eng zusammenarbeitenden Autorenteams.
Bekannte und erfolgreiche Autoren werden während der staffing season von verschiedensten Studios, Networks und Showrunnern - letztere werden bereits vor oder während der pilot-production eingestellt - umworben, und können sich ihren zukünftigen Arbeitsplatz sozusagen aussuchen. Neue oder weniger erfolgreiche Autoren müssen mitunter viele Bewerbungsgespräche absolvieren, bevor sie für eine Serie engagiert werden. Dabei helfen, wie so oft im Leben, Beziehungen - das klassische Vitamin B - und eine gewinnende Persönlichkeit. Wichtig ist vor allem, dem Showrunner zu gefallen, denn er hat - als Hauptverantwortlicher für die Serienproduktion - das letzte Wort.
Verträge werden für die Autoren aber erst unterzeichnet, wenn der Pilot ein Pick-up erhält und somit vom Network in das kommende Programmschema (v.a. Fall Schedule) aufgenommen wird. Aber dazu mehr im zweiten Teil...
Im Teil 2: Pick-up season, New York upfronts, L.A. screenings, Fall Schedule und Mid Season
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