DVR: Kontroverse über Quotenerhebung
DVR: Kontroverse über Quotenerhebung
Das mit der Erhebung der US-Einschaltquoten betraute Medienforschungsinstitut Nielsen hat angekündigt, ab Januar 2006 auch das zeitversetzte Fernsehen über Digitale Videorecorder (DVR) erfassen zu wollen, welches sich in den USA steigender Beliebtheit erfreut.
Gegenüber einem herkömmlichen Videorecorder zeichnet sich ein DVR durch erweiterte Programmiermöglichkeiten, die Option des gleichzeitigen Aufnehmen und Abspielens sowie variable Vorlaufgeschwindigkeiten aus, durch die Werbeblöcke in kürzester Zeit übersprungen werden können.
TiVo ist die bekannteste Marke für Festplattenrecorder in den USA und inzwischen schon fast ein Synonym bzw. feststehender Ausdruck für das Aufnehmen von TV-Programmen – Last night, I tivoed „Desperate Housewives“.
Nielsen plant, ab Januar auch diejenigen Zuschauer zu den endgültigen Einschaltquoten hinzuzurechnen, die ein Programm innerhalb von sieben Tagen nach der Fernsehausstrahlung über ihren DVR anschauen.
Dagegen protestiert die werbetreibende Industrie, die als Argument anführt, dass der DVR die faktische Eliminierung der Fernsehwerbung bedeute. Zuschauer, die sich ein Programm über ihren TiVo ansehen, seien daher für die Einschaltquoten – verstanden als Währung zwischen Fernsehsendern und Werbekunden – irrelevant. Mehrere Agenturen haben bereits angekündigt, weiterhin nur die Quoten der Zuschauer zu berücksichtigen, die ein Programm live, d.h. während seiner Ausstrahlung verfolgen.
Die Networks argumentieren dagegen, dass die neuen Messungen nun auch die Zuschauer (und damit potentiellen Konsumenten) einschließen, die sich von zwei gleichzeitig ausgestrahlten Programmen eins angeschaut und eins aufgenommen haben. Über das tatsächliche Verhalten der DVR-Nutzer könne man überdies auf Grund mangelnder Forschungsdaten ohnehin noch nichts sicher aussagen.
Da bislang nur 10 Prozent der amerikanischen Fernsehhaushalte – wenn auch mit steigender Tendenz – über einen DVR verfügen, ist von keiner drastischen Veränderung der US-Quoten ab Januar auszugehen.
Von besonderem Interesse werden die TiVo-Quoten wohl für die kleinen amerikanischen Kabelkanäle sein, deren eigentliche Bedeutung erst durch die Erfassung der DVR-Nutzung sichtbar werden könnte.

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