Die 61. Emmy Awards: Akute Überraschungsarmut

Genial ja, aber mit 22 Nominierungen auch etwas gebauchpinselt: Die NBC-Comedy „30 Rock“
(c) NBC
Die Nominierungen für die 61. Prime Time Emmy Awards sind heute bekannt gegeben worden. Und wenn man es nicht besser wüsste, so könnte man glauben, wir wären in einer Folge von „Lost“ gefangen: So sehr erwecken die Nominierungen den Eindruck, das Produkt einer Zeitschleife zu sein.
Gute TV-Serien zeichnen sich unter anderem durch überraschende Wendungen aus. Die Akademie der Fernsehkünste in den USA scheint offenbar der Überzeugung zu sein, dass das für Preisverleihungen (oder deren Nominierungsprozess) nicht vonnöten ist. Anders kann man es sich wohl nicht erklären, dass die beiden Vorjahres-Sieger „Mad Men“ und „30 Rock“ in diesem Jahr wieder als haushohe Favoriten in ihren jeweiligen Kategorien - Drama und Comedy - an den Start gehen.
Beide Serien sind herausragende Produktionen. Gar keine Frage. „Mad Men“ trifft absolut nicht meinen Geschmack, weshalb ich die Serie auch nach dem zweiten Versuch nicht weiter verfolgt habe. Dass die Serie exzellent geschrieben, gespielt und in Szene gesetzt wird, steht für mich jedoch ganz außer Frage. Selbiges gilt für „30 Rock“, eine Serie, die mir im Laufe des vergangenen Jahres sehr ans Herz gewachsen ist - und deren schonungslos satirischer Blick auf die Befindlichkeiten der US-amerikanischen (bzw. prototypisch westlichen) Gesellschaft durch die Linse des Showbiz-Betriebs köstlicher kaum sein könnte. Das ist ganz großes Fernsehen.
Trotzdem möchte man der Akademie zurufen: „Jetzt bleibt mal auf dem Teppich!“ Sicher sind „Mad Men“ und „30 Rock“ großartige Serien. Aber sind sie wirklich um ein so Vielfaches besser als ihre Konkurrenz, dass sie alles um sich herum geradezu deklassieren? Ich meine, das ist übertrieben. Jeweils vier von fünf Nominierungen in der jeweiligen Drehbuchkategorie? Hat es wirklich keine anderen herausragenden Skripte dieses Jahr gegeben? Dem möchte ich doch ganz entschieden widersprechen - und z.B. in der Comedy auf die fantastische Arbeit in Serien wie „How I Met Your Mother“, „The Big Bang Theory“ und „Party Down“ verweisen (von dem leider viel zu früh von uns geschiedenen „Pushing Daisies“ einmal ganz zu schweigen).
Doch genug der Klagen. Werfen wir einen Blick auf die positiven Seiten der diesjährigen Emmy-Nominierungen: Jim Parsons erhält seine allererste Nominierung überhaupt! Man kann es kaum glauben: Der famose Darsteller des Sheldon Cooper in „The Big Bang Theory“ ist bislang noch nie für einen der großen Film- oder Fernsehschauspielpreise nominiert gewesen. Insofern war es höchste Zeit. Und vielleicht gelingt ihm ja sogar der Überraschungserfolg gegen die ihn umgebenden Schwergewichte vom Schlage eines Alec Baldwin, Steve Carell, Charlie Sheen und Tony Shalhoub.
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Christian Junklewitz am Donnerstag, 16.Juli 2009 21.00 Uhr
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