Die Anwälte: Die Trauer über den menschlichen Makel

Kai Wiesinger, in „Die Anwälte“ erstmals mit einer Serienhauptrolle
(c) RTL
Am Donnerstag startet um 21.15 Uhr auf RTL die neue Dramaserie „Die Anwälte“, u.a. aus der Feder von Marc Terjung („Edel & Starck“) und Johannes W. Betz („Die Cleveren“). Der Hamburger Medienkulturwissenschaftler Vladislav Tinchev hat sich für Serienjunkies die ersten drei von insgesamt acht Episoden angeschaut.
Von August bis Dezember 2006 produzierte Studio Hamburg im Auftrag von RTL eine achtteilige Anwaltsserie in Hamburg und Umgebung. Die Anwälte Lothar Franzen Alexander Held, Thomas Welka Johann von Bülow, Dilec Genc Carolina Vera, Marita Blum Julia Bremermann und Sebastian Britten Kai Wiesinger der Kanzlei „Blum-Franzen-Britten“ sollen die Helden des Hamburger Gerichtsalltags werden. Und wenn man die Dramaturgie der Serie kennt, ist Hamburg wirklich die passende Kulisse für die Inszenierung. Warum? Weil Hamburg mit seinem von Wasser triefenden Antlitz eine perfekte Verdoppelung der Atmosphäre dieser Produktion darstellt. Viel Wasser in Hamburg und viele TränenÖ
Denn „Die Anwälte“ wurde im Vorfeld als humorvolle, spannende und emotionale Serie beworben - „emotional“ ist hiervon wohl die treffendste Bezeichnung. Im Vergleich zu glamourösen amerikanischen Anwaltsserien (sorry für den Vergleich, aber er ist unausweichlich) ist „Die Anwälte“ eher still, sie gleicht einem stillen Nachdenken über den menschlichen Makel. Und dieses Nachdenken ist eher mit Trauer verbunden als mit bombastischen Humoreinlagen. Um diese Tatsache zu verdeutlichen, bedient sich die Serie aller Möglichkeiten der Inszenierung. Es überwiegen längere ungeschnittene Sequenzen, in welcher die Kamera sehr aufmerksam der Körpersprache der Protagonisten folgt. Trotz der überraschend wenigen extremen Close Ups wirken die Szenen emotional aufgeladen. Sehr positiv fällt bei der Betrachtung der ersten drei Folgen auf, dass man es geschafft hat ein einheitliches Konzept einzuhalten, was wenige deutsche Produktionen von sich behaupten können. Von den Krawatten der Anwälte bis hin zu den Gardinen in der Wohnung eines Verdächtigen stimmt alles am Set. Alles ist in schwarze, braune, grüne und orangene pastellfarbene Töne getaucht, die viel zu der Atmosphäre der Serie beitragen.
Denn nach wie vor: „Die Anwälte“ ist keine lustige Serie, und in den Momenten, in denen sie es zu sein versucht, scheitert sie kläglich - vielleicht mit Ausnahme der wunderbar inszenierten Klogespräche oder des eingefrorenen Hundes im Gefrierfach der verstorbenen alten Dame, mit der er zusammen beerdigt werden sollte! Es gibt diese Momente, in welchen man in Richtung „Boston Legal“ einschwenkt, aber man sollte es lieber lassen - auch wenn diese die Lieblingsserie der RTL-Chefin Anke Schäferkordt ist; denn „Die Anwälte“ hat durchaus etwas Eigenes gefunden und die Zuschauer, die sich für solche Geschichten interessieren, werden es für sich auch finden. Allerdings könnte es sein, dass die ziemlich traurige und düstere Grundstimmung der Serie, in der die Anwälte des Öfteren Fälle verlieren und der Gerichtsalltag ziemlich unspektakulär vor sich hin plätschert, nach ein paar Folgen zu einer schweren Last für die Zuschauer wird, die nicht viele tragen könnenÖ
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Vladislav Tinchev am Mittwoch, 16.Januar 2008 10.00 Uhr
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