Die 2000er: Wie der Sex zur Serie kam

Anna Paquin und Stephen Moyer haben auch nach ihrer Verlobung die heißesten Szenen in „True Blood“
© HBO 2009
Im Kino mag sich derzeit der glitzernde Vampir Edward der Abstinenz verschwören, aber eigentlich waren die 2000er eine Dekade der sexuellen Revolution, vor allem im Fernsehen. Hanna Huge schaut zurück auf zehn Jahre Sex, Orgien und Promiskuität von „Queer as Folk“ bis „Californication“.
Eine Besprechung des Sex on TV beinhaltet in den USA die Sonderstellung des Kabelfernsehens. Dort sind neben dem berüchtigten F-Wort, Gewalt und Drogen auch explizite Sexszenen erlaubt, die im Network-Fernsehen verboten sind oder zu beträchtlichen Abmahnungen seitens der FCC führen, jener Behörde zur Überwachung der Medien. Man denke nur an das berühmte Nipplegate, in dem Justin Timberlake Janet Jackson während des Superbowls das Shirt vom Oberkörper riss und damit eine mit Metallschmuck verzierte Brust enthüllte. 2004 musste der Mutterkonzern des ausstrahlenden Senders, Viacom, 3,5 Millionen Dollar Strafe für diese unanständige Ausstrahlung zahlen. Der Fall ging 2009 sogar vor das oberste Gericht der USA und ist bis heute noch nicht abgeschlossen.
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| Kim Catrall machte in „Sex and the City“ Männerfantasien wahr © Warner Bros. |
Doch wann begann die sexuelle Revolution im Kabelfernsehen? Im Juni 1998 strahlte der Abosender HBO eine Comedy-Serie aus, die das Denken über Sex und die Frauenrunden revolutionieren sollte. „Sex an the City“ ging auf Sendung und führte neben der quirligen Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) die männervernaschende Samantha Jones ein (Kim Cattrall) - sie sollte noch bis weit in die 2000er hinein für Gerede in Fernsehen und schließlich sogar im Kino sorgen.
Im Januar des folgenden Jahres wurde dann der Pilot von „The Sopranos“ ausgestrahlt. Ein Mafia-Ehemann mit psychologischen Problemen, der neben diversen Morden auch seine Frau nicht nur im lokalen Stripklub Bada Bing! betrügt. HBO revolutionierte das US-amerikansiche Fernsehen, gewann unzählige Emmys und Golden Globes. Der Sender sorgte zum einen dafür, dass Serien als Kulturgut anerkannt wurden (Serienjunkies vom 16. Dezember 2009), zum anderen für neue Standards im Quality-TV und in der sexuellen Darstellung im Fernsehen.
Ab 2000, mit Beginn des neuen Jahrzehnts also, bediente der Konkurrenzsender Showtime die schwule Seriengemeinschaft mit „Queer as Folk“.
HBO erweiterte derweil sein Serienspektrum trotz erstarkender Konkurrenz kontinuierlich. 2001 führte Alan Ball (heute „True Blood“) eine Bestatterfamilie in „Six Feet Under“ ein, in der der älteste Sohn seine Freundin Brenda bei einem Quickie in der Flughafentoilette kennenlernt, der andere Sohn schwul ist, die Tochter Meth raucht und die verwitwete Mutter fast in jeder der fünf Staffeln einen neuen Liebhaber hat.
Auch in der historischen Serie „Rome“ ging es auf diversen Orgien heiß her, Showtime bediente zudem ab 2004 mit „The L Word“ die lesbische Gemeinschaft mit explizieten Sexszenen. Der neue Kabelsender FX startete „Nip/Tuck“, eine Serie um zwei Schönheitschirurgen, in der Dr. Christian Troy wöchentlich die Schönen Miamis flachlegte.
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Hanna Huge am Freitag, 18.Dezember 2009 12.00 Uhr
17 Leserkommentare
| shiri vor 3 Jahren: | Platz 94 in der Community Top-100 |
Oh ja, die Fangbanger! Obwohl ich ja "The L Word" da noch viel expliziter fand. Und bei "Weeds" gab's auch schon die eine oder andere ganz schön heftige Szene. Aber bei den Teeniesoaps ist es ja letztlich immer züchtig, selbst wenn's ans Eingemachte geht. Selbst bei "Skins" bleibt der BH an, das nenn ich nicht realistisch... | |
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| Ellesime vor 3 Jahren: | Platz 90 in der Community Top-100 |
Man kann natürlich sagen, dass in Nachmittags- oder Abendserien Sexszenen nicht wirklich etwas zu suchen haben. Gerade die Amerikaner sind da ja noch weitaus prüder als wir. Ich kann diese Sichtweise auch irgendwo nachvollziehen, schließlich soll es eine Serie sein und kein Softporno. Aber ich bin der Meinung, dass es da heutzutage andere Möglichkeiten gibt, denn Unterwäschesex ist einfach nur noch peinlich und alles andere als zeitgemäß. | |
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| jesus vor 3 Jahren: | letzter Platz in der Community Top-100 |
Danke für die schöne Zusammenfassung. Und ich fans L-Word auch viel offener als den Rest der Serien. Man sollte auch erwähnen, dass Showtime wie HOB auch diverse Dokus zum Thema Sex gezeigt haben. Von einer Sexfirma (Family Business) bis zu Einblicken in den Ablauf auf einer Bunny-Ranch (Cathouse). | |
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| shiri vor 3 Jahren: | Platz 94 in der Community Top-100 |
@Ellesime: Ja, genau das meine ich. Wenn sie einfach nur die Gesichter zeigen und nicht die nackten Brüste, ist das verständlich. Wenn aber die Damen ihre Unterwäsche anbehalten und selbst nach heißen Liebesnächten die Charaktere morgens in Unterhose aufwachen, ist das oftmals nicht sehr realistisch. | |
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| ufokoenig vor 3 Jahren: | Platz 80 in der Community Top-100 |
Zitat: "Im Gegensatz dazu floppte „Tell Me You Love Me“, eine Serie, die sich fast ausschließlich um Sex drehte, auf HBO. Der Serienfan benötigt wohl doch auch neben den Sexszenen die elementaren Storylines einer Serie." Hmm, die Autorin des Artikels kann wohl keine einzige Folge von TMYLM gesehen haben. Die Sexszenen waren dort tatsächlich spektakulär realistisch. So sehr, dass die Darsteller noch heute gefragt werden, ob sie gespielt oder echt waren. Aber die Serie drehte sich deshalb noch lange nicht NUR um Sex, sondern Sex war dort einfach Bestandteil der Gesamthandlung, sowie es ein Teil im Leben von (fast) jedem ist. Gerade dadurch, dass es nicht in üblicher Hollywood-Film- und Serienmanier (entweder romantisch-sauberer Sex als Ausdruck der emotionalen Verschmelzung und reinen Liebe, oder in der geilen quasi-Porno-Variante mit perfekten Körpern und gleichzeitigem Orgasmus) dargestellt wurde, verschwand paradoxerweise die pornografische (entmenschlichte) Verzerrung und ermöglichte einen Blick darauf, welche Bedeutung Sexualität tatsächlich für die einzelnen Charaktere haben kann. Darin lag für mich bei dieser Serie das eigentlich Revolutionäre. Dass die expliziten Sexszenen nicht nur den üblichen Selbstzweck erfüllten, sondern für die Gesamthandlung und die Charakterstudien notwendig waren. | |
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| inspiron vor 3 Jahren: | Platz 65 in der Community Top-100 |
@Ellesime warum nicht in einer Abendserie? wo soll denn sonst Sex vorkommen? Dass mit Nachmittagsserien kann ich noch nachvollziehen. Seitdem ich die zwei ersten Staffeln Skins gesehen habe, kommen mir andere US Teeneserien nur noch erbärmlich und langweilig vor. Nicht wegen der vielen Sexszenen sondern wegen der ernsthaften Thematik(Essstörung, Familienprobleme,Vertrauensbrüche zwischen Freunden etc.). Kein Cheerleader und Footballspieler Schwachsinn mehr. | |
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| sjunk vor 3 Jahren: | letzter Platz in der Community Top-100 |
Bin nicht der Meinung, dass sich "Tell Me You Love Me" "fast ausschließlich um Sex drehte". Es ging m.E. primär um die Beziehung der Hauptpersonen (inkl. Therapeutin) gegenüber ihren Partnern. Dabei wurde die Sexualität zuweilen auch recht expliziet dargestellt, dennoch kann die Serie keineswegs darauf reduziert werden. Die Serie ist eine der wenigen in den letzten Jahren, welche sich ernsthaft mit zwischenmenschlichen Beziehungen befasste (wobei da "In Treatment" unantastbar ist). | |
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| ufokoenig vor 3 Jahren: | Platz 80 in der Community Top-100 |
"...bediente der Konkurrenzsender Showtime die schwule Seriengemeinschaft mit „Queer as Folk“." Genau, Heteros wurden von Showtime ausdrücklich vorher gebeten abzuschalten. | |
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| snooopy365 vor 3 Jahren: | Platz 85 in der Community Top-100 |
Ich muss gestehen das mir als Erste Serie mit "seuellem" inhalt eigentlich Nip Tuck aufgefallen ist. Was durchaus an meinem Geschlecht und der Art der Sexdarstellung liegen kann, aber ich fand den Sex bei "sex and the city" nicht so detailgetreu dargestellt, meist wurde drüber geredet als es zu zeigen. Ob ich Sex gut finde in serien, oder nicht? Das kommt extrem auf das Format der serie an. Z.B. hat in Dexter eine Richtige Sexszene nichts zu suchen, da diese Serie stark Actionorinitiert ist. Allerdings ermöglicht Sex in Serien auch erst Formate ala Californication, die zwar explizit sex zeigen aber sich dabei mühe geben nicht in die Softpornoecke zu fallen. Bei True Blood geht man halt einfach nur mit der Zeit, sexy Vampiere sind inzwischen auch halloween gang und gebe und auch in alten Vampierfilmen wurde oftmals mit "sex" gespielt um die sterblichen zu verzaubern. Klar wurde es nicht so explizit gezeigt. aber heutzutage sehen die Leute ingesamt durch das internet einfach mehr pornografie das dies alles "als normal" abgestempelt wird. Eine wertende Meinung kann man sich bezgl. dieses Themas eigentlich nicht erlauben, sondern nur sagen: Ich finds gut. oder auch "ich kann es nicht fassen das du mit allen geschlafen hast!"... | |
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| shiri vor 3 Jahren: | Platz 94 in der Community Top-100 |
@inspiron Wobei ich glaube, dass zwischen dem Alltag von Teens in den USA und im UK auch wirklich so 'n großer Unterschied besteht. Football, Cheerleading, Cliquen - das ist nicht bloß ein Filmklischee. Aber so krass kitschig wie das Leben in "90210" oder so dargestellt wird, ist es natürlich nicht. Schon wahr. Aber so abgedreht wie in "Skins" halt auch nicht. Dort werden ja ebenso alle nur denkbaren Probleme auf eine Gruppe von Jugendlichen abgewälzt, während die Verteilung im wirklichen Leben - noch - etwas anders aussieht. | |
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| jesus vor 3 Jahren: | letzter Platz in der Community Top-100 |
Wenn Tell Me You Love Me wirklich so toll war, wäre sie bestimmt fortgesetzt worden. | |
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| Codey20 vor 3 Jahren: | Platz 96 in der Community Top-100 |
Sex in Serien find ich gut wenns zum Thema der Folge oder des Gesamtplots passt. Bei einigen Serien wirkt das ziemlich deplaziert und nervend. Erste Staffel Torchwood hat mich das extremst gestört und mich bis zu der Kinder der Erde Specialstaffel von der Serie ferngehalten. Bei L-Word hat mich der Lesbensex nie gestört. Bei True Blood ging mir dieses Overkill-vögeln total genervt | |
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| coldcasefan vor 3 Jahren: | |
Overkill-vögeln. Geile Wortschöpfung! | |
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| ThePinkPanther vor 3 Jahren: | |
Es kommt wirklich auf die Serie an und ob dieses Element wirklich "notwendig" ist um eine Story zu erzählen, oder ob es lediglich dazu dienen soll pubertierende Jungs zum Einschalten zu bewegen. Letzteres kommt leider ziemlich häufig vor. man denke da bspw. an die Massageorgien einer überaus üppigen Vulkanierin in "Star Trek: Enterprise", einer Serie von der man eigentlich nicht unbedingt ein Übermaß an "sexueller Handlung" erwartet. Die neue Freizügigkeit in amerikanischen Serien habe ich erstmals im Piloten der Serie "Sex and the City" mitbekommen. Eine grundlegende Revolution stellte für mich persönlich aber "Californication" dar. In keiner Serie habe ich so viele Nacktszenen gesehen und so häufig das böse F-Wort (wobei das nur die Spitze des verbalen Eisberges ist) gehört. Dabei driftet die Serie aber keineswegs zum billigen Softporno ab, Sex ist hier der (im wahrsten Sinne) treibende Faktor. Für mich (gerade auch aufgrund des Comedy-Anteils) eine der besten (wenn nicht die beste) Serien derzeit. "True Blood" hatte insbesondere in Staffel 1 eine Menge Sexszenen, auch hier passte das zum Grundton der Serie. Die zweite Staffel war diesbezüglich aber enttäuschend zugeknöpft... | |
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| KSC-Baby vor 3 Jahren: | Platz 87 in der Community Top-100 |
Also das mit der Studie, dass Teenager, die zu viel Sex im Fernsehen sind eher schwanger werden ist echt ein Witz. Ich mein, was ist denn das für ne Studie, wo soll da bitte der Zusammenhang sein? Weil ich sie, dass die in der Serie das machen, mach ichs jetzt auch und zwar ungeschützt? Wenn die echt ne so ne Studie mit so nem Ergebnis veröffentlichen wollen, dann nur, weil sie die Sexszenen in Serien verringern wollen. Und wieso das? Mich hat das bisher noch nie gestört. Wobei ich auch keine Serien schau, in denen man wirklich was sieht... aber ich weiß echt nicht, wo da das Problem liegt. | |
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| marsu57 vor 3 Jahren: | Platz 93 in der Community Top-100 |
nur mal so als Anmerkung das derzeitige Jahrzehnt und auch jahrtausend begann nicht 2000 sondern 2001 ein Jahrzehnt beginnt mit dem Jahr x1 und nicht mit dem Jahr x0 Man beginnt ja auch nicht bei 0 und zählt nur bis 9, sondern man startet bei 1 und zählt bis 10 | |
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| snooopy365 vor 3 Jahren: | Platz 85 in der Community Top-100 |
Der "nachmacheffekt" ist halt erwiesen, für mich als normal denkenden Menschen nicht nachvollziehbar. Aber es gibt nunmal leute die "Dexter" oder "hank" nachmachen. ich persönlich habe da garkein intresse dran, sex ist ja etwas schönes, aber will ich es daher gleich mit allen weiblichen wesen geniesen die mir über den weg laufen? Ich glaube nicht... meine freundin würde mich sicher (auch... wie in Calif...) direkt verlassen Abgesehn davon habe ich garkeine Tochter, diese müsste ich dann vorher erst noch eben zeugen... Die Tage bei simsons gesehn wie man die "pille" einfach durch Tictacs austauschen kann. Also Plan der Woche: Pille durch Tictacs austauschen... Freundin schwängern... Dann mit dieser rauchen und trinken während der schwangerschaft wie täglich im "Unterschichten-TV" zu sehen. Anschliessend dann die gesamte weibliche Bevölkerung (die gut aussieht!) nageln, warten bis sie sich von mir trennt. um sie dann wie bei dexter in kleine stücke zu zerlegen. Tja was will man da machen... soviel macht haben halt TV SERIEN | |
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