Den Spuren folgen: The Thin Blood Line
Krimis als Ursprung der TV-Innovationen?

Philip Michael Thomas (l.) und Don Johnson in „Miami Vice“
© NBC
Das CSI-Franchise ist mit Abstand das erfolgreichste TV-Franchise des neuen Jahrhunderts. In den Artikeln zum Thema Quality Television Series habe ich schon davon gesprochen, dass CSIs Erfolg eine Lawine an Krimis im Fernsehen auslöste. Aber wie kam es überhaupt dazu? Dieser Artikel skizziert die Entwicklung des Krimi-Genres im Fernsehen und seinen Einfluss auf das Medium.
Vergliche man die Eröffnungssequenzen von „Bad Boys II“ (2003) und „CSI: Miami“, würde man erstaunliche visuelle Ähnlichkeiten ausfindig machen (Helicopter Shot, Farben, Kamerawinkel etc.). Im Audio-Kommentar zur Pilotfolge von „CSI: Miami“ spricht Regisseur Danny Cannon von den Häusern mit den weißen Wänden und großen Fenstern als Beispiel für die moderne Miami-Architektur und bezeichnet etliche „CSI“-Aufnahmen als eine Hommage an Michael Mann und damit an „Miami Vice“. Was hat aber „CSI: Crime Scene Investigation“ mit „Miami Vice“ zu tun?
Den Stil von „CSI: Crime Scene Investigation“ sehe ich als eine Reflexion über Sehen und Zeigen. Mit den Worten von Karen Lury sind „CSI“s Bilder solche, die „dramatize“ und „demonstrate“. Dieser Stil markiert bis jetzt den Höhepunkt einer Entwicklung des Krimi-Genres von den 50ern bis heute. Denn „CSI: Crime Scene Investigation“ ist nicht nur in einem bestimmtem ökonomischen Umfeld entstanden, sondern auch in einem ästhetischen, in einer Krimi-Tradition der „thin blood line“. Diese Linie hat in den drei Phasen der Entwicklung von QTV ihre Bezugspunkte, die ich hier näher erläutern möchte.
Jack Webb und „Dragnet“
Der erste davon ist die Jack Webbs Serie „Dragnet“ (TV-Version ab 1951, davor auf NBC-Radio von 1949 bis 1955). Die Inspiration bekam Webb von seiner Rolle als „lab technician“ in dem Film Noir „He walked by night“ (1948), wo er Fingerabdrücke sicher stellt, Kugelmuster untersucht usw.
Dieser Film inspirierte Webb nicht nur zu seiner Procedural-Serie „Dragnet“, sondern stellte die Weichen für das Etablieren der Television Crime Series als Genre, das die Polizeiarbeit und die Rolle der Wissenschaft minuziös dokumentiert. „Dragnet“ lief von 1951 bis 1959 auf NBC und behielt über die Jahre immer einen Platz in den Top Ten. 1967 wurde „Dragnet“ als Telemovie wieder zum Leben erweckt, um dann in dreieinhalb Seasons in Farbe produziert zu werden. 1989-1990 wurde die Serie erneut reaktiviert, aber diesmal blieb der Erfolg aus, da sich das Krimigenre dramatisch verändert hatte.
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Vladislav Tinchev am Dienstag, 7.Juli 2009 11.30 Uhr
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