Das Phänomen «Quality Televison Series» (QTS) - Teil III


Der Cast der 14. Staffel von „Emergency Room“
© NBC

In diesem dritten Teil wird der Einfluss der Pay-TV-Sender auf die Entwicklung der fiktionalen Serie im amerikanischen Fernsehen geschildert. Außerdem beschäftigt sich der Artikel mit dem Aufschwung des Krimi-Procedurals, dessen Erfolg am Anfang des neuen Jahrhunderts zu einer Welle von seriellen Mischformen führte.

1975 ging der Bezahlkanal HBO erstmals auf Sendung und bot seinen Kunden in den ersten Jahren fast ausschließlich Spielfilme der Hollywoodstudios. Für die Networks bestand darin keine wirkliche Konkurrenz. Anfang der 90er Jahre jedoch begann HBO, audiovisuell und inhaltlich anspruchsvolle eigene Produktionen im Serien-, Mehrteiler- und Filmbereich zu entwickeln, die sich bei Kritikern und Fans durchsetzten.

„Das Phänomen «Quality Televison Series» (QTS) - Teil III“ nachzulesen bei Serienjunkies

Die Unabhängigkeit der Pay-TV-Sender von der Werbeindustrie und von der FCC war Ausschlag gebend für die Programmrichtung, die sie wählten. HBO setzte auf narrowcasting (Programme für bestimmte, oft kleine Zielgruppen) und inhaltliche und audiovisuelle Qualität und leistete Pionierarbeit auch auf ökonomischer Ebene. Das Free-TV bzw. die Networks funktionierten - und funktionieren noch immer - über die von Brian Jacob Nienhaus definierten second-order commodity relations: „symbolic objects or flows producing aggregate individual time for sale to third parties.

Der Unterschied zwischen werbefinanziertem Fernsehen und Pay-TV

Diese dritte Partei meint natürlich die Werbekunden, die den Sendern für die Zuschauer, für die Kundenlieferung Zahlungen leisten, um ihre Gelder in Gestalt von hohen Preisen für ihre Produkte und Dienstleistungen von denselben Zuschauern zurückzubekommen. Das sind dann die Umsätze, die das Free-TV mit sich bringt - den Kauf eines neuen Autos oder einer neuen Zahnbürste.

Der Pay-TV-Kabelsektor und allen voran HBO entwickelte ein anderes Modell, das auf first-order commodity relations basierte - „symbolic objects or flows actually exchanged for money or having price attached.“ Diese Art der Beziehung zu den Kunden, die, um die Gebühren weiter zu bezahlen, das mögen müssen, was sie zu sehen bekommen, setzt die Qualität der Produkte voraus.

Pay-TV verändert die amerikanische Fernsehnation

Man sah das Fernsehen nun nicht mehr als „a regular broadcast medium“, sondern als „appointment viewing“ für Menschen, die für ihre limitierte Freizeit das Beste an Entertainment bekommen wollten. Dabei handelte es sich und handelt sich immer noch, laut Nienhaus, um spezifische Gruppen, die anhand ihrer Wahl und ihres Konsums bestimmter kultureller Güter den eigenen Status bestätigen.

Durch diese Fragmentierung der Zuschauer verlor die Idee, dass eine ganze Nation ein und dasselbe Programm sieht, rapide an Sinn. Die Kabelanbieter wandten die ökonomische Logik des niche marketing statt mass marketing an. Es brach die Zeit des consumer individualism an, in der jeder einzelne Zuschauer ermutigt wird, auf seinem Recht auf Befriedigung seiner eigenen, ganz spezifischen Wünsche zu bestehen.

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Vladislav Tinchev am Montag, 6.Juli 2009 12.00 Uhr

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3 Leserkommentare

Neptune vor 3 Jahren:Platz 33 in der Community Top-100

was 2 Stunden warten? Ne Spaß.Klasse Aritkel bzw. Reihe

Habe nur eine Frage

Du schreibst nachdem dieser Act verabschiedet wurde, dass Sender nicht Flächendeckend begrenzt sind, die Erreichbarkeit von 25% auf 35% stieg. Wieso nicht auf 100% der erreichbaren Bürger? (Also die mit nem TV)?? Oda habe ich da etwas falsch verstanden?

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wibi44 vor 3 Jahren:Platz 6 in der Community Top-100

Sehr gut recherchiert und im Großen und Ganzen auch gut schlussgefolgert. Ich war immer schon der Meinung, dass mit HBO die Qualität des Fernsehens zugenommen hat und die der Serien sowieso. Hier in Deutschland bekamen die Fernsehzuschauer das ja erst die letzten paar Jahre ein wenig mit, aber gerade Serien wie "Six feet under", "The Wire" oder auch "Dexter"(Showtime) hätten im Free-TV bestenfalls zwei Staffeln überlebt. Insofern ist das Pay-TV auch für die Zukunft immens wichtig, wenn es um qualitativ hochwertige Serien geht. Im Free-TV überlebt ja mittlerweile selbst ein Hammer wie "Life" nicht lang genug, um sich wenigstens zu etablieren

Leider trifft dies nur auf die USA und mit wenigen Abstrichen auf England zu. Ansonsten ist Pay-TV eher ein Platz für Ausrangiertes und Sport - besonder Pay-TV in Deutschland. Dabei könnte man durch eine andere Struktur, also nicht nur Riesenprogrammpakete zu unvernünftigen Monatspreisen, sondern kleinere Pakete und auch "pay per view", auch im Stande sein, gute eigene Serien und Filme zu produzieren. Aber ich glaube mittlerweile, das wollen viele gar nicht mehr. Besonders die Privaten produzieren wenn überhaupt nur Low-Quality. Da haben die oft gescholtenen ÖR-Anstalten den Privaten einiges voraus, denn vorwiegend Krimi- und Familienserien werden in guter Qualität produziert. So gut, dass "KDD" und "Soko Rhein-Main" sogar schon im Pay-TV in der Primetime liefen.

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C. Moltisanti vor 3 Jahren:

Unglaublich gute Artikel

Es wird zwar zu genüge wiederholt, dass der Begriff "Quality Serie" sehr subjektiv ist aber mich verwundert trotzdem, dass als Beispiele hauptsächlich Serien wie "CSI" genannt werden. Ich persönlich würde nämlich die meisten der aufgezählten Serien nie und nimmer als "Quality Serien" bezeichnen

Aber mal abgesehen davon, hätte man nicht an Hand der Analyse von Paradebeispielen der "Quality Serien" wie Die Sopranos oder Breaking Bad noch mehr rausholen können aus dem Thema

Aber trotzdem, nochmals, sehr interessant das Ganze! Vielen Dank!

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