Das Phänomen «Quality Televison Series» (QTS) - Teil I

Tappt meist nicht lange im Dunkeln - das Team von „CSI“
(c) 2005 CBS
Immer öfter hören wir Bezeichnungen wie Quality Television oder Quality Television Series, aber welche Serie dürfen zu diesem Label zählen, gibt es Kriterien, nach welchen diese Zugehörigkeit ermittelt werden kann? Sind Quality Television Series ein neues Phänomen oder kann man über eine Entwicklung, die stufenweise vorangeschritten ist, sprechen?
Das erneut erweckte Interesse an US-Serien wächst beharrlich: Weltweit (mit einigen Ausnahmen wie Großbritannien) ist es inzwischen durchaus üblich, dass in den Top 5 der beliebtesten Serien mindestens drei US-Produkte platziert sind. Inzwischen sind nicht mehr nur die westeuropäischen Länder „infiziert“, sondern auch ganz Osteuropa.
Russland und Polen geben mehr Geld für US-Produkte aus als ganz Lateinamerika zusammen. Fast überall in Osteuropa kann man schon seit langer Zeit HBO und AXN abonnieren und empfangen. Sogar Japan, das im Prinzip US-Serien ablehnt, kommt auf den Geschmack, nachdem zum Beispiel die ersten beiden „Lost“-Staffeln auf DVD immense Einnahmen brachten. Zurzeit wird über die Lizenzierung mehreren Serien verhandelt.
Die Lizenzpreise für A-Serien wie „CSI: Crime Scene Investigation“, „Grey's Anatomy“, „Desperate Housewives“ oder „Lost“, die fast alle von den US-Networks stammen, explodieren: Übertragungsrechte an Top-US-Serien kosten einen Sender mittlerweile zwischen 1,5 und 2 Millionen Dollar pro Folge. Neben den A-Serien erfreuen sich auch eine Reihe von Kabelsender-Formaten großer Beliebtheit: USAs „Monk“, FX' „The Shield“ und Sci Fi's „Eureka“. Das Ausmaß dieser Beliebtheit ist neu: Früher gab es einige wenige US-Serien, die auf nicht-amerikanischen Sendern, vor allem in Europa, gut liefen. In den 90ern etwa eroberten „Emergency Room“, „The Simpsons“, „The X-Files“, „NYPD Blue“ und „Sex and the City“ die internationalen Programme. Heutzutage wird ein Sender ganz hinten in der Wertung der Zuschauer platziert, wenn er „nur“ drei neue US-Serien für die kommende Saison anzubieten hat.
Gegen Ende des Jahrtausends sank die Nachfrage, und speziell auf dem deutschen Markt interessierte sich man hauptsächlich (und tut das immer noch) für eigenproduzierte Reality-Formate. Bis dann vor neun Jahren das „CSI“-Franchise buchstäblich eine Lawine auslöste. Auf einmal richteten sich aller Augen auf Amerika - dessen fiktionale Serien wurden zur heißesten Ware für ausländische Käufer.
Warum das? Warum funktionierte „CSI: Crime Scene Investigation“, warum gerade zu diesem Zeitpunkt, warum noch immer? Weil die Menschen Gefallen an abgeschlossenen Handlungen finden? Weil sie Krimis mögen? Oder beides zusammen? Wie wäre dann aber das fast ebenso gute Abschneiden von Serien wie „Prison Break“ und „Heroes“ zu erklären? Jeff Schlesinger, der Präsident von Warner Bros., ist der Meinung, „European audiences are more open to experimenting with storytelling and dramatic exposition. And they are responsive when they see something produced by us that have production values greater than what can be made locally.“
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Vladislav Tinchev am Samstag, 4.Juli 2009 10.00 Uhr
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