Quality Television Series (QTV) könnte man meines Erachtens als Serien definieren, deren Herausforderungen ans Publikum nicht unbedingt von jedem Zuschauer bewältigt werden können. Diese Serien erfordern durchgehende Aufmerksamkeit des Zuschauers, er wird mit einbezogen, er muss mitwirken bei der Konstruktion von Bedeutung.
Das heißt, dass der Zuschauer in eine aktive Position versetzt wird, die ihm die Möglichkeit gibt, das Gesehene zu interpretieren und zu bewerten. In ihrer audiovisuellen und narrativen Verspieltheit sind diese Produkte geradezu auf diese Mitarbeit hin angelegt. QTV verlangt dem Rezipienten ein höheres Maß an kognitiver Aktivität ab, da es die etablierten Muster von Narration, audiovisuellem Stil usw. gezielt überschreitet, also nicht allein über die in den kognitiven Schemata abgelegten Wahrnehmungs- und Verarbeitungsroutinen verstanden werden kann.
Zuschauer, die bei der Bewältigung dieser Aufgabe erfolgreich sind, empfinden, so lässt sich zumindest annehmen, ein besonders hohen Maß an Befriedigung - und damit ein (gegenüber den übrigen Gratifikationen der Rezeption) zusätzliches Vergnügen. Zuschauer, die an der Aufgabe scheitern, empfinden dagegen ein Missvergnügen und wenden sich anderen, mental weniger anspruchsvollen Programmen zu.
Dies würde erklären, warum QTV-Serien oftmals nur bei einem Nischenpublikum erfolgreich sind - und sich andererseits viele konventionelle Serien (Soaps, Telenovelas usw.) nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen. Trotzdem bleibt die Definition von QTV über das Merkmal der Herausforderung eng mit der subjektiven Erfahrung des Einzelnen verbunden, was die Bestimmung, welche Serien zu QTV zählen sollen und welche nicht, enorm erschwert.
Allgemein kann man sagen, dass zu QTV Serien zählen, die als narrativ-audiovisuelles Konstrukt ein Zusammenspiel aus kognitiver Herausforderung für den Zuschauer und unserem subjektiven Genuss daran darstellen. QTV ereignet sich in einer höchst subjektiven Erfahrung, die in eine genauso subjektive Zuschreibung mündet.
Diese Tatsache erhebt das Zuschauen zu einer neuen Qualität - und erschwert maßgeblich die Kategorisierung der Produkte. Man erwartet von QTV-Serien nicht mehr allein Spektakel, sondern auch, als Zuschauer ernst genommen zu werden. Die fundamentalen Veränderungen des Fernsehens und der Wert der Produkte sind Ergebnisse eines nicht nur ökonomisch-technischen, sondern auch kulturellen Wandels hin zu einem verstärkten Individualismus trotz Massenmedien, im Zuge dessen jeder ermutigt wird, sein Recht zu beanspruchen - auf Befriedigung der spezifisch eigenen Bedürfnisse einerseits, auf Mitsprache andererseits.
Innerhalb der QTS gibt es eine Menge an Serien (vor allem Krimi-Procedurals wie das „CSI“-Franchise), die sowohl den Label Quality tragen als auch ein Millionenpublikum an sich binden. Das Ziel dieses dreiteiligen Artikels liegt darin aufzuzeigen, wie die ökonomisch-strukturellen und die genrespezifischen Entwicklungen auf dem TV-Markt zu diesem QTS-Labelling geführt haben und wie wiederum der Erfolg der Produkte die TV-Wirtschaft beeinflusste.
<p>Interessant -- auch die Rezeption des Artikels, auf den irgendwie dasselbe zutrifft, wie für die Quality Serien. Wenn ich's richtig verstanden habe. "Kognitive Herausforderung" und "subjektive Erfahrung" lauten da wohl die Stichworte...</p>
<p></p>
4. goodspeed:Am Samstag, 4.Juli 2009 um 15.57 Uhr:
<p>Interessanter Artikel, auch wenn er (noch) sehr an der Oberfläche kratzt. Bislang klingts für mich noch zu allgemeingültig und wissenschaftlich. Zielgerichtetes Storytelling und das Wissen um dessen Wirkung beim Rezipienten ist weniger Wissenschaft als Kunst. Und eine Frage von Glück und Timing, was man an der Menge an nicht weiter verfolgten, aber hochwertigen Piloten und Premierenstaffeln sieht.</p>
<p>Gibt es die Arbeiten von Bordwell und Jens irgendwo zu lesen?</p>
<p>P.S:<br />
Die Verwendung des Wortes "kognitiv" erinnerte mich übrigens an einen alten Dramaturgie Dozenten :P</p>
5. GewaltSam:Am Sonntag, 5.Juli 2009 um 05.05 Uhr:
<p>lol - sorry - Liest sich, wie der Versuch einer wissenschaftlichen Erklärung für einen Marketinggag.</p>
<p>1. Also, es ist ganz bestimmt nicht neu daß Amerikanisches Fernsehen weltweit erfolgreich ist. Der Kinomarkt(produktion) ist zu 85% in amerikanischer Hand - bei Serien dürfte die Zahl ähnlich aussehen. Das war schon immer so.<br />
Serien wie Dallas - so weit ich mich erinnere - keine deutsche Produktion. Von neuem Erfolg zu reden ist also schon ein witz.<br />
Das europäische Produktionen seit JAhrzehnten sich fast ausschließlich auf Kriminalverfilmungen reduzieren ist jedem der ein Fernseher besitzt schon lange klar.<br />
Einzige Ausnahme BBC -- und oh schreck -- das einzige Land welches nicht sooo versessen ist auf amerikanische Serien. Alle anderen haben keine andere Wahl.</p>
<p>Zu QTV sei nur zu sagen ... Ein Begriff der erfunden wurde um Serien teuer zu verkaufen. Denn zu behaupten bei CSI Menschen geistig zu überfordern - oder gar bei 24, halte ich persönlich für geistig gestört <br />
QTV ist vielleicht am Besten zu vergleichen, mit Begriffen wie biologischer Anbau! Verkauft sich einfach besser wenn es drauf steht.<br />
<br />
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