Das Phänomen «Quality Televison Series» (QTS) - Teil I


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«Numb3rs»
© 2008 CBS

Wenn dies tatsächlich die Gründe für die wieder „erwachte“ Liebe der Europäer zu US-Serien wären - wie würden dann aber deren Inhalte den Europäern schmackhaft gemacht, deren Einstellung ja nicht durchweg pro-amerikanisch ist, vor allem in politischer Hinsicht? Es liegt eine spezielle Ironie darin, dass dieselben Länder, die Amerikas Politik und Wertvorstellungen so stark kritisieren, zugleich von US-Dramaserien nicht genug bekommen können.

Wenn deutsche Sender ihr Programm für das neue Jahr vorstellen, stellen Fans, Zuschauer und Journalisten hauptsächlich die eine Frage: Welche US-Serien wurden eingekauft und wann werden sie ausgestrahlt? Es klaffen Welten auseinander - auf der einen Seite die Vorbehalte gegen die amerikanische Politik, auf der anderen die Bewunderung für die amerikanische Pop-Kultur. Wir haben es mit einem Breitband-Phänomen zu tun, das sich auf extreme Art und Weise in der Werbekampagne des britischen Senders Channel Five äußert, der sein Programm im Jahre 2006 mit dem folgenden Claim präsentierte: „Nothing Good Ever Came Out of America -- Until Now.

Was macht die spezifische Qualität dieser Produkte aus? Gibt es übergreifende Merkmale, die auf so viele unterschiedliche Serien zutreffen? Sind Quality Television Series nur Primetime-Serien? Reicht es aus zu sagen, es handele sich um Serien, die erfolgreich weltweit exportiert werden und gekennzeichnet sind durch Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Genres und Genremixen, übergreifend bezeichnet als „drama series“? Sind die komplexen narrativen Strukturen und ein ausgeprägter audiovisueller Stil (Schnitt, Kameraarbeit, Special Effects usw.) sowie eine Vielzahl an Hauptfiguren mit ebenfalls komplexen Geschichten, häufig verkörpert von bekannten Schauspielern, Qualitätsmerkmale?

Fragen über Fragen, die „objektiv“ sehr schwer eindeutig zu beantworten sind. An dieser Stelle werde ich auf eine ausführliche Beschäftigung mit dem Thema verzichten, um nicht den Rahmen des Ganzen zu sprengen. Eine mögliche „Objektivierung“ des Begriffs Quality Television Series wäre auf der Grundlage der Arbeiten von David Bordwell und Jens Eder möglich. Die Autoren definieren das Verstehen von Geschichten (Filmen, Serien), das sich auf Seiten des Zuschauers vollzieht, über das Aufrufen kognitiver Schemata, die Wissen über Genrekonventionen, Erzählmuster, die Vergabe audiovisueller Informationen usw., aber auch allgemeines Weltwissen enthalten. Die filmische (analog auch: serielle) Narration gibt dem Zuschauer Hinweise an die Hand, die er unter Rückgriff auf eben diese Schemata zur „Geschichte im Kopf“ zusammensetzt - womit er zum Sinnverstehen gelangt. Nach Ed Tan ist die filmische Narration allgemein darauf angelegt, den Zuschauer mit einer lösbaren (kognitiven) Herausforderung zu konfrontieren.

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Vladislav Tinchev am Samstag, 4.Juli 2009 10.00 Uhr

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1. Odo Ital:Am Samstag, 4.Juli 2009 um 11.20 Uhr:
Kommentare: 11
Junkie seit: 03.07.09

<p>Puh, der Artikel war aber mächtich theoretisch. Nichts für Ungut, hoffe, aber, der von Morgen wird etwas kurzweiliger.</p>

2. Ri:ka:Am Samstag, 4.Juli 2009 um 11.42 Uhr:
Kommentare: 34
Junkie seit: 17.06.09

<p>Das war sehr interessant zu lesen. Danke für den Quality Artikel!</p>

3. elgebe:Am Samstag, 4.Juli 2009 um 14.57 Uhr:
Kommentare: 69
Junkie seit: 03.06.09

<p>Interessant -- auch die Rezeption des Artikels, auf den irgendwie dasselbe zutrifft, wie für die Quality Serien. Wenn ich's richtig verstanden habe. &quot;Kognitive Herausforderung&quot; und &quot;subjektive Erfahrung&quot; lauten da wohl die Stichworte...</p>
<p></p>

4. goodspeed:Am Samstag, 4.Juli 2009 um 15.57 Uhr:
Kommentare: 27
Junkie seit: 23.06.09

<p>Interessanter Artikel, auch wenn er (noch) sehr an der Oberfläche kratzt. Bislang klingts für mich noch zu allgemeingültig und wissenschaftlich. Zielgerichtetes Storytelling und das Wissen um dessen Wirkung beim Rezipienten ist weniger Wissenschaft als Kunst. Und eine Frage von Glück und Timing, was man an der Menge an nicht weiter verfolgten, aber hochwertigen Piloten und Premierenstaffeln sieht.</p>
<p>Gibt es die Arbeiten von Bordwell und Jens irgendwo zu lesen?</p>
<p>P.S:<br />
Die Verwendung des Wortes &quot;kognitiv&quot; erinnerte mich übrigens an einen alten Dramaturgie Dozenten :P</p>

5. GewaltSam:Am Sonntag, 5.Juli 2009 um 05.05 Uhr:
Kommentare: 46
Junkie seit: 06.06.09

<p>Sehr vielversprechende Artikel-Reihe, ich bin auf die Fortsetzung morgen gespannt.</p>

6. Icarus:Am Sonntag, 5.Juli 2009 um 18.28 Uhr:
Kommentare: 69
Junkie seit: 03.06.09

<p>lol - sorry - Liest sich, wie der Versuch einer wissenschaftlichen Erklärung für einen Marketinggag.</p>
<p>1. Also, es ist ganz bestimmt nicht neu daß Amerikanisches Fernsehen weltweit erfolgreich ist. Der Kinomarkt(produktion) ist zu 85% in amerikanischer Hand - bei Serien dürfte die Zahl ähnlich aussehen. Das war schon immer so.<br />
Serien wie Dallas - so weit ich mich erinnere - keine deutsche Produktion. Von neuem Erfolg zu reden ist also schon ein witz.<br />
Das europäische Produktionen seit JAhrzehnten sich fast ausschließlich auf Kriminalverfilmungen reduzieren ist jedem der ein Fernseher besitzt schon lange klar.<br />
Einzige Ausnahme BBC -- und oh schreck -- das einzige Land welches nicht sooo versessen ist auf amerikanische Serien. Alle anderen haben keine andere Wahl.</p>
<p>Zu QTV sei nur zu sagen ... Ein Begriff der erfunden wurde um Serien teuer zu verkaufen. Denn zu behaupten bei CSI Menschen geistig zu überfordern - oder gar bei 24, halte ich persönlich für geistig gestört <br />
QTV ist vielleicht am Besten zu vergleichen, mit Begriffen wie biologischer Anbau! Verkauft sich einfach besser wenn es drauf steht.<br />
<br />
</p>

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