Das Format: Lizenz zum Kopieren

Jegliche Ähnlichkeiten sind rein zufällig und in keinster Weise beabsichtigt...
(c) Fox/ProSieben, Montage:SJ
Hohe Wellen schlägt nach wie vor das vor wenigen Wochen publik gewordene Memo eines hochrangigen Managers von ABC Studios zum Thema Format-Lizenzierung. Grund genug, sich einmal mit der Frage zu beschäftigen: Was ist ein Format? Und warum wird es so gerne geklaut?
Howard Davine, Executive Vice President von ABC Studios, hatte in dem besagten Memo Produzenten den Ratschlag erteilt, nicht vorschnell Rechte für ausländische TV-Formate einzukaufen. Das würde erstens sehr viel Geld kosten, das dann später in der Produktion fehle, und zweitens zu unerwünschten Einmischungen der Rechteinhaber im kreativen wie im geschäftlichen Bereich (beispielsweise durch territoriale Abgrenzungen zum Schutz ihrer Originalserie) führen. Daher sollten sich Produzenten und Autoren vorher lieber gründlich mit der Rechtsabteilung des Studios beraten, um zu klären, ob man für das Projekt, das man vor Augen habe, tatsächlich die ausländische Formatlizenz erwerben müsse oder nicht.
Die Medienjournalistin Nikki Finke, die das Memo in ihrem Blog veröffentlicht hat, sieht darin die implizite Aufforderung zum Formatklau. Dies sieht mittlerweile auch die FRAPA so. FRAPA (Format Recognition and Protection Association) ist ein internationaler Zusammenschluss aus über 300 Produktionsfirmen, die sich darauf verständigt haben, ein zentrales Melderegister für Formatideen einzurichten, um diese besser gegen die branchenübliche Piraterie schützen zu können.
FRAPA-Vorstandsmitglied David Lyle von Fox Reality Channel zeigte sich denn auch in einem Gespräch mit dem Fachblatt The Hollywood Reporter wenig amüsiert über das Memo des Studiomanagers. Wenn ABC Studios sich nicht entschieden von den Aussagen Davines distanzieren würde, dürfe sich das Unternehmen nicht wundern, wenn sich einheimische wie ausländische Produzenten dann auch inspiratorisch bei Sendungen aus dem Hause ABC Studios, z.B. „Hannah Montana“, bedienen würden.
Dem aufmerksamen Fernsehzuschauer wird schon seit einiger Zeit nicht entgangen sein, dass Fernsehsendungen hierzulande sehr oft frappierend ausländischen - meist britischen oder niederländischen - Programmen ähneln. Und zwar sowohl in der Fiction wie in der Non-Fiction. In vielen Fällen handelt es sich dabei um einen Vorgang, der als Formathandel bekannt ist: Da durch sprachliche und kulturelle Barrieren oft der direkte Verkauf ins Ausland nicht möglich ist, bieten die Produzenten erfolgreicher Unterhaltungssendungen ausländischen Sendern gegen einen Obolus die Lizenz an, eben diese Sendung in ihrem jeweils eigenen Land herstellen zu dürfen.
Häufiger noch tauchen jedoch einander ähnliche Sendungen auf, ohne dass irgendeine Lizenzgebühr an irgendwen entrichtet wurde. In manchen dieser Fälle handelt es sich tatsächlich um zufällige Parallelentwicklungen. Ein Stoff liegt einfach in der Luft, drängt sich zu einer bestimmten Zeit quasi auf - und wird dann von verschiedenen Produzenten an verschiedenen Orten der Welt gleichzeitig umgesetzt.
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Christian Junklewitz am Sonntag, 17.August 2008 10.00 Uhr
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