Cologne Conference 2009: Britannia, rule the (air-) waves!

Peter Capaldi: Star in einem der absoluten Highlights der diesjährigen Cologne Conference - „In the Loop“
(c) 2009 BBC Films
Tag 4 auf der Cologne Conference stellte vor allem eins eindrucksvoll unter Beweis: Die kreative Bandbreite britischer TV-Macher. Von unter die Haut gehend spannend („The Children“) bis zu berstend komisch („In the Loop“).
The Children
„The Children“ beginnt mit dem Alptraum eines jeden Familienvaters: Er kommt von der Arbeit nach Hause. Noch während er unterwegs ist, wird er von Polizeiautos überholt, die vor seinem Haus anhalten. Er folgt den Polizisten in den Garten, wo die kleine Tochter tot auf dem Terassenboden liegt. Sie ist Opfer eines Verbrechens geworden. Um die Frage zu klären, wer das kleine Mädchen auf dem Gewissen hat, springt die Handlung drei Monate in die Vergangenheit - und enthüllt nach und nach die komplexen Familienverhältnisse, in denen die kleine Emily (Sinead Michael) aufgewachsen ist.
Cameron (Kevin Whatley), den wir anfänglich für ihren Vater gehalten haben, ist in Wahrheit ihr Stiefvater, der jetzt mit Emilys Mutter zusammenlebt. Emilys leiblicher Vater ist mittlerweile ebenfalls mit einer anderen Frau liiert - und hat mit ihr ein kleines Baby. Und auch Cameron bringt einen Sohn aus seiner ersten Ehe mit Anne (Leslie Sharp) mit. Die Ex-Eheleute zanken sich ständig darum, wer Jack (Freddie Boath) zu sich nehmen soll. Denn auch Anne will eigentlich ein neues Leben starten.
Was die dreiteilige Miniserie „The Children“ auf zunehmend verstörende Art und Weise zeigt, ist die dunkle Seite der postmodernen Patchwork-Familie. Das Abhandenkommen fester räumlicher und persönlicher Bindungen, durch welches vor allem die Kinder betroffen werden. Jack findet sich in der schlimmsten nur denkbaren Position wieder: Als völliger Verlierer. Während seine Eltern beide in neue Lebensabschnitte eintreten, bleibt er auf der Strecke. Mama und Papa streiten sich zwar sehr gern um ihn - aber dabei geht es ausschließlich darum, ihre eigenen negativen Gefühle füreinander abzuarbeiten. Um Jack geht es dabei keine Sekunde lang. Für Emily ist die neue Situation nicht minder schwierig: Als 8-jährige ist sie genau auf der Grenze zwischen Verstehen und Nicht-Verstehen, was um sie herum vor sich geht. Und warum ihr Papa jetzt mit einer anderen Frau ein Baby hat.
Das nicht-erfolgreiche Zusammenfügen des Patchworks wird zu einer Quelle der konstant ansteigenden Aggression - und das nicht nur auf Seiten der Erwachsenen. Mit den ständig zur Erinnerung an das schreckliche Verbrechen eingeschobenen Gegenwarts-Sequenzen erhält „The Children“ eine Atmosphäre von subtilem Suspense, der den Zuschauer packt - und auch im Nachhinein noch sehr beschäftigt.
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Christian Junklewitz am Sonntag, 4.Oktober 2009 08.00 Uhr
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