Cologne Conference 2009: Eine wie keine

„Nurse Jackie“: einer der Höhepunkte auf der diesjährigen Cologne Conference
(c) 2009 Showtime
Sie singen gegen ihre Unbeliebtheit an („Glee“), halten ihre Familie zusammen, selbst wenn sie das mit ihrer eigenen Persönlichkeit nicht schaffen („United States of Tara“), sind Heilige und Sünderin zugleich („Nurse Jackie“) - und jagen nebenher auch noch Serienkiller („Above Suspicion“): Das Serienprogramm der Cologne Conference stand gestern ganz im Zeichen starker Frauencharaktere.
Glee
Ob und inwieweit „Glee“ so etwas wie „High School Musical: Die Serie“ ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich es nie über mich gebracht habe, mir besagte Disney-Produktion anzuschauen. Fest steht für mich nach Sichtung des Piloten nur, dass die Serie nicht nur eine spaßige, musikalisch mitreissende Angelegenheit ist, sondern auch und gerade auf emotionalem Gebiet zu überzeugen vermag: Die Außenseiter-Geschichten, die die Serie erzählt, berühren Grundbedürfnisse des Menschseins wie die Sehnsucht nach Anerkennung. Kaum eine Figur bringt dies besser zum Ausdruck als Rachel (Lea Michele), die sich durch Gesang und Tanz Aufmerksamkeit verschaffen will - dabei aber an einer Schule, deren Koordinatensystem ganz nach den Achsen „Football“ und „Cheerleader“ ausgerichtet ist, sich eher noch weiter ins Abseits manövriert.
Im Zentrum der Serie steht der Konflikt zwischen dem, was eine Person selbst antreibt, und dem, was als Erwartungshaltung von außen an sie herangetragen wird, was sowohl Football-Star Finn (Corey Monteith), der nur auf Umwegen zum Schulchor hinzustößt, als auch der Lehrer Will (Matthew Morrison) zu spüren bekommen. Letzterer sieht sich der Erwartung seiner Frau ausgesetzt, mehr Geld nach Hause zu bringen als er als Lehrer verdienen kann. Im Gewand einer Musical-Serie betreibt „Glee“ hier fast so etwas wie eine Neuaushandlung der Wertigkeiten in der US-amerikanischen Gesellschaft, was interessant zu beobachten ist.
Dramaturgisch gestaltet sich der Pilot ein wenig holprig, was aber auch daran liegen mag, dass man als Zuschauer in der Tat gewohnt ist, solche Geschichten in 90 Minuten beendet zu sehen - und die für das Serienformat notwendige Offenheit hier ein wenig irritierend wirkt.
Fazit
Definitiv nicht mein Genre. Aber eine Serie, deren emotionaler Kern den Zuschauer durchaus in einer Weise berühren kann, dass einen der Erfolg von „Glee“ danach nicht mehr verwundert.
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Christian Junklewitz am Samstag, 3.Oktober 2009 08.00 Uhr
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