CBS Paramount erwartet Gehaltsverzicht von Stars
Darf es etwas weniger sein?

Cast der fünften Staffel von „CSI: Miami“
(c) 2008 CBS
Und wieder mal wirft die aktuelle Wirtschaftskrise ihre Schatten über die Fernsehindustrie. Wie am Wochenende bekannt wurde, erwartet das Produktionsstudio CBS Paramount Network Television von den Stars ihrer Serieb, dass sie auf eigentlich vertraglich festgeschriebene Gehaltserhöhungen freiwillig verzichten - zum Wohl der jeweiligen Produktion. Ob die Verantwortlichen da lange warten können?
Die Hintergründe sind wie folgt. Bekanntlich unterschreiben die Hauptdarsteller von Networkserien grundsätzlich Mehrjahres-Verträge, damit für die Serien eine gewisse Planungssicherheit herrscht. Diese Verträge sehen aber - übrigens ebenso bei den jeweiligen Produzenten - eine jährliche Steigerung der Bezüge vor.
In einem Schreiben wandte sich nun das Produktionsstudio CBS Paramount Network Television (Produzent von Serien wie dem CSI-Franchise, „Numb3rs“ und NCIS) an die Stars seiner Serien, darunter einige der Procedurals von CBS. Mit der Begründung, dass aufgrund der schlechten amerikanischen Wirtschaftslage die Grundlagen, auf denen früher die Verträge geschlossen wurden, nicht mehr stimmten. Wie andere Unternehmen der Fernsehbranche auch, müsse man Kosten sparen. Und das ging am schmerzlosesten bei den Stars, den Hauptdarstellern. Deswegen bitte man darum, eine Aussetzung der vereinbarten Gehaltserhöhung anzunehmen.
Im Hintergrund steht die Drohung, das auf jede Fall Kosten eingespart werden würden - notfalls eben an Stellen, wo es nicht so „schmerzlos“ ist. Dabei ist allen Branchenkennern klar, dass man an einigen Stellen einfach kein Geld einsparen kann. Gerade bei den Procedurals sind daher die Darsteller der „zweiten Reihe“ gefährdet. Denn auch aus Spargründen kann man nicht einfach einen Hauptdarsteller entlassen (bzw. „seine Vertragsoption nicht ziehen“ - denn letztlich sind die Verträge nur Absichtserklärungen).
Mit anderen Worten: Während David Caruso also nicht um seine Hauptrolle bei „CSI: Miami“ zu fürchten braucht, sieht die Sache für eine Boti Bliss ganz anders aus. Diese porträtierte in der Serie in bisher insgesamt 73 von 157 Episoden die Laborantin Maxine Valera. Solche Figuren gibt es in vielen Serien, viele von ihnen wirken aber auch nur in ein oder zwei Staffeln in wiederkehrenden Rollen mit, bevor sie ausgetauscht oder auch zu höherem berufen werden. Auch Bliss erhielt jedes Jahr eine Gehaltserhöhung, durch ihre Auswechslung gegen ein frisches Gesicht - oder noch günstiger, eine Rotation an frischen Gesichtern - wäre deutlich Geld zu sparen.
Problematisch am Ansinnen von CBS Paramount ist - von der implizierten Nötigung „entweder Du verzichtest auf Deine Gehaltserhöhung, oder Du bist an der Entlassung eines Kollegen schuld“ jetzt mal abgesehen - die fortschreitende Aufweichung der langjährigen Verträge.
Denn schon von Schauspielerseite gelten sie nur bedingt. Darsteller in Erfolgsserien erwarten, dass ihre Verträge vor Ablauf der ursprünglichen Vertragslaufzeit „nachgebessert“ werden. Serien, die wie „Desperate Housewives“ oder „Lost“ einschlagen, ziehen fast immer Nachverhandlungen nach sich: Die Darsteller erhalten sofort mehr Geld und verlängern ihre Verpflichtung um ein oder mehrere Jahre. Aufmerksame Leser von Serienjunkies kennen solche Meldungen zur Genüge, zuletzt bei „Burn Notice“(Serienjunkies vom 20. Januar 2009) und „How I Met Your Mother“ (Serienjunkies vom 10. Januar 2009). Aber auch richtige „Fortsetzungsgeschichten“ gibt es, wie Hugh Laurie, dessen Bezüge zwischenzeitlich in zwei Schritten von etwa 50.000 USD auf um die 400.000 gesteigert wurden (Serienjunkies vom 12. September 2008).
Wenn nun auch die Produzentenseite die Verträge nicht mehr über ihre volle Laufzeit akzeptieren, sondern sie „wegen aktueller Entwicklungen“ nachverhandeln wollen - und da könnten dann in Zukunft auch Quotenschwäche als Grund dienen -, dann sind sie bald nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind. Und dann stehen für die Zukunft immer mehr Berichte über Darsteller an, die aufgrund momentanen Erfolgs bessere Verdienstmöglichkeiten anderswo sehen - so, wie etwa die Gerüchteküche ja immer noch besagt, Katherine Heigl wolle ihren Vertrag bei „Grey's Anatomy“ zugunsten einer Kinofilm-Karriere verkürzen.
Bernd Michael Krannich am Montag, 9.Februar 2009 10.00 Uhr
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