«Bürgerkrieg» bei der Screen Actors Guild

«Bürgerkrieg» bei der Screen Actors Guild
Alan Rosenberg - dem Präsidenten der SAG stehen schwere Tage bevor
Foto: Albert L. Ortega

Nachdem die Führung der Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild angekündigt hatte, ab dem 2. Januar eine schriftliche Urabstimmung über einen möglichen Streik der Schauspieler in ihren Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag mit den amerikanischen Film- und Fernsehproduzenten durchzuführen, fällt ihr nun ihre eigene Unterabteilung aus New York in den Rücken.

Denn schon länger ist die Verhandlungsführung der aktuellen SAG-Spitze nicht unumstritten. Während diese alles dafür tut, für ihre Klientel einen besseren Deal heraus zu holen, als die jüngsten Tarifabschlüsse von sechs anderen Gewerkschaften im Filmgeschäft, gibt es in Schauspielerkreisen auch moderatere Stimmen - allgemein, so wie vor dem Hintergrund der jüngsten schlechten Konjunkturmeldungen insbesondere.

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Gerade im September, bei Neuwahlen eines Teils der nationalen Spitze der SAG, gelang es ausgesprochenen Vertretern des gemäßigten Flügels, die Mehrheit der Sitze zu erringen. Nur: Da sich die letzte Führungsriege noch in laufenden Verhandlungen befand, wurde diese laut Gewerkschafttradition nicht ausgetauscht - für gewöhnlich ein logischer Schritt, um laufende Verhandlungen nicht durch Austausch von Personal in die Länge zu ziehen. Daher ist nun eine Forderung der Gemäßigten - unter ihnen prominent die lokale Vertretung aus New York - auf einer außerordentlichen Sitzung der Gewerkschaftsspitze das Verhandlungsteam den neuen Gegebenheiten anzupassen. Zudem ist es das Ziel der Gemäßigten, ansonsten ihre Mitglieder zu einer ablehnenden Haltung zum Streik zu bringen - denn die Hürde für eine Autorisierung des Streiks ist mit 75% Zustimmung recht hoch. Es läuft auf eine echte Kampfabstimmung hinaus.

SAG-Präsident Alan Rosenberg verurteilte - erwartungsgemäß - den Versuch der New Yorker, die von ihm gebilligte Verhandlungsführung zu unterminieren. Er sprach von „außergewöhnlich zerstörerischen und subversiven Handlungen“. Die offensive und öffentliche Vorgehensweise Haltung der Gemäßigten spiele den Film- und Fernsehproduzenten - repräsentiert durch ihren Interessenverband AMPTP - in die Hände. Auch unterstellte Rosenberg, dass einigen Mitgliedern der New Yorker Abteilung der SAG wohl ihre späteren politischen Karriereoptionen wichtiger sein, als ihre momentane Verantwortung gegenüber denjenigen, die sie in ihrer aktuellen Gewerkschaftsrolle vertreten.

Passend zum Thema

Auch die Vorgehensweise der AMPTP ist wenig überraschend, ist sie doch der erneute Aufguss bereits zuvor gebetsmühlenartig wiederholter Aussagen: Die Verhandlungsführung der SAG sei von Anfang an verfehlt gewesen, und nun sollen die Schauspieler - vor allem jene glücklichen, die momentan Arbeit hätten - diese durch einen Streik retten. Zudem verwies man auf das bestehende Angebot und die Tatsache, das sechs anderen Gewerkschaften der Filmbranche entsprechende Tarifverträge bereits als ausreichend akzeptiert hätten sowie den sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwung.

Weiterhin wandte man sich jedoch auch mit Botschaften speziell an die Gewerkschaftsvertreter aus New York, Illinois und Michigan: Durch Steuererleichterungen hatten die dortigen Staatenregierungen jüngst einige Film- und Fernsehproduktionen in diese Staaten gelockt, so dass dort jetzt eine entsprechende Infrastruktur für die Branche am Entstehen sei. Diese sei nun durch einen Streik gleich wieder bedroht.

Die SAG-Spitze wird fortfahren, ihre Mitglieder darüber zu informieren, warum sie das aktuelle Angebot der AMPTP für ungenügend hält. 30 namenhafte Schauspieler haben ihre Namen für eine Befürwortung einer Streikautorisation gegeben, darunter aus dem Fernsehbereich Sandra Oh, Martin Sheen, Jerry O'Connell, Holly Hunter und Rob Morrow.
Und man argumentiert dort weiterhin, dass eine Genehmigung des Streiks nicht gleich einen Streik bedeuten würde: Man könne aber mit der durch die Masse der Schauspieler gestützten Streikdrohung die Verhandlungen wieder beleben - eine Position, die von der AMPTP anders gesehen wird.

Bernd Michael Krannich am Mittwoch, 24.Dezember 2008 12.00 Uhr

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