B. Brecht - oder Warum sich zweimal anschauen lohnt
Das „Epische Theater“ als Rechtfertigungsgrund für exzessive DVD-Käufe...

Foto: „berlino2008“ von ho visto nina volare
Creative Commons 2.0
Bertolt Brecht, einer der größten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts rechtfertigt mit seiner Theorie des Epischen Theaters den Kauf von Serien auf DVD. Warum?
Um das zu erklären, müssen wir etwas weiter ausholen und seine Theorie des Epischen Theaters erläutern.
(Wer in der Schule gut aufgepasst hat, kann die nächsten Absätze überspringen. Aber als Auffrischung des eigenen Wissens - und um der Argumentation willen - würde das Lesen auch den Deutsch-Leistungskurslern nicht schaden.)
Das "epische Theater"
Bertolt Brecht, der Ende des 19. Jahrhundert im schwäbischen Augsburg geboren wurde, gilt als einflussreichster deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts. Neben zahlreichen Gedichten und "Kalendergeschichten" schrieb Brecht bedeutende Theaterstücke und begründete damit eine neue Theaterform, die seine Vorstellung von der Aufgabe des Theaters besser umsetzte als die bisherige dramatische (bzw. "aristotelische") Form.
Brechts Episches Theater bzw. „dialektisches Theater“ wollte das Theater an die erzählende Literatur (= Epik) annähern. Der Zuschauer sollte aktiv mitdenken, Entscheidungen mit den Protagonisten fällen und sich stets die Distanz zum Geschehen bewahren. Nachahmung (Mimesis) und Identifikation sollen im epischen Theater vermieden werden, ebenso das Mit- und Einfühlen mit den Charakteren. Das Schicksal der Protagonisten steht im Epischen Theater für die Gesellschaft und das große Ganze und soll/darf nicht als individuelles Schicksal empfunden werden.
Brecht ging dazu wie folgt vor, um dieses Ziel zu erreichen: Er benutzte Verfremdungseffekte - also unterbrechende Kommentare oder Lieder, eigenartige Ausstattung oder Bühnenbilder. Um es als Schauspiel gegenüber dem wirklichen Leben erkennbar zu machen, sollten auch die Schauspieler analysieren und synthetisieren, d.h. von außen an eine Rolle herangehen, um dann ganz bewusst so zu handeln, wie es die Figur getan hätte. Ein weiterer Verfremdungseffekt ist der Erzähler am Bühnenrand, der das Geschehen reflektieren und kommentieren, sowie Distanz zu den Charakteren schaffen soll. Ähnliche Funktion haben im Übrigen auch Mary Alice Young („Desperate Housewives“) und der namenlose Erzähler bei „Pushing Daisies“.
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Bettina Ebenbeck am Samstag, 28.Februar 2009 12.00 Uhr
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