Braucht die BBC ein eigenes HBO?

Sähe das britische Fernsehen gerne noch anspruchsvoller: Comedystar Armando Iannucci
(c) Fremantle Media
Armando Iannucci, einer der renommiertesten britischen Comedyautoren und -produzenten („The Thick of It“, „Lab Rats“), hat sich im Rahmen einer Vorlesung auf dem Edinburgh Television Festival dafür ausgesprochen, dass die BBC einen eigenen Pay-TV-Kanal nach dem Vorbild des amerikanischen Senders HBO gründen sollte.
Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung können manchmal so weit auseinandergehen: Während wir in Deutschland uns nur bemühen können, serientechnisch nicht restlos den Anschluß zu verlieren, und voller Neid über den Ärmelkanal schauen, wo es einigen der international talentiersten Autoren und Produzenten gelingt, ein innovatives Serienformat nach dem anderen auf den Bildschirm zu bringen, fordert Iannucci die Gründung eines eigenen Bezahlkanals der BBC - um (noch) mutigere Serien realisieren zu können.
„Ich habe das Gefühl, dass unserer Fernsehlandschaft ein Kanal fehlt, der zu Abenteuern und Experimenten ermutigt, und das mit dem nötigen finanziellen Rückhalt.“ Dieser neue Sender müsse zur Heimat der besten Autoren, Regisseure, Produzenten und Serienschöpfer werden, wo ohne den Druck von Einschaltquoten oder Werbekunden neue, überraschende Formate ausprobiert werden könnten. Als Beispiel dafür nannte Iannucci die amerikanischen Pay-TV Sender HBO und Showtime, denen es gelungen sei, populäre und doch anspruchsvolle Unterhaltung zu schaffen - und damit die Networks unter Zugzwang zu setzen.
Der Produzent zeigte sich davon überzeugt, dass die Briten für einen derartigen Kanal bezahlen würden - auch wenn nach den Vorgaben des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Großbritannien die Inhalte dieses neuen Senders über kurz oder lang auch im frei empfangbaren TV zu sehen sein müssten. Dabei ist es bezeichnend (und natürlich ein großes Kompliment für die BBC), dass Iannucci gar nicht auf den viel naheliegenderen Gedanken kam, dass ein solcher Kanal ja auch privatwirtschaftlich ins Leben gerufen werden könnte. So eng sind offenbar die Begriffe „Qualität“ und „BBC“ miteinander verschmolzen.
Davon können ARD und ZDF in Deutschland nur träumen.
Iannucci dreht derzeit mit Steve Coogan („I'm Alan Partridge“) und James Gandolfini („The Sopranos“) die neue Kino-Komödie „In the Loop“.
Christian Junklewitz am Mittwoch, 27.August 2008 08.30 Uhr
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