'Boston Legal': Review zur Serie

Ab heute immer Mittowchs bei VOX: „Boston Legal“
(c) VOX
![]() |
| (c) VOX |
„Boston Legal“ startete 2004 als Spin-Off der Anwaltsserie „The Practice“, die anders als in den USA bei uns nie so recht Fuß fassen konnte: ProSieben und kabel1 hatten die im Vergleich zu „Ally McBeal“ recht düstere und ernsthafte Dramaserie eine Zeitlang im Programm. Über die Hälfte der Episoden wurde jedoch nie in Deutschland gezeigt. Da „Boston Legal“ von den meisten Hauptfiguren her unmittelbar an die achte Staffel von „The Practice“ anknüpft, lohnt es sich jedoch, zunächst ein Blick darauf zu werfen, was den deutschen Zuschauern vorenthalten wurde:
Alan Shore: Whenever I get a chance to break a law...
In der ersten Episode der achten Staffel von „The Practice“ heuert Alan Shore (James Spader) in der kleinen Kanzlei Young, Frutt & Berlutti an. Seinen eigenen Worten nach ist er einer der besten Anwälte für Kartellrecht im ganzen Land. Aus seiner letzten Anstellung wurde er wegen Unterschlagung entlassen - eine halbe Robin-Hood-Sache, wie er sagt: Er hat von den Reichen genommen und lediglich vergessen, es den Armen zu geben. Da er und Ellenor (Camryn Manheim) alte Freunde sind, bekommt er den Job, obwohl ihre Partner Eugene (Steve Harris) und Jimmy (Michael Badalucco) von Anfang an ihre Vorbehalte gegen Alan haben.
Und tatsächlich scheint sich ihr Mißtrauen zu bestätigen: Gleich in einer der ersten Episoden landet Alan vor der Anwaltskammer, weil er die Schweigepflicht einem Klienten der Kanzlei gegenüber verletzt hat - der Mann hatte die Schuld an einem Mord auf seine kleine Tochter abgewälzt. Alan zögert keine Sekunde, um mit dieser Information zum Staatsanwalt zu gehen. Auf dessen Hinweis, dass dies das Ende seiner Karriere bedeuten könnte, reagiert Alan nur mit einem Achselzucken: Dann würde er eben in Zukunft Apfelbäume anpflanzen. Das hätte er sowieso schon immer vorgehabt.
Alan ist eine Art Kamikaze-Anwalt, der vor keinem Risiko und keinem Rechtsbruch zurückschreckt, um das zu tun, was er für das Richtige hält. Wie sagt eine Richterin doch einmal so schön zu ihm: There is a rumour going around: under that slick surface there is a heart of gold. Bei aller Ungerührtheit, aller Coolness und allem Sarkasmus, den Alan Shore auch sonst an den Tag legen mag, gibt es doch immer wieder diese Momente, in denen ihn ein menschliches Schicksal, ein Leid, eine Ungerechtigkeit so sehr berührt, dass er, angefangen bei seinen schlicht imposanten rhetorischen Fertigkeiten bis hin zu seiner Karriere, einfach alles dafür einsetzt, um ein kleines Stück Gerechtigkeit herbeizuführen. Eine geradezu prototypische Szene dafür ist die erste Szene der Episode Victims' Rights: Ein junges Roma-Mädchen spricht Alan an und bittet ihn, ihr zu helfen. Er erwidert, dass sie kaum das Geld habe, ihn zu bezahlen. Als sie ihm jedoch erzählt, dass sie von ihren Eltern nach Rumänien gebracht und dort zwangsverheiratet werden soll, stellt sich Alan sofort dem Vater des Mädchens in den Weg, der sie mitnehmen will, und bittet vor Gericht unverzüglich um Asyl für das Mädchen. Als er am Ende gegen den Einspruch der Eltern verliert, ist ihm die Erschütterung in seinem Gesicht deutlich abzulesen.
| Seite: 1 2 3 4 5 | ![]() |

Mehr zur Serie Boston Legal
| Link: | |
HTML ![]() | |
Forum ![]() |









Serienjunkies abonnieren 
Newsletter






