Boomtown: Review zum Serienstart

Boomtown: Review zum Serienstart
Der Cast der Serie „Boomtown“
(c) 2002 NBC

Boomtown - Erste Folge: Fluss ohne Wiederkehr oder Täglich grüßt das Murmeltier für Fortgeschrittene.

Ein Fluss ohne Wiederkehr... Besser hätte mit dem Titel dieser ersten Folge die ganze Geschichte dieser Serie nicht beschreiben können...

„Boomtown: Review zum Serienstart“ nachzulesen bei Serienjunkies

Die Premiere fand statt am 29. September 2002 in den USA. Nicht allein der visuelle Erzählstil war das Unübliche an diesem NBC-Krimi, sondern es fing schon an bei der Bestellung von nur 18 Folgen für die erste Staffel statt der gewohnten 22 oder 24. Nach 12 Folgen mit ziemlich schwachen Quoten wurde die Serie von Sonntag auf einen Sendeplatz am Freitag verlegt und das nach einer zweimonatigen Unterbrechung.

Erst im März 2003 ging es weiter. Vor den May Sweeps war Schluss mit der ersten Staffel. Trotz Kritikerlob und etlichen Preisen und Nominierungen (Emmy Awards, Golden Satellite Awards und Television Critics Association Awards) ging es weiter abwärts. Zu guter Letzt wurden erhebliche Veränderungen am Cast und Stil der Serie vorgenommen, und nach nur zwei Folgen der zweiten Staffel war wieder mal Pause. Noch drei Folgen wurden am 27.12.2003 gezeigt und dann die letzte am 28.12.2003. Danach war endgültig Schluss mit dieser ungewöhnlichen Serie.

Jetzt startet die deutsche Erstausstrahlung am heutigen Vorabend auf dem Sender 13th STREET. Die Serie ist montags bis freitags um 17.50 Uhr zu sehen. Was sollen die deutschen Zuschauer von ihr erwarten? Ist es schon hinweisend genug, zu wissen, dass sie im Heimatland schlecht lief? Ich glaube, man sollte sich nicht immer gleich von solchen „Qualitätszeugnissen“ abschrecken lassen. Viele Serienjuwelen gingen schon durch ungeschickte Programmierung zugrunde bzw. sie tauchten zu einer Zeit auf dem Bildschirm auf, als das Publikum sie nicht sehen wollte...

Wie der Fall bei „Boomtown“ lag, darüber kann man nur spekulieren. Einige Dinge fallen aber doch auf: Ein Vorspann aus sich überlappenden Bildern, sie können nicht auf einander warten. Sie verdrängen einander, werden zusammengepuzzelt und dann wieder auseinander. Schon im Vorspann offenbart „Boomtown“ - neben der Schilderung dessen, was der Zuschauer von der Dramaturgie zu erwarten hat - die eigenen Schwächen: Man versucht zu viel in zu kurzer Zeit zu zeigen, zu erzählen.

Dadurch ergibt sich nicht ein hohes Tempo, sondern eher Hektik, eine übereifrige Schilderung von sich überlappenden Gefühlen, die, statt dass sie sich zu einem Ganzen zusammenfügen, eher einander verdrängen. Die Serie verfügt über so viel Potential, dass sie an dem eigenen grandiosen Konzept scheitert.

Die L.A.-situierte Produktion erzählt Geschichten, die in jeder Folge, aufgeteilt in Abschnitte, aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Im Mittelpunkt steht die Arbeit der LAPD-Detectives Joel Stevens (Donnie Wahlberg) und Bobby 'Fearless' Smith (Mykelti Williamson). In die Auflösung der Fälle sind außerdem ein Streifenpolizist, ein stellvertretender Staatsanwalt, eine Polizeireporterin und ein Sanitäter verwickelt. Es wird aus der Sicht all dieser Beteiligten erzählt.

Visuell solide umgesetzt, nahezu perfekt fügen sich Bilddetails in den einzelnen Erzählabschnitten ineinander, aber sie „vergessen“, sich in das Ganze der Serie einzufügen. So bekommt ein zugegeben einfallsreich konzipiertes Puzzle Lücken. Erstens herrscht eine unüberwindbare Unentschlossenheit bezüglich dessen, was wichtiger ist: die Figuren oder die Aufklärung eines Verbrechens. Die zweite Lücke ist das Problem der längerfristigen Zuschauerbindung. Andrea, Ray, Tom, Fearless, Joel, Teresa, Cantrel, Mr.Lafontaine lauten die Kapitel der ersten Folge. Viele Figuren, viele Emotionen, wenig Zeit für die Etablierung der Protagonisten, viel Arbeit für den Zuschauer - und wenn die Zuschauer sich nicht dazu verleiten lassen wollen, mitzumachen, dann nutzt auch die eindrucksvolle Musikcodierung der einzelnen Figurengeschichten (man denke an „Spiel mir das Lied vom Tod“) nicht viel.

Diese so genannten „Probleme“ der Serie sind nicht unbedingt solche, sondern eher Erklärungen für das Scheitern beim Publikum. Nicht vergessen: es ist alles eine Sache der Interpretation. Aber eins ist sicher: wenn eine Serie die Möglichkeit unterschiedlicher Bedeutungs- und Interpretationsspiele anbietet und zulässt, dann lohnt es sich einzuschalten, denn manchmal entspringt für den eigenen Geschmack aus der Mitte doch noch ein Fluss!

Links dieses Beitrags: Boomtown, Donnie Wahlberg, Mykelti Williamson

Vladislav Tinchev am Montag, 17.Dezember 2007 12.00 Uhr

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