Big Love: Interview mit Synchronautorin Karin Lehmann

Die Familie Hendrickson in «Big Love»
(c) HBO
Derzeit zeigt der deutsche Pay-TV-Sender TNT Serie die dritte Staffel der US-Serie „Big Love“. Wir sprachen mit Synchron-Autorin und Regisseurin Karin Lehmann über die Serie, wie man gute Sprecher findet und über ihren Traumberuf.
Sehr gelungen ist die Synchronisation der Berliner Synchron-Firma TV + Synchron Berlin, die in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion bei Turner entstand. Bei der deutschen Fassung, die unter der Leitung der Autorin und Regisseurin Karin Lehmann entstand, sind die deutschen Stimmen adäquat besetzt. Die Sprecher passen gut zu ihren Rollen und auch mit der Hintergrundatmosphäre, bei Synchronisation oft bemängelt, nahm man es sehr genau. Besonders zu würdigen sind die akribischen Vorarbeiten, auch die Hintergrundaktivitäten und noch so kleinen Details, an denen man sich in Zukunft orientieren sollte. Ein durchaus gelungenes Synchronprojekt für eine anspruchsvolle Serie.
Ich hab eine Ausbildung zur Tonmeisterin gemacht und bin auf diesem Weg dann zur Berliner Synchron Wenzel Lüdecke gekommen.
Und der Schritt, selbst Bücher zu schreiben?Ich habe bei einem Kollegen hospitiert, der das sehr gut konnte. Habe viele Stunden daneben gesessen und zugeguckt. Dann habe ich angefangen, selbst Bücher zu schreiben - und bin jetzt seit 1997 dabei. Eigentlich habe ich das mit der Tonmeisterei sehr gerne gemacht. Und wollte es immer noch weiter machen. Ich dachte, ich könnte immer mal wieder einen Film dazwischenschieben, bei dem ich den Ton aufnehme. Aber jetzt kann ich das wahrscheinlich gar nicht mehr, weil die Zeit so schnelllebig ist - und die digitale Technik schon so weit fortgeschritten.
Ist so ein Quereinstieg eigentlich der normale Weg in der Synchronisation?Den Beruf gibt es ja nicht als Ausbildungsberuf. Alle, die das machen, kommen als Quereinsteiger herein. Bei der Synchronregie sind das meistens Leute, die vorher selbst gesprochen haben, von denen aber auch nicht alle ausgebildete Schauspieler sind. Gerade diejenigen, die da schon als Kinder reingewachsen sind wie zum Beispiel Oliver Rohrbeck. Da gibt es ganz viele hervorragende Sprecher - Gerrit Schmidt-Voss, Dascha Lehmann - die haben alle keine Schauspielschule besucht.
Gerade diese sehr guten Sprecher werden immer wieder für Filme und Serien gebucht. Besteht da nicht die Gefahr, dass der Zuschauer deren Stimmen irgendwann über hat?Ja, deshalb bin ich auch sehr dafür, neue Stimmen auszuprobieren. Ich unterrichte Synchron an einem Bremer Institut, International Voice, das in Berlin Seminare fürs Sprechen in den Medien anbietet: Imagefilm, Overlay, Hörbuch, Hörspiel und eben auch Synchron. Das richtet sich nur an ausgebildete Schauspieler oder Musical-Darsteller - Leute, die Erfahrungen mit Spiel haben und noch mehr ihre Stimme einsetzen wollen. Und da hat man häufig richtig gute Leute dabei. In so einem Kurs sitzen maximal 16 Teilnehmer und es sind meistens ein oder zwei Leute dabei, die so gut sind, dass man sie sehr schnell fit machen kann für Synchron.
Die merkt man sich dann?Die merke ich mir und die fördere ich auch, weil ich eben sehr dafür bin, dass wir nicht immer dieselben Stimmen hören.
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Mariano Glas am Samstag, 27.Februar 2010 12.00 Uhr
2 Leserkommentare
| Serenity vor 2 Jahren: | Platz 68 in der Community Top-100 |
"und auch mit der Hintergrundatmosphäre, bei Synchronisation oft bemängelt, nahm man es sehr genau" Mhh, gerade dazu hätte ich gern mehr gehört. Vor allem da sie aus der Tontechnik kommt. Der aufgesetzte, überlaute und generell künstliche Ton von Synchros ist was mich inzwischen am meisten stört. Unabhängig von den Stimmen und der Übersetzung schreckt mich das am sofort ab. Es muss den Machern doch selbst auffallen wie schrecklich sich das im Vergleich zum Original anhört. Sie hätte vielleicht erklären können wieso das so gemacht wird. Technisch ist nämlich eine bessere Abmischung ohne weiteres möglich. | |
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| Kippei vor 2 Jahren: | |
@Serenity: mein Halbwissen lässt mich vermuten, dass der Ton am Ende zu stark komprimiert wird, was zu diesem "aufgeblähten" Klang führt. Das wird jedenfalls gerne bei Werbung und bei Songs im Radio gemacht. Jeder will der lauteste sein und sich so die Aufmerksamkeit des Hörers/Zuschauers sichern. Dadurch wird vieles totkomprimiert. @Serienjunkies: Die Frage (und die Antwort) über ihre Empfindungen zu der patriarchischen Welt in Big Love hat mir sehr gefallen. Solche Fragen machen einen Artikel besonders lesenswert! "...das Schöne an der Serie ist, dass sie die Probleme sehr, sehr differenziert betrachten und es eigentlich dem Zuschauer überlassen, darüber zu befinden." Das ist halt eine HBO-Serie, da erwarte ich eine differenzierte Sichtweise "Ich sitze wirklich jeden Tag vor der Röhre - und gucke mir danach gar nichts mehr an." Kann ich nachvollziehen. Wahrscheinlich wäre man dann sowieso immer zu sehr mit dem Kopf dabei. So geht's mir jedenfalls, seit ich hobbymäßig Musik mache. Ich höre Musik seit dem anders und kann mich gar nicht mehr richtig fallen lassen. Ständig ist der Kopf am Analysieren. | |
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