US-Autorenstreik: Erste Crews werden entlassen

„Friends“: Lisa Kudrow und Matthew Perry solidarisieren sich mit den Autoren
(c) ABC News
Aufnahmeleiter, Kameramänner, Beleuchter, Produktionsassistenten, Kostüm-, Masken- und Szenenbildner - sie alle sind von dem Streik als indirekte Opfer betroffen. Denn in dem Maße, wie der Streik tatsächlich auf den Produktionsbetrieb durchschlägt, werden sie von den Studios und Produktionsfirmen auf die Straße gesetzt. Und da die meisten von ihnen in der Bezahlung noch deutlich schlechter gestellt sind als die Autoren, erhöht dies wiederum den (moralischen) Druck auf die Autorengewerkschaft. Sollte es zu weiteren Entlassungen kommen, womit bei zunehmender Streikdauer zu rechnen ist, wird wohl wie zuletzt 1988 die Existenz vieler Crew-Mitglieder vernichtet.
Ein ehemaliger Autor, der sich anonym an das Branchenblatt Variety gewandt hat, vermutet sogar, dass dies einer der Hintergründe dafür sein könnte, warum die Studios und Networks den Streik provoziert haben: Seit sich ab Mitte der 90er Jahre in den USA die großen Medienkonzerne gebildet haben, hatten sie keine Gelegenheit das zu tun, was normalerweise geschieht, wenn sich große Firmen zusammentun: Nämlich sich neu zu strukturieren - sprich: Leute auf die Straße zu setzen. Der Streik gebe den Konzernen nun die Möglichkeit, dies durch die Hintertür zu tun (was im laufenden Sende- und Produktionsbetrieb nur schwierig durchzusetzen wäre). Ziel sei es letztlich, das System der unabhängigen Produzenten, die für die Studios Serien realisieren, durch eine industriellere Produktionsweise zu ersetzen, bei der die Kreativen wieder zu reinen Angestellten des Studios werden. Das klassische Hollywood-System lässt grüßen.
Nach Angaben der Bühnenarbeiter-Gewerkschaft IATSE haben bis zum Beginn dieser Woche rund 50 Serien die Produktion eingestellt. Bis zum Ende der Woche werden es nahezu 100 sein. Late-Night-Moderator David Letterman hat unterdessen ein Beispiel gesetzt, indem er die Angestellten seiner Sendung während des Streiks aus eigener Tasche weiterbezahlt. Selbiges wurde direkt zu Beginn des Streiks von Jon Stewart berichtet, der diese Meldung jedoch wieder dementieren ließ.
Am Dienstag standen die Streikmaßnahmen der Autorengewerkschaft WGA derweil (in Anlehnung an die ABC-Show „Dancing With the Stars“) unter dem Motto „Picket With the Stars“. Dabei wurden die Streikposten von hochkarätigen Stars aus Film und Fernsehen unterstützt: Neben zahllosen TV-Mimen (von William L. Petersen über America Ferrera bis Brad Garrett) fanden sich auch Kinostars wie Ben Stiller und Kevin James zu den Protesten ein.
Ein Ende des Streiks ist unterdessen nicht abzusehen. Zahlreiche Senderchefs verkündeten in der vergangenen Woche, dass ihnen der Streik ökonomisch überhaupt nicht schade. Im Gegenteil: Was die Sender im Augenblick z.B. an Produktionskosten für neue Piloten einsparen würden, übersteige die Werbeausfälle durch den Autorenstreik deutlich. Was davon allerdings nur PR-Gerede ist, ist derzeit schwer einzuschätzen. Interessant ist immerhin, dass ausgerechnet NBC, dessen Programmchef Ben Silverman noch kürzlich davon gesprochen hatte, wie gut der Sender auf den Streik vorbereitet sei, als erstes Network seine Teilnahme an der TCA-Winterpressetour abgesagt hat. Offensichtlich will Silverman mit eilig zusammengestrickten Reality-Formaten der Presse doch lieber nicht gegenübertreten. Oder er hat einfach nur Angst, auf Stephen McPherson zu treffen (Serienjunkies vom 13.11.2007).
Inzwischen haben einige Autoren auf YouTube ein Video online gestellt, das die Aussagen der CEOs der großen Medienkonzerne zu den Einnahmen und Aussichten des Internetgeschäfts - vor dem Streik - zusammenfasst:

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