Apple, Dell und die Autoindustrie lieben TV-Serien


Dr. House und sein Dell-PC
(c) 2008 FOX

Falling in Love with ... whatever! "24" bekommt einen neuen Autodeal. Liebevolle Gedanken über die Trends in TV-Product Placement.

In den späten 90ern wurde in den USA die so genannte Schleichwerbung unter dem Begriff Product Placement „neu geboren“. Im Zuge der unzähligen Deals zwischen Konzernen und TV-Sendern wurden sogar alte Programme neu ausgestattet, d.h. es wurden zum Beispiel ältere Sitcoms digital so bearbeitet, dass neue und zur Zeit der Entstehung der entsprechenden Serie nicht existierende Produkte plötzlich im Bild auftauchten. Für die neuen Programme bezahlte der so genannte Sponsor ein „product placement fee“, damit seine Artikel in den Inhalt integriert wurden. Natürlich kann man sehr schwer messen, wie das Product Placement in dem jeweiligen Programm funktioniert. Im Prinzip ist es so, dass Nielsen und eine Reihe anderer Anbieter die Zuschauer „befragen“: Diese müssen Fragebogen ausfüllen, die Fragen enthalten wie: Wer ist der Sponsor der Serie? Was wurde beworben? Wann und wo haben Sie das Produkt gesehen?

„Apple, Dell und die Autoindustrie lieben TV-Serien“ nachzulesen bei Serienjunkies

Danach werden Berichte für die Sender und die Werbekunden erstellt. Genauso wie es keine einheitliche Maßregel für den Erfolg bestimmter Product Placements gibt, gibt es keine festgelegten Regel für die Deals und die Höhe der so genannten „fees“, wie es sie z.B. für einen 30-sekündigen Werbespot gibt. Jeder Deal steht für sich selbst und hat, wie die Medienanwälte es schön ausdrücken, „many gray areas“. Zum Beispiel muss geklärt werden, ob eine Hauptfigur den beworbenen Artikel benutzt oder nur Nebenfiguren, d.h. fährt Jack Bauer in „24“ einen Ford SUV oder fahren ihn nur die anderen CTU-Agenten? Ist vielleicht das beworbene Fahrzeug nur sporadisch auf den Straßen zu sehen? Was wäre der Preis, wenn das Produkt auch in einer Unterhaltung beim Namen genannt würde, etwa: Wir brauchen einen voll getankten Ford Expedition an der Ecke ... usw.

Gregory House schenkt sich selbst Wilsons iPhone: „Dr. House“<br>© FOX
Gregory House schenkt sich selbst Wilsons iPhone: „Dr. House“
© FOX
Product Placement ist heute kaum noch aus der finanziellen Planung einer TV-Serie wegzudenken. Bereits vor der Produktion der ersten Minute der Pilotfolge sind die Hauptsponsoren mit an Bord und versuchen ihre Produkte möglichst oft und lange im Bild unterzubringen. Dabei ist die Produktintegration manchmal nicht ganz so offensichtlich, wie man glaubt. Zur richtigen „Schleichwerbung“, wie sie in den 80ern betrieben wurde, kommt es aber kaum noch. Damals wurden die beworbenen Marken im Bild so untergebracht, dass sie unbewusst wahrgenommen wurden und den Zuschauer bei der Wahl eines Produkts indirekt beeinflussten.

Beispielsweise machte ich im Zuge meiner Magisterarbeit über die Alien-Filme im zweiten Film der Reihe („Aliens“) eher durch Zufall eine erstaunliche Entdeckung: Als Ripley (Sigourney Weaver) die Alien-Königin findet und mit Newt auf dem Arm vorsichtig zwischen den Alien-Eiern hindurch läuft, taucht für höchstens eine Sekunde ihr Schuh im Bild auf. Wenn man dann das Bild einfriert, sieht man deutlich die rote Beschriftung Reebok! Ein Abgleich der ungefähren Verkaufszahlen des Konzerns in der Zeit kurz vor und kurz nach der US-Ausstrahlung von „Aliens“ sieht man bei letzteren deutlich höhere Zahlen...

Damit es auch jeder erkennen kann: Eine strategisch platzierte Lupe vor dem Filmenlogo<br>© CBS
Damit es auch jeder erkennen kann: Eine strategisch platzierte Lupe vor dem Filmenlogo
© CBS
Die Meister der Produktintegration bringen quer durch einen TV-Sender ihre Produkte unter. In der heutigen Serienwelt geht nichts ohne Computer und Mobiltelefone. Der Computerhersteller Dell hat es zum Beispiel geschafft, in sämtlichen TV-Serien und Fernsehfilmen von CBS seine Laptops unterzubringen. Und auch bei „Fringe“ dürfen die Agenten des FBI an Computern des PC-Zusammenschraubers arbeiten - wenn auch Frau Torvs Laptop unter SymbOS läuft.

Wie viel der Konzern bei dem Sender und/oder den Produktionsgesellschaften dafür im Jahr bezahlen muss, war nicht in Erfahrung zu bringen. Eine Anfrage an Dell nach dem Budget wurde bis zum Redaktionsschluss ignoriert.

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Vladislav Tinchev am Samstag, 31.Januar 2009 12.00 Uhr

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