Allein gegen die Mafia: Berlusconi möchte Autoren «erwürgen»

Kein Wunder, dass er etwas gegen die Serie hat: Berlusconi hätte in „La Piovra“ einen erstklassigen Bösewicht abgegeben
Foto: spiritolibero85 Creative Commons 2.0/RAI, Montage: SJ
Silvio Berlusconi, Eigentümer des Medienkonzerns Fininvest und nebenberuflich Ministerpräsident von Italien, ist sauer auf die Autoren der Fernsehserie „Allein gegen die Mafia“: Weil sie angeblich das Ansehen des Landes in der Welt beschädigen, würde sie der Politiker, dem in der Vergangenheit immer wieder selbst Mafiaverbindungen nachgesagt wurden, gerne erwürgen.
Neues aus der Rubrik: Politiker, die sich statt mit Politik lieber mit Fernsehserien befassen. Silvio Berlusconi (73) hat auf einer Veranstaltung seiner Partei Forza Italia auf Sardinien, seinem Unmut über all jene Autoren Ausdruck verliehen, die gegen die Mafia schreiben. Mit ihren Büchern, Filmen und Fernsehsendungen würden sie nichts anderes erreichen als das Ansehen Italiens in der Welt zu beschädigen.
Ganz besonders zornig ist Berlusconi auf die Autoren der italienischen Fernsehserie „La Piovra“ („Allein gegen die Mafia“): „Wenn ich herausfinde, wer die Macher der neun Staffeln von La Piovra sind, dann werde ich sie erwürgen!“
„Allein gegen die Mafia“ war zwischen 1984 und 2001 eine der erfolgreichsten TV-Serien Italiens, die auch international für Aufsehen sorgte. In Deutschland erreichte die Serie bei ihrer Ausstrahlung im ZDF zu Spitzenzeiten Einschaltquoten von weit mehr als 12 Millionen Zuschauern. Bekannt wurde die Serie, an der einige der herausragendsten Darsteller (z.B. Michele Placido) und Regisseure (z.B. Damiano Damiani) Italiens mitwirkten, vor allem durch die schonungslos sozial-realistischen Drehbücher, die nicht davor zurückscheuten, die Verbindungen zwischen Mafia, Wirtschaft und Politik klar zu benennen.
Politiker aus dem konservativen Spektrum haben „Allein gegen die Mafia“ deshalb immer wieder den Vorwurf der „Nestbeschmutzung“ gemacht. Berlusconi ist auch nicht der Erste, der den Machern Gewalt androht: Während der Dreharbeiten der Serie kam es mehrfach zu Begegnungen mit echten Mafiosi, die der Filmcrew nahelegten, in bestimmten Ecken Palermos besser nicht zu drehen.
Bei Berlusconi muss die Serie tiefe Wunden hinterlassen haben. Immerhin regt sie ihn auch acht Jahre nach ihrem Ende noch auf. Dabei spielt ihm auch noch die Erinnerung einen Streich: Tatsächlich gab es zehn Staffeln der Serie.
Mag der Satz vom Erwürgen der Autoren auch in der Hitze einer politischen Veranstaltung gefallen sein, so sollten sich die Macher der Serie vielleicht doch vorsehen: So steht Berlusconi gerade - wieder einmal - im Verdacht, in Anschläge der Mafia in den Jahren 1992 und 1993 verwickelt gewesen zu sein (wenngleich die Staatsanwaltschaft Florenz mittlerweile dementiert hat, dass gegen Berlusconi deswegen konkrete Ermittlungen laufen).
Christian Junklewitz am Freitag, 4.Dezember 2009 22.00 Uhr
6 Leserkommentare
| __xx__thx1138 vor 3 Jahren: | |
Berlusconi als Person mit seinen Machenschaften macht Italien schlecht. Oder doch die Italiener selber, die den gewählt haben? Denke mal nicht, dass Fr. Merkel politisch noch etwas zu sagen hätte, wenn von ihren Privatparties mit Strippern&Strichern etwas bekannt würde (natürlich nur unter der Bedingung, dass ihr persöhnlich auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen gehört). BTW.: Schaue mir seit über 10 Jahren täglich die Euronews an; kann mich aber nicht an irgendetwas Gescheites erinnern, das aus der italienischen Politik kam. Hat da wer ein positives Beispiel? | |
| Permalink | Diesen Kommentar melden |
| Vendetta vor 3 Jahren: | Platz 14 in der Community Top-100 |
Allein gegen die Mafia ist die einzige italienische Serie, die ich kenne, und ich habe sie immer gern geschaut. Das war damals eine echt harte, schnelle und spannende Serie - nicht so seicht und naiv wie viele andere Serien zu der Zeit waren. Im Mittelpunkt standen die aufrechten Polizisten, die sich als einzige dem Mob entgegen gestellt haben. Also ich verbinde damit eher ein positives Bild über Mut und Moral. Und was Signore B. sagt, geht mir echt am Stiefel vorbei. | |
| Permalink | Diesen Kommentar melden |
| tvkilledthemoviestar vor 3 Jahren: | |
@thx1138 Positives Beispiel?Auf keinen Fall,das einzige,was mir in den Sinn kommt ist Korruption und Immunitätsverfahren. Aber ist es nicht traurig,dass es vor 20 Jahren möglich war so eine anspruchsvolle Serie zu machen,und heute?Weder in Italien noch bei uns habe Ich seitdem so eine Qualität gesehen. Ich habe die Serie letztes Jahr erst wieder gesehen,und sie funktioniert immer noch. | |
| Permalink | Diesen Kommentar melden |
| arminb_wien vor 3 Jahren: | Platz 88 in der Community Top-100 |
Tja, der alte Berlusconi hat's halt nicht so mit demokratisch-freiheitlichen Prinzipien wie Redefreiheit, Trennung von Staat und Religion, Interessenskonflikte Privatwirtschaft vs. öffentliche Ämter, ... wieso auch, es wird ja trotzdem gewählt (und das vermutlich sogar ohne Wahlbetrug muss man sagen, seine Regierung ließ ja sogar Wahlcomputer verbieten). Es ist zwar eine ziemliche Frechheit sowas zu sagen, aber wundern tut's mich nicht. Ich bin sowieso immer äusserst fasziniert wie Medien uns weismachen wollen, es gehe immer alles mit rechten Dingen zu und die schwarzen Schafe werden eh zur Verantwortung gezogen. Und auch fasziniert, dass es immer wieder Leute gibt die das dann glauben. Das ist ganz klar NICHT so. Jeder kennt einen Stadtrat, einen Bürgermeister, einen vergleichsweise kleinen Fisch mit sehr wenig Macht, der in irgendeiner Form korrupt ist. Ich traue mich das zu behaupten, JEDER kennt so einen (oder eine). Wie um alles in der Welt kann dann jemand glauben, dass wenn es um ungleich VIEL MEHR Macht, Einfluss und Geld geht, dass es da NICHT korrupt zugeht? Kriege, Terroranschläge, Konzernübernahmen, Privatisierungen, Gold-Reserve-Verkäufe in den letzten Jahren ... alles von dem ist NIEMALS so wie darüber berichtet wird, es gibt immer ein "hinter dem Vorhang". Weil's grad passt, man erinnere sich an den kleinen Dialog aus The Godfather, dem "grossen Bruder" von La Piovra: Michael: My father is no different than any powerful man, any man with power, like a president or senator. Kay Adams: Do you know how naive you sound, Michael? Presidents and senators don't have men killed. Michael: Oh. Who's being naive, Kay? | |
| Permalink | Diesen Kommentar melden |
| makus vor 3 Jahren: | Platz 95 in der Community Top-100 |
Was hat das verflucht mit us serien zu tun? Das hat hier nichts verloren! | |
| Permalink | Diesen Kommentar melden |
| __xx__thx1138 vor 3 Jahren: | |
HONK!!! Wo bitte gehts nochmal exclusiv um US-Serien? Schabbadabbadubb! | |
| Permalink | Diesen Kommentar melden |
| Hinweis | |
|---|---|
Nur registrierte Mitglieder können Kommentare verfassen! Es können nur angemeldete Mitglieder der Community von Serienjunkies Fragen stellen und Antworten veröffentlichen. Die Registrierung und die Nutzung der Community ist kostenlos. Melde Dich noch heute an! Hier kannst Du Dich kostenlos registrieren. Wir geben Deine persönlichen Daten nicht weiter. Versprochen! Du bist noch nicht bei Serienjunkies angemeldet... | |
Weitere Beiträge von Christian Junklewitz
Das Archiv der TV-Meldungen von Freitag, 4.Dezember 2009
| Link: | |
| HTML | |
| Forum |













