Webserien, Webisoden & WebTV

Was macht eine gute Webserie aus?

7 Beiträge

cldx3000 vor 3 Jahren

Da noch kein Thread existiert bin ich mal so frei und erstelle einen passend zur Einleitung der Gruppe.

Was macht eine gute Webserie aus? Keine leichte Frage, allerdings gibt es viele Aspekte die man direkt von "normalen" Serien übernehmen kann:

-Natürlich EINE GUTE IDEE
-Charaktere mit denen man sich auf irgeneine Weise emotional verbunden fühlt, ob jetzt Mitleid, Verständnis oder auch Hass auf einen Bösewicht
-Accesibility für Quereinsteiger, die Serie muss auch für Leute greifbar sein die nicht alle Folgen gesehen haben
-Eine Geschichte die sich weiterentwickelt und nicht im Kreis dreht
-Ein gutes Setting, keiner kauft einem Science-Fiction ab wenn man es z.B. in der Küche aufnimmt, soll heissen die Serie muss natürlich ihrem Budget entsprechend entwickelt sein, auch wenn es eine Independent Produktion ist, Leute mögen einfach keinen Schrott, dann lieber Realismus

Und jetzt versuche ich mal mir ein paar Sachen zu überlegen die speziell für eine Webserie wichtig sind:

-PROMO, kurz, knapp, prägnant, keiner hat Bock 5 Minuten auf ein Teaser-Video zu warten, auch sollte die Promo einen guten Einstieg zur Serie bieten, was hab ich von irgeneinem Trailer der mir dann doch nix verrät
-Word of Mouth, möglichst viel Foren und Boards usw. ein Gespräch über die Show anzetteln und Twittern wie ein Depp, was keiner kennt kann auch keiner ansehen
-Interaktivität, ein schwieriges Thema aber im Web möchten User gerne in den Content miteinbezogen werden, z.B. mit Abstimmungen über den Fortlauf der Geschichte oder virale Aspekte wie z.B das sich ein User auf einmal als Charakter in der Serie entpuppt und so die Brücke schlägt zwischen Realität und Show
-Präsentation, eine Fernsehserie beschränkt sich ja meistens auf..genau...die Glotze, eine Webserie muss sich direkt durch seine Seite repräsentieren im Gegensatz zu TV-Serien wo der normale Weg Fersehtrailer->Show->Internetseite wäre, da muss natürlich alles stimmen, auch Werbung ist ein kompliziertes Thema, wer hat schon Lust auf eine Show deren Seite von Werbebannern überflutet ist, das kommt ans Fernseherlebnis nicht ran, im Gegenzug ist Werbung natürlich ein notwendiges Übel
-Regelmäßigkeit, im Web werden Sachen noch viel schneller vergessen als im Fernsehen, deshalb muss man auch zwischen den Episoden immer die Leute bei der Stange halten, sonst landet man wieder bei Punkt 1 dieser Liste.


So einfach mal ein paar Punkte die mir auf die Schnelle eingefallen sind, dann mal losdiskutiert....


P.S. siehst du es geht doch mit der Gruppe

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1. gigaset vor 3 JahrenPlatz 67 in der Community Top-100

Kurz und Schmerzlos verweise ich auf "Dr. Horrible's Sing-Along-Blog" von Joss Whedon. Dafür gab es sogar eine Emmy-Nominierung. Wer es nachlesen will http://www.serienjunkies.de/news/horrible-joss-22630.html

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2. cldx3000 vor 3 Jahren

Zu Dr.Horrible: Nix gegen Joss Whedon und Konsorten aber ich denke mal die haben einfach im Vergleich zu einer Newcomer Webserie einiges mehr an Budget und Talenten mit denen Sie arbeiten können, natürlich ist die Entwicklung trotzdem sehr schön und noch schöner das so aussergewöhnliche Leistung auch dementsprechend gewürdigt wird.

Zu Accesibility: Ich denke schon das es eine wichtige Sache ist, ich meinte auch nicht das in jeder Folge nochmal jeder vorgestellt werden muss, als Beispiel nehme ich mal Marvel Comics, dort gab es über Jahre immer Ausgaben bei denen man das Cover ausklappen konnte wie ein Playboy Foldout, in diesem wurden dann die wichtigsten Charaktere kurz biografiert und die Storyline der letzten Monate grob zusammengefasst.

Zu Episodenlänge, ich denke mal es ist garnicht so wichtig wie lange eine Serie ist, natürlich ist es schön eine Serie zu sehen die 45 Minuten dauert, aber notwendig ist es nicht zwingend, mal abgesehen davon das nichtmal jede Episode die gleiche Länge haben muss, wie im Fernsehen, eine Episode könnte 15 die andere 3 Minuten dauern, kommt ganz drauf an was in der Episode behandelt wird, der Vorteil der Webserie ist ja eindeutig das sie nicht an ein Programmschema gebunden ist und daher auch viel mehr Freiheiten geniesst als eine Standard-Fernsehproduktion, auch kann man das Format wunderbar dazu nutzen Schlüsselsequenzen auch nachträglich einzubetten, wie zB die Lost Pieces Mobisodes von Lost

Zu Konkurrenz zum Fernsehen, ich habe Webserien nie als Konkurrenz betrachtet, ich denke eher allein dadurch das man es ja keinem verbieten kann eine Serie zu machen wird über die Jahre einfach eine friedliche Ko-Existenz zwischen all diesen Serien entstehen, egal über welche Quelle man sie jetzt abruft, es wird Gassenhauer geben die dann im Zweifelsfall von einer privaten Serie zu einem Profi-Studio wechseln wie das auch in der Musikwelt ab und an mal passiert aber auf lange Sicht wird sich da nicht viel ändern, viele kleine Serien mit einem festen Fan-Kreis und dann eben das was uns die Fernsehbosse verkaufen wollen als Qualitätsfernsehen.
Was sich ändern wird ist die Art wie wir das "normale" Fernsehen konsumieren, mehr Pay-TV, mehr über Online-Quellen wie Maxdome, mehr personalisiertes Programm als festes Schema, jederzeit verfügbare Folgen auf Handy/PC/iPod usw. allerdings wird die gute alte Glotze lange nicht aussterben dafür ist das ganze OnDemand und Pay per View System einfach noch viel zu umständlich/kostenintensiv und solange Geräte wie TiVo nicht auch auf dem deutschen Markt einschlagen wird da nicht viel passieren (ja ich weiss es gibt Festplattenrekorder aber das sind keine Tivos punkt aus

Zu Interaktivität, klar kann nicht jede Serie jetzt hier viral reinhauen wie Nine Inch Nails zB allerdings erwarten Leute immer etwas mehr von einer Webserie ganz einfach schon deswegen weil sie hier nicht an der Fernbedienung sitzen sondern vor der Tastatur, da will man ja auch irgendwas zu tun bekommen, es muss ja nicht gleich so sein das die Leute die Serie direkt beeinflussen können, ist einfach davon abhängig was sich machen lässt, wie kreativ die Produzenten sind, was überhaupt zur Serie passen würde.

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3. mariano vor 3 JahrenPlatz 37 in der Community Top-100

Ich werfe einfach mal «PG Porn» in den Ring.

Sehr lusting, was da James Gunn mit all den Stars gemacht hat. Die ürspüngliche URL geht nicht mehr, daher muss man jetzt über SpikeTV gehen

http://www.spike.com/hub/pgporn

Stars, die bislang zu sehen waren:
Sean Gunn (Gilmore Girls), Alan Tudyk (Serenity), Craig Robinson (The Office), Nathan Fillion (Serenity, Castle) und andere...

---

LG Mariano
Team Serienjunkies

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4. Farguard vor 3 Jahren

ich hätte jetzt mit diesem tollen Video gerechnet: http://www.youtube.com/watch?v=mBaOCKtDY9g

Was auffällt ist doch, dass die "im low-budget gestarteten" Webserien, die heute dann Zahlen von > 500.000 Views pro Episode haben, aus den USA stammen und da wohl auch die meisten Zuschauer.

Am einfachsten scheint es wirklich zu sein: Thema, dass jüngere anspricht + englisch (größere Gruppe von möglichen Zuschauern) + handwerklich gut (keine Wackelkamera, keine "1MB-Webcamqualität", ...), "amerikanisch"+ wenigstens ein/e etwas bekanntere Person (kann man dann mit werben ) + relativ konstanter Rythmus was neue Folgen angeht + Werbung = Epic Win

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5. martn09 vor 3 Jahren

Moin cldx,
vielen Dank für den tollen Einstieg. Da haben wir ja schon mal eine schöne Grundlage.

Deine ersten Punkte sind natürlich völlig logisch und ich gehe damit im großen und ganzen konform. Ich glaube aber, dass die "accesibility" nicht zu so wichtig ist. Da eine Folge einer Webserie im allgemeinen unter 6 Minuten liegt und die Folgen immer verfügbar sind, kann man relativ schnell das verpasste aufholen. Die wenigsten Webserien haben mehr als 50 Folgen bis jetzt. Kann sich aber diese Kurzform halten? Man kann zwar wirklich eine Menge in 3 bis 6 Minuten erzählen aber reicht das aus um Zuschauer zu binden? Ich denke ja, dass diese Kurzform schon bald wieder verschwinden wird. Alleine schon aus dem Grund, dass die Fernsehsender mit ihren langen Formaten massiv ins Netz drängen.

Den Punkt "Setting" sehe ich ähnlich. Die Illusion muss natürlich perfekt sein sonst macht es keinen Sinn. Aber viele Webserien haben kein Budget. Manchen sieht man es an und anderen wiederum nicht. Ist der Zuschauer bereit diese neue Ästhetik zu akzeptieren? Ich persönlich denke nicht, dass die Webserie zur Zeit eine Konkurenz für eine Fernsehserie sein kann. Ist der Zuschauer aber gewillt diese beiden Formate getrennt von einander zu bewerten und die Webserie (noch) nicht mit der TV-Serie zu vergleichen.
Sollte die Webserie nicht vielmehr Geschichten erzählen, die die etablierten Sender niemals ins Programm genommen hätten. Um zu zeigen, dass man auch in Deutschland kreative Serien produzieren kann. Oder sind diese beiden Formate einfach nicht zu vergleichen?

Damit kommen wir zum Punkt der Interaktivität. Ein absoluter Vorteil für die Webserie? Ich bin kein Fan davon Fiktion und Realität verschwimmen zu lassen. Ich bin auch der Meinung, dass es nicht funktioniert. Außerdem ist man dann als Macher auch sehr beschränkt in seiner Geschichte. Was den Einbezug des Users angeht haben wir alle Hoffnung verloren. Es kann natürlich daran liegen. dass unsere Serie den Zuschauer nicht dazu inspiriert darüber zu diskutieren aber nach langer Recherche bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es in Deutschland einfach noch keine Kultur dafür gibt. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Webserien sondern durchaus auch auf die TV-Serie. Da kann es natürlich sein, dass der Fan eher in Amerikanischen Foren diskutiert.
Das ganze hat, glaube ich, viel mit der Akzeptanz der Webserie zu tun. Es ist immer noch so, dass das Wort Webserie negative Assoziationen auslöst (vielen Dank Youtube & Co). Damit ist es extrem schwierig "Promo" zu machen (wo wir gerade beim Thema sind: "Dämmerung" schauen: http://www.3min.de/943/59/4/Daemmerung)

Was die Werbung angeht. Es ist wohl ein notwendiges Übel aber im Regelfall ist die Webserie dafür Gratis und immer und überall aufrufbar. Vielleicht ist aber auch gerade das der Punkt. Nach dem Motto: Was nichts kostet kann auch nicht gut sein.

Freue mich auf eure Meinungen!

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6. martn09 vor 3 Jahren

moin leute,

sorry für die lange pause aber ich hatte den luxus etwas urlaub zu machen.
@ mariano: ich denke hier gilt wieder das selbe, was cldx zu joss wheadon gesagt hat. das ist natürlich eine erfreuliche entwicklung aber schwierig mit dem deutschen markt zu vergleichen. wie bei fast allen audio-visuellen produkten.

für mich, als no-budget independent nachwuchsfilmemacher, stellt sich im moment einfach die frage nach der nachhaltigkeit. kann ich mit meiner webserie überhaupt eine akzeptanz beim user generieren. der verlauf dieser diskusion ist ja das beste beispiel. als erstes werden die webserien genannt, die durch star power, solides handwerk (was man erwarten sollte in dieser kategorie) und natürlich dem zusatz "amerikanisch" glänzen. ist das rezept wirklich so einfach? einfach ein paar namen und schon hat das ganze einen höheren wert? das die amis uns mal wieder jahre vorraus sind ist ja nicht ungewöhnliches. und es gibt wirklich tolle no-budget webserien in amerika wie the guild oder afterworld oder we need girlfriends und so weiter. ich wage mal die kühne prognose, dass, wenn diese serien in deutschland produziert worden wären, sie nicht so erfolgreich wären. ist das deutsche puplikum mittlerweile so abgeturnt von deutschen produktionen? gibt es überhaupt noch hoffnung für deutsche serien? egal ob web oder tv.
aber kommen wir nochmal kurz zur deutschen webserie. warum schaut ihr sie oder warum schaut ihr sie nicht. vielleicht können wir hier eine kleine umfrage starten. ich weiß, die gruppe hier ist zu klein für eine umfrage aber vielleicht wäre das ganze auch mal ein thema für die sj.de hauptseite.

beste grüße

martn

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